Donnerstag, 14. Januar 2016

BERLIN: Tötungsdelikt z.N. von Maren Graalfs (1997)

Wer kann Angaben machen?

Ich hatte hier auch schon einmal über diesen Mordfall berichtet. Leider gibt es bis jetzt keine neuen Erkenntnisse, aber vielleicht kommt nun durch die RBB Sendung "Täter-Opfer-Polizei Extra" der Stein ins Rollen und es kommt zu neuen Erkenntnissen. Deshalb berichte ich erneut auch hier im Blog.


Maren Graalfs liebte das Leben. Die Mutter von zwei erwachsenen Kindern wohnte in Berlin, galt als aufgeschlossene Frau, die beruflich auf eigenen Füßen stand. 1997 verschwand sie plötzlich. Wochenlang sucht die Polizei nach ihr, dann stand fest: Maren Graalfs wurde ermordet. Der Mörder konnte bis heute leider nicht gefasst werden. 

Portrait des Mordopfers Maren Graalfs. (Quelle: rbb)
Maren Graalfs
Foto: Polizei/RBB 
Der Mercedes des Mordopfers Maren Graalf. (Quelle: rbb)
Maren Graalfs Mercedes
Foto: Polizei/RBB

Am Vormittag des 22. März 1997 ist Maren Graalfs mit ihrer Tochter in einem Berliner Café verabredet. Sie ist sonst immer zuverlässig. Doch diesmal wartet die Tochter vergebens, ihre Mutter kommt nicht. Die Tochter glaubt an ein Missverständnis.

Drei Tage später, in Mecklenburg-Vorpommern:

In der Nähe von Schwerin macht am 25. März 1997 ein Zeuge mit zwei Bekannten einen Spaziergang im Landschaftsschutzgebiet Lewitz. Sie laufen am Ufer eines Wassergrabens entlang. Plötzlich sieht der Zeuge etwas im Wasser schwimmen. Als er näher ans Wasser tritt, erkennt er, dass das, was da an der Oberfläche treibt, ein Mensch ist. "Dieser Mensch - ich konnte ihn nicht näher identifizieren, weil das Wasser trüb war – lag einfach so da, die Hände nach oben gestreckt."

Der Zeuge ist schockiert. Was er beim ersten Anblick nicht er kennen kann: Die im Wasser schwimmende Leiche hat keinen Kopf. Nach der Bergung des Körpers durch die Polizei ist erstmal nur klar, dass es sich um eine Frau handelt. Die Obduktion der Leiche ergibt: Der Kopf wurde nach dem Tode der Frau entfernt. Auffällig ist auch: Der Körper der Frau hat sonst keine äußeren Verletzungen. Deshalb können die Ärzte die genaue Todesursache nicht feststellen.

Anfang April 1997 hat sich Maren Graalfs immer noch nicht gemeldet. Elf Tage nach ihrem Verschwinden melden Maren Graalfs Kinder ihre Mutter bei der Polizei als vermisst. Wenige Tage später findet die Polizei Maren Graalfs Dienstwagen, einen dunklen Mercedes. Er steht in der Nähe des Hamburger Hauptbahnhofs. Von Maren Graalfs fehlt weiterhin jede Spur. Es vergehen noch einmal vier Wochen, dann steht fest: Maren Graalfs ist tot. Sie ist die Frau aus dem Wassergraben bei Schwerin. Der Vergleich von Röntgenaufnahmen beweist es.

Wie die Berlinerin nach Lewitz transportiert wurde, darüber können die Ermittler nur spekulieren. Nahe liegt: Der Mörder hat ihren Dienstwagen benutzt, sie unterwegs abgelegt und ist weiter gefahren. Dass der Mercedes dann in Hamburg abgestellt wurde, ist für die Ermittler ein Indiz: Der Täter muss viel über sein Opfer gewusst haben, auch über das Privatleben. Denn Maren Graalfs hatte eine Beziehung zu einem Mann, der in Hamburg lebte.

Barbara Masuch von der Berliner Mordkommission leitet die Ermittlungen im Fall Graalfs seit 2004. Sie kann sich vorstellen, dass der Täter versuchte, mit dem abgestellten Auto in Hamburg eine falsche Spur zu legen. Doch woher der Mörder diese privaten Informationen hatte und warum er Maren Graalfs Leiche verstümmelte, darüber kann auch Barbara Masuch nur spekulieren: "Eine Theorie könnte sein, dass er die Identifizierung der Toten einfach erschweren wollte. Es könnte aber auch sein, dass die Abnahme des Kopfes etwas mit Hassgefühlen zu tun gehabt hat."
Spezialisten für Fallanalyse sollen helfen, den Fall zu lösen

Die Ermittlungen bleiben erfolglos, es gibt wenig konkrete Spuren.

Fünf Jahre nach dem Mord, im Jahr 2002, ziehen die Ermittler Spezialisten der Abteilung "Operative Fallanalyse" hinzu. Christian Schulz ist Chef-Analytiker beim Landeskriminalamt in Berlin und war damals einer aus dem Team. Er geht davon aus, dass der Täter "in irgendeiner Art von Beziehung oder Verhältnis zu Frau Graalfs stand. Dass er sie nicht getötet hat, um sie zu berauben, sondern weil sie irgendetwas veranlasst haben muss, wo er sagte: ich kann nicht anders, als diese Frau jetzt zu töten."



Für Schulzes These spricht, dass der Mörder nach der Tat in die Wohnung des Opfers ging, unweit vom Kurfürstendamm. Es gab keine Einbruchsspuren, vermutlich benutzte er den Wohnungsschlüssel von Maren Graalfs. Wahrscheinlich hielt er sich längere Zeit dort auf und genoss es, sich im ganz privaten Bereich seines Opfers zu bewegen. Womöglich war der Mörder sogar mehrmals in der Wohnung und kostete dabei eine Art Machtgefühl aus. Der Täter nahm auch mehrere "Trophäen" aus der Wohnung mit. Er entwendete ein privates Telefonbuch und eine Elefantensammlung, die einen rein ideellen Wert für die Sammlerin besaß. Außerdem verschwindet aus Graalfs Wohnung Schmuck im Wert von damals einhunderttausend Mark (gut 51.000 Euro).
Schmuck des Mordopfers Maren Graalfs. (Quelle: rbb)
Schmuck von Maren Graalfs
Foto: Polizei/RBB
Am 4. Mai 1997 – knapp sechs Wochen nach dem Mord – meldet sich der Mörder telefonisch. Eine männliche Stimme hinterlässt eine beleidigende Nachricht auf dem Anrufbeantworter von Maren Graalfs Tochter. Ihre Telefonnummer stand in dem privaten Telefonbuch, das aus Maren Graalfs Wohnung verschwunden war. Die Ermittler sind sicher, dass es sich bei der Stimme auf dem Anrufbeantworter um den Mörder handelt. Christian Schulz geht davon aus, dass der Täter wohl das Bedürfnis verspürte, nach der Tötung seine Wut auf Maren Graalfs weiterhin irgendwo auszuleben.

Diesen Anruf veröffentlicht die Kriminalpolizei 2002, in der Hoffnung, dass jemand die Stimme erkennt. Doch das bringt die Ermittlungen nicht weiter. Im Jahr 2008 werden alle Spuren noch einmal untersucht. Dank neuer Technik kann tatsächlich elf Jahre nach dem Mord die DNA des Täters gesichert werden. Die Polizei nimmt daraufhin Speichelproben von Männern im näheren und weiteren Umfeld von Maren Graalfs. Bisher brachten diese Überprüfungen allerdings kein Ergebnis.

Die Ermittler sehen noch eine andere Möglichkeit, den Täter nach so langer Zeit zu überführen. Sie vermuten, dass der Täter seine "Trophäen" noch besitzt. Der Fallanalytiker Christian Schulz kann sich vorstellen, dass der Täter die Elefantensammlung noch immer bei sich hat oder sie sich an einem Ort befindet, den nur der Täter kennt. Das trifft womöglich auch auf den abgetrennten Kopf der Leiche zu, der immer noch verschwunden ist, sagt Christian Schulz. Es könne sein, dass der Täter den Kopf irgendwo vergraben habe. Es sei möglich, dass er noch heute gelegentlich mit jemandem diesen Ort besucht, "ohne das sein Begleiter oder seine Begleiterin davon weiß – aber für ihn ist es noch mal ein Machtgefühl."

Dieses Auskosten seines Machtgefühls kann sich auch im Verhalten des Täters bemerkbar machen. Deshalb fordert Ermittlerin Barbara Masuch die Menschen auf, ihr eigenes Umfeld daraufhin zu überprüfen, ob jemand eine Person kenne, die ein unerklärlich starkes Medieninteresse für diesen Fall hat oder hatte. Denn oft komme es vor, dass Täter alles sammeln, was über Taten, die sie begangen haben, in den Medien veröffentlicht wird. So könnte es auch im Fall des Mörders von Maren Graalfs sein.


Weiterhin interessiert die Polizei, ob Teile des Schmucks von Maren Graalfs zum Kauf angeboten oder verschenkt wurden. Auch hier hofft die Polizei auf Hinweise aus der Bevölkerung, um den brutalen Mord doch noch aufzuklären.

Sie erreichen die Ermittler der Berliner Mordkommission unter der Telefonnummer 030 - 4664 911 666 oder über jede andere Polizeidienststelle.

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