Mittwoch, 28. August 2013

BERLIN: Tötungsdelikt z.N. von Stefan Lamprecht (1995)

Zeugen gesucht-Ermittler rollen Fall neu auf




Vergewaltigt und getötet: Im August 1995 wurde auf einer Müllkippe bei Berlin die Leiche des 13-jährigen Stefan Lamprecht gefunden. Jetzt veröffentlichte die Polizei neue Details und hofft auf Zeugen

Wer tötete Stefan Lamprecht? Die Berliner Polizei sucht 18 Jahre nach der Tat erneut nach Zeugen
Wer tötete Stefan Lamprecht? Die Berliner Polizei sucht 18 Jahre nach der Tat erneut nach Zeugen
Foto: Polizei



Mit einer neuen Pressemeldung, die auch ermittlungstaktisches Wissen preisgibt, hofft die Kriminalpolizei, doch noch Licht in ein 18 Jahre zurückliegendes, ungeklärtes Verbrechen zu bringen, dem ein Kind zum Opfer gefallen war. Vielleicht erinnern sich mögliche Zeugen, insbesondere Erwachsene, die damals selbst noch Kinder waren, an Dinge, die sie bisher für unbedeutend gehalten haben, jetzt aber in einen Zusammenhang bringen könnten.

In den Sommerferien 1995 hielt sich der 13-jährige Stefan Lamprecht seit dem 16. Juli bei seinem Vater in Berlin auf. Er lebte seit 1989 mit seiner Mutter und seiner Schwester in Kiel, nachdem die Familie noch vor der Wende aus der DDR ausgereist war. Wie schon im Jahr zuvor besuchte er nun seinen Vater in seiner Geburtsstadt und verbrachte einen Teil der Ferien bei ihm.
Beide wohnten zu dieser Zeit in der Seelower Straße 2 im Bezirk Prenzlauer Berg, Nahe dem U- und S-Bahnhof Schönhauser Allee, bei seiner Großmutter väterlicherseits.

Stefan Lamprecht verbrachte seine Ferienzeit in Berlin fast ausschließlich zusammen mit seiner Oma und seinem Vater, den er teilweise zur Arbeit begleitete oder mit dem er besonders gern zum Angeln ging, sein liebstes Hobby neben Fußball. Darüber hinaus traf er sich einmal mit einem fast gleichaltrigen Jungen aus der Verwandtschaft, der sich zu dieser Zeit ebenfalls in Berlin bei seinen Großeltern aufhielt. Beide waren seit frühester Kindheit miteinander befreundet und hatten in Pankow unweit voneinander gewohnt.

Beide Jungen waren Ende Juli 1995 einen Tag zusammen im Freibad Pankow. Stefan hatte eine Nacht bei seinem Freund und dessen Großeltern in der Sellinstraße 3 in Pankow übernachtet. Dort hatte Stefan seine Badesachen vergessen, die er vor seiner Rückreise nach Kiel noch abholen wollte.

Am Mittwoch, den 2. August 1995, brach Stefan Lamprecht gegen 15.00 Uhr aus der Wohnung seiner Oma auf, um seine Badesachen abzuholen. Gegen 16.15 Uhr verließ er die Sellinstraße wieder, um zur Großmutter zurückzukehren. Seine Badesachen trug er in einer dünnen weißen Plastiktüte bei sich.

An diesem Nachmittag wird Stefan Lamprecht letztmalig lebend in der Sellinstraße 3 in Pankow gesehen. Stefan Lamprecht, der noch am Mittwochabend zusammen mit seinem Vater zum Nachtangeln gehen wollte, blieb verschwunden. Vater und Großmutter machten sich bereits am frühen Abend Sorgen und der Vater erstattete in den späten Abendstunden eine Vermisstenanzeige bei der Polizei, nachdem er vergeblich versucht hatte, seinen Sohn zu finden. Die Suche in den folgenden Tagen blieb ebenfalls erfolglos.

Am Dienstag, den 8. August 1995, wurde auf der Mülldeponie Schöneiche bei Mittenwalde beim Entladen von Waggons mit aus Berlin stammendem Hausmüll ein getöteter Junge gefunden, der schließlich als Stefan Lamprecht identifiziert wurde.

Erkenntnisse zu dem Mordfall:

Stefan Lamprecht ist Opfer eines Sexualverbrechens geworden. Exakte Rückschlüsse auf das Tatgeschehen waren aber durch die gerichtsmedizinische Untersuchung nicht zu ziehen. Stefan wurde ohne seine Bekleidung - eine hellblaue, kurze verwaschene Jeanshose, ein grünes, ärmelloses T-Shirt und seine Sandalen - aufgefunden.
Stefan hatte mehrere Verletzungen, die ihm der unbekannte Täter mit einem Messer zugefügt hatte. Weitere Verletzungen am Unterleib machen deutlich, dass ein sexuelles Motiv vorgelegen haben muss.
Die Ermittlungen brachten keine konkrete Erkenntnis über seinen Aufenthaltsort zwischen dem 2. August, Mittwochnachmittag, bis zum Auffinden am Dienstag, den 8. August 1995.

Lautsprecherdurchsagen in der Nähe der Sellinstraße, das Verteilen von Fahndungsplakaten, die Auslobung einer Belohnung von 10.000 DM und zahlreiche Presseveröffentlichungen führten zu keinen relevanten Ermittlungsanhalten.
Niemand hatte den 13-jährigen, blonden Stefan offensichtlich auf seinem 2,5 km langen Heimweg von der Sellin- zur Seelower Straße beobachtet oder auffällige Situationen bemerkt, in denen der 1,54 Meter große, schlanke Junge auf den späteren Täter gestoßen sein könnte.

Zusammentreffen mit dem Täter:

Es wird vermutet, dass Stefan auf seinem Nachhauseweg auf seinen Mörder getroffen ist. Es muss von einem zufälligen Zusammentreffen ausgegangen werden. Andere Kontakte außerhalb der Familie hatte Stefan nicht in Berlin.
Die Mordkommission schließt ein - zunächst - freiwilliges „Untertauchen“ von seiner Seite absolut aus. Stefan war sehr zuverlässig und freute sich auf die Unternehmung mit seinem Vater, zu dem er ein gutes, entspanntes Verhältnis hatte.

Es ist unbekannt, wie Stefan überhaupt von der Seelower Straße zu seinen Verwandten in die Sellinstraße gekommen war. Er könnte die gut 2,5 km gelaufen sein, er könnte aber auch öffentliche Verkehrsmittel entlang der Schönhauser Allee bzw. der Berliner Straße zwischen Pankow und Prenzlauer Berg genutzt haben, am wahrscheinlichsten z. B. die Straßenbahn. Der kürzeste Weg verläuft hauptsächlich entlang der Schönhauser Allee und der Berliner Straße. Auf dieses Gebiet richtet sich das Hauptaugenmerk der Ermittlungen.

Mögliche Kontaktaufnahme des Täters mit Stefan Lamprecht:

Stefan war ein sehr freundlicher Junge. Das Ansprechen unter einem Vorwand, ob Stefan vielleicht bei einer Tätigkeit behilflich sein könnte, ist natürlich denkbar. Weiterhin hat Stefan geraucht, vielleicht hat der Täter das als Anlass genommen, mit ihm ins Gespräch zu kommen. Erwähnenswert ist, dass Stefan zwar nie Alkohol getrunken hat, bei seiner Obduktion aber eine erhebliche Alkoholbeeinflussung festgestellt wurde. Der Alkohol könnte ihm aber auch gewaltsam verabreicht worden sein.

Die Suche nach dem eigentlichen Tatort war bisher erfolglos:

Es ist davon auszugehen, dass der Täter mit Stefan eine Räumlichkeit aufsuchen konnte und ihn dort ungestört längere Zeit in seiner Gewalt hatte. Er konnte sein Opfer dort aber nicht zurücklassen, weil sonst Rückschlüsse auf ihn möglich gewesen wären. Vielleicht hat der Täter deswegen ein hohes Entdeckungsrisiko in Kauf genommen und sich auf eine Beseitigung des Opfers mittels eines Hausmüllcontainers eines größeren Gebäudes in dichtem Wohngebiet eingelassen.
Funde im Müllwaggon deuten darauf hin, dass die Kinderleiche in der Wohnumgebung Schönhauser Allee/Berliner Straße in den Hausmüll gelegt wurde. Eine Ablage direkt am Verladebahnhof in der Asgardstraße in Heinersdorf, wie anfangs zu vermuten war, wird nicht mehr favorisiert.

Es gibt aber Hinweise, dass der Täter den ermordeten Jungen zwischendurch noch an einer anderen Stelle abgelegt hatte, bevor er ihn in einer Mülltonne beseitigte. An seinem Körper wurden nämlich Braunkohlerückstände festgestellt, die wie eine „Panade“ den gesamten Körper überzogen. Vielleicht wurde Stefan Lamprecht einige Tage in einem Kohlenkeller oder -schuppen zwischen Braunkohlebriketts verborgen gehalten.

Die Polizei ist an der Benennung von Orten interessiert, die irgendwie zu den Schilderungen passen und wo Zeugen Anfang August 1995, vom 2. bis zum 8. August, auffällige Beobachtungen gemacht haben und die sich in der Nähe des vermuteten Laufweges von Stefan befinden.
Denkbar sind dabei auch öffentliche Gebäude, die vielleicht wegen der Sommerzeit geschlossen waren, aber für einen kleinen Personenkreis zugänglich waren. Vielleicht gibt es auch Bezirksschornsteinfeger, denen etwas Spezielles aufgefallen ist, was für sie - damals - keine besondere Bedeutung hatte.

Neben dem Aspekt der Braunkohle gibt es einen weiteren Punkt, der ermittlungsrelevant sein könnte: Stefan Lamprecht hatte bei seinem Auffinden lediglich blaue Müllsäcke am Körper, die eher wie „Bekleidung“ wirkten denn wie Verpackungsmaterial. Unter Umständen hat oder hatte der Täter eine spezielle „Beziehung“ zu diesem Material im Sinne eines „Fetisch“.

Täterprofil:

Am wahrscheinlichsten ist, dass Stefan Lamprecht Opfer eines ihm zuvor unbekannten Täters geworden ist, der zwar tatbereit war, aber eher zufällig auf Stefan traf.
Die Begehungsweise der Tat deutet auf eine sadistische Tendenz beim Täter hin. Diese Phantasien könnte er bereits im Vorfeld durchgespielt oder jemandem mitgeteilt haben. Trotzdem könnte der Täter sozial integriert und unauffällig sein, sicher und selbstbewusst auftreten.
Da die Bekleidung des Opfers und seine mitgeführten Badesachen fehlten, ist denkbar, dass der Täter diese Gegenstände nach der Tat aufbewahrt hat.

Die Polizei fragt:


  1. Wer kann Hinweise zu Personen geben, die im Bereich der Schönhauser Allee und der Berliner Straße, also zwischen Pankow und Prenzlauer Berg, Mitte der 90er Jahre durch ihre Verhaltensweise aufgefallen sind, Kontakt zu zehn- bis 13-jährigen Jungen zu suchen, darüber hinaus eventuell über Zugang zu einer Räumlichkeit in diesem Bereich mit Braunkohlebriketts verfügten. Unter Umständen haben blaue Plastiktüten oder Tüten überhaupt eine besondere Bedeutung für den Täter.
  2. Es wird nicht ausgeschlossen, dass der Täter im Nachhinein über seine Tat mit jemandem gesprochen hat oder zwischenzeitlich versucht hat, seine sadistische Komponente erneut auszuleben.
  3. Zeugen könnten auch Erwachsene sein, die in Ihrer Kindheit um das Jahr 1995 in diesem speziellen Bereich Beobachtungen/Erlebnisse hatten, in denen die genannten Aspekte eine Rolle spielten und die sich damals nicht trauten, sich jemandem zu offenbaren.
  4. Unter Umständen ist damals Stefans Bekleidung irgendwo aufgetaucht, ohne dass der Finder dem Bedeutung beimaß. Stefan hat ein grünes ärmelloses T-Shirt und eine ausgewaschene kurze Jeans getragen. Seine Badesachen wurden in einer weißen, unbeschrifteten Tüte transportiert, wie es sie beim Fleischer oder an einem Imbissstand gibt. Es war eine dunkle Badehose in Form einer Radlerhose und ein dunkles Handtuch mit Blumenmotiv.
  5. Darüber hinaus wurde Jahre später bekannt, dass ein pädophil veranlagter Mann zu Stefan in seiner Kieler Heimat Kontakt gesucht hatte. Darüber wissen die Ermittler wenig. Sollte es dazu Zeugen geben, werden diese Personen ebenfalls gebeten, sich zu melden. Über das Kieler Umfeld von Stefan Lamprecht gibt es insgesamt nur wenige Informationen.

Hinweise nimmt das Landeskriminalamt 11 – Sonderermittlungen – in der Keithstraße 30 in Tiergarten unter der Rufnummer (030) 4664 - 911 902 zu den Bürodienstzeiten oder jede andere Polizeidienststelle entgegen.

Dienstag, 27. August 2013

BAD WÖRISHOFEN: Tötungsdelit z.N. von Norbert Hübender (1993)

Endlich neue heiße Spur

Der ermorderte Norbert Hübener war nicht nur Anwalt, sondern auch Casanova. Neben seiner Leiche lag ein Nacktbild. Jetzt, 20 Jahre nach der Tat, gibt es eine neue heiße Spur.
In dieser Villa in Bad Wörishofen wurde der Anwalt ermordet
Foto: Polizei

Dieser Mord schockte ganz Bad Wörishofen. Im Herbst 1993 wirdRechtsanwalt Norbert Hübener (57) mit einer Axt in seiner Wohnung erschlagen. Erst Tage später findet ein Freund seineLeiche. Vom Täter fehlt bis heute jede Spur. Nun, 20 Jahre später, ist die Polizei einem Verdächtigen dicht auf den Fersen. Er stammt aus dem ehemaligen Jugoslawien und soll sich derzeit dort aufhalten. Nicht das einzige Problem: Der letzte überführende Beweis fehlt. Jetzt hofft die Polizei auf weitere Zeugen!
Mit einem Fahndungsplakat suchte die Polizei nach dem Mörder.
Foto: Polizei


Norbert Hübener galt als verlässlicher Anwalt. Als er im November 1993 nicht erreichbar ist, machen sich Freunde Sorgen. Am 4. November betreten sie seine Wohnung und finden ihn tot auf dem Sofa – ermordet. Eine Obduktion ergibt: Der Täter hat ihn bereits am 29. Oktober mit einer Axt erschlagen. Der Täter stiehlt außerdem das Bargeld und die EC-Karte des Toten. In den Tagen darauf hebt ein Unbekannter an verschiedenen Bankautomaten in ganz Bayern Bargeld in Höhe von 17 500 D-Mark ab, allein in Augsburg 16-mal. Hier beobachtet ein Zeuge den Unbekannten in Begleitung einer Frau. Doch Phantombilder von dem Mann im Alter zwischen 25 und 30 Jahren sowie der Frau führen zu keiner heißen Spur.
Ein Phantombild vom Tatverdächtigen
Foto: Polizei

Ein Phantombild der Begleitung des Tatverdächtigen
Foto: Polizei

Hübener, so finden die Beamten später heraus, war nicht nur Anwalt, sondern auch ein Casanova. Er führte Listen über Frauen, die er traf. Neben dem Leichnam fanden die Beamten ein Diabild. Darauf eine nackte Frau mit dem Tod. In seinen Schränken weitere selbstgemachte Aktaufnahmen von Frauen. Die Polizei beschreibt dies als „außergewöhnliches Hobby“. 

In einem Fahndungsaufruf in Aktenzeichen XY … ungelöst im Jahr 1995 hoffen die Beamten, dass sich das Nacktmodel, die mit dem Tod posiert, meldet. Sie vermuten einen Zusammenhang mit dem Mord. Doch die Frau auf dem Bild bleibt ein Phantom. Viele andere Geliebte – es sind knapp hundert – können nichts beitragen.
Der Anwalt Norbert Hübener galt als Casanova. Dieses Foto wurde neben seiner Leiche gefunden.
Foto: Aktenzeichen XY/ZDF

 Doch im Jahr 2009 veröffentlicht die Lokalzeitung einen Artikel über Aktenzeichen XY … ungelöst. Dabei wird der Mord an Hübener aufgegriffen. Und jetzt gibt ein Zeuge einen Hinweis auf einen Mann.

Seitdem ermittelt die Polizei gegen den 50-jährigen Tatverdächtigen, der zur Tatzeit in Bad Wörishofen als Handwerker tätig war. Die Kenntnisse reichen für die Beamten aus, um den 50-Jährigen als Tatverdächtigen anzusehen. Für eine Anklage reicht es jedoch nicht. Deswegen setzt sie auf Zeugen (Telefon: 0 83 31/1000) und hat eine Belohnung in Höhe von 15 000 Euro ausgesetzt. 
Der Aufruf wendet sich auch an die Frau, die beim Geldabheben dabei war. Sie braucht keine Strafe zu fürchten.