Freitag, 20. März 2015

KNETZGAU: Tötungsdelikt z.N. eines unbek. Mannes (2003)

Wer ist der Tote aus dem Main?

Der Fall „Torso“ Vor zwölf Jahren wurde im Main eine Leiche entdeckt – ohne Kopf, Beine und Arme. Bis heute ist die Identität des Opfers ungeklärt. Wer ist der Tote? Wenn diese Frage geklärt wäre, würden die Ermittler schon viel weiter sein. Sie könnten sein Lebensmittelpunkt, seine Gewohnheiten und sein sozialen Kontakte ermittelt werden und so könnte man das Opfer einschätzen. Was war er für ein Mann? Warum kann er nach Deutschland? Was ist mit seiner Familie? Wer ist oder sind die Täter? Warum musste er sterben?
Bildergebnis für Knetzgau Unbekannter toter im Main gefunden
Sichtschutzhülle, diese wurde auch im Kraftwerk angespült
Foto: Polizei

Früher oder später kriegen wir ihn." Im Sommer 2003 war Heinz Henneberger, damals Chef der Kriminalpolizei Schweinfurt, optimistisch, den Mörder eines jungen Mannes zu finden, dessen verstümmelte Leiche am 13. Mai 2003 am Rechen des Main-Kraftwerks bei Knetzgau (Lkr. Haßberge) angespült worden war. Heute, ganze zwölf Jahre später, ist Henneberger längst in Pension. Seine Kollegen aber haben den Mörder noch nicht dingfest machen können.

Es war eine grausige Entdeckung, die ein Arbeiter an jenem Dienstagnachmittag machte. Als er den Schmutzfang am Wassereinlauf des Kraftwerks mit einem Greifarm reinigte, fiel aus dem Greifer ein männlicher Torso. Kopf, Arme und Beine der Leiche fehlten. Nach dem Notruf traf ein Großaufgebot der Polizei am Kraftwerk ein, das nicht weit entfernt von der Autobahnausfahrt der A 70 liegt. Männer und Frauen der Bereitschaftspolizei durchkämmten – aufgereiht in langen Ketten – die Uferzonen und die Mainwiesen. Unterstützt wurden sie von mehreren Hundeführern, ein Polizei-Hubschrauber suchte aus der Luft den Main und die Uferregionen ab, Taucher gingen ins trübe Wasser und Leichenspürhunde schnüffelten von Schlauchbooten aus auf der Wasseroberfläche. Doch aller Aufwand war nicht von Erfolg gekrönt. Bis zum heutigen Tag wurden die anderen Leichenteile nicht gefunden.

Einziger konkreter Anhaltspunkt war zunächst eine grüne, wasserdurchlässige Sichtschutzplane, die am gleichen Tag wie der Torso am Kraftwerksrechen angespült worden war. Bei deren Untersuchung stellte sich heraus, dass das Leichenteil in dieser Plane mit Halbstichknoten eingenäht gewesen war. Möglicherweise durch den Schlag einer Schiffsschraube hatte sich das Paket noch im Wasser geöffnet. Doch die Plane half den Ermittlern der über 20-köpfigen Sonderkommission „Torso“ nicht weiter. Das Stück Plastik, hergestellt bei einer Firma in Osterode im Harz, wurde damals bundesweit über Baumärkte und den Fachhandel vertrieben. Die Firma stellte der Soko zwar eine Liste ihrer Fachhändler zur Verfügung und die Kripo klapperte diese auch ab – doch die enorme Fleißarbeit brachte keinen Erfolg.

Damit blieb letztlich nur der Torso selbst als einzige Spur. Die Experten am Institut für Rechtsmedizin der Universität Würzburg stellten bei der Obduktion fest, dass es sich bei dem unbekannten, unbekleideten Toten um einen schlanken und muskulösen Mann im Alter von etwa 18 bis 30 Jahren und einem Gewicht von etwa 75 Kilogramm gehandelt haben muss. Zum Zeitpunkt seines Todes war der Mann deutlich alkoholisiert: Bei der Leiche wurde eine Blutalkoholkonzentration von 1,08 Promille ermittelt. Das Abtrennen vom Kopf, der Beine und der Arme sei absolut fachmännisch erfolgt, erklärte damals Dr. Thomas Tatschner, Rechtsmediziner der Uni Würzburg, gegenüber dieser Zeitung. War der Täter ein Jäger, ein Metzger oder gar ein Mediziner? Die Leiche jedenfalls habe ganz glatte Wundränder durch geschickt geführte Messerschnitte aufgewiesen, die Gelenkpfannen und die Halswirbelsäule seien nicht beschädigt worden. „Derjenige, der die Leiche zerstückelt hat, hat gute anatomische Kenntnisse und ist sehr geübt im Umgang mit Messern“, sagte Tatschner. Und der Täter hatte offenbar Zeit, die Leiche in aller Ruhe zu zerteilen. „Es wurde nicht eilig gemacht.“

Die bei der Obduktion gezogenen DNA-Proben brachten ebenfalls keinen Erfolg. Ein Abgleich mit allen bekannten Vermisstenfällen in Deutschland blieb ohne Treffer. So beschlossen die Fahnder in Absprache mit der Staatsanwaltschaft Bamberg, am Geo- und Umweltwissenschaftlichen Institut der Universität München unter der Leitung von Prof. Peter Horn an Gewebeproben des namenlosen Leichnams eine Isotopen-Analyse durchführen zu lassen. Bei dieser feingeweblichen Untersuchung macht sich die Wissenschaft den Umstand zunutze, dass es in jeder Region des Erdballs unverwechselbare Isotope gibt, die über die Atmung und die Nahrung in den menschlichen Körper gelangen, dort abgelagert werden und im Labor nachgewiesen werden können. So ist es möglich, ein lebenslanges Bewegungsprofil eines Menschen nachzuzeichnen.

Bei der Isotopenuntersuchung von Körperzellen des Torsos gab es ein überraschendes Ergebnis: Der Mann hatte zu Lebzeiten in nur geringem Umfang Autoabgase eingeatmet. Diese Gase enthielten Spuren von Blei aus Rußland. 
Gefunden wurden auch Isotope von Stickstoff, wie sie in Gülle typisch sind. Außerdem wurde C3-Kohlenstoff aus Kartoffeln und Roggen nachgewiesen. Daraus folgerten die Kriminaltechniker: Der Unbekannte lebte seit seiner Kindheit in einer strukturschwachen, landwirtschaftlich geprägten Gegend mit geringem Kraftfahrzeugverkehr in den kalten Gebieten Nordrusslands oder Lettland. Und: Nur rund einen Monat vor seinem gewaltsamen Tod hatte der Mann erstmals seinen angestammten Lebensbereich verlassen. Die letzten Tage seines Lebens hatte er in Süddeutschland verbracht.

Nach diesen neuen Erkenntnissen konzentrierte sich die Kriminalpolizei bei der Suche nach der Identität des Mannes nun auf Nordrussland. Die Polizei nahm zuerst russische Staatsbürger und Spätaussiedler in Deutschland unter die Lupe. Über 1100 Personen wurden befragt, man ging 350 Spuren nach. Fehlanzeige. Gleichzeitig nahm die Sonderkommission über Interpol Kontakt mit den russischen Polizeibehörden auf. Unter den dort gemeldeten Vermisstenfällen gibt es bis heute keine Verbindung zu der Knetzgauer Leiche.

Die Kripo geht davon aus, dass es sich bei dem Toten um keinen herkömmlichen Touristen gehandelt hat. Vielmehr vermutet man Verbindungen zur organisierten Kriminalität. Möglicherweise sei der Mann aus einer gottverlassenen Gegend mit falschen Versprechungen in den goldenen Westen gelockt worden, um ein paar schnelle Euro zu verdienen. Dann sei irgendetwas passiert, als Folge dessen er beseitigt werden musste. 

Denn bei einer „defensiven Zerstückelung“ einer Leiche geht es in erster Linie um die Beseitigung von Spuren, die sonst direkt zum Täter führen. „Wenn man das Opfer kennt, dann kennt man auch den Täter“, sagte schon damals Kripo-Chef Heinz Henneberger. Doch bis heute konnte das Opfer nicht identifiziert werden. „Wir haben den Fall nicht zu den Akten gelegt“, sagt Herbert Then von der Kripo Schweinfurt, „aber es gibt auch wenig Ansatzpunkte für neue Ermittlungen.“

Wer Hinweise zur Aufklärung des Falles liefern will, kann sich direkt an die Kriminalpolizei Schweinfurt, Tel. 09721/202 18 21, wenden.

Donnerstag, 5. März 2015

HAMBURG: Tötungsdelikt z. N. von Brigitte Erdmann (1983)

MORD VERJÄHRT NICHT

Ein 30 Jahre alter Mordfall, ein sogenannter "Cold Case", wurde nun auch bei "Aktenzeichen XY" ungelöst gezeigt. Andere Sendungen wie "Ungeklärte Morde-dem Täter auf der Spur" hatte dies schon im Jahre 2002/2003 nach Hinweisen im Mordfall Brigitte Erdmanm gesucht. Ich habe auch schon über diesen Fall berichtet und ich möchte auch nochmal den Focus auf den Fall legen.


Brigitte Erdmann gilt Ende der 70er Jahre als eine der attraktivsten Frauen Hamburgs. Während des Studiums verdient sie ihren Lebensunterhalt als Model. Nach dem Jura-Examen geht es beruflich aufwärts. Doch privat läuft nicht alles rund. Die 30-Jährige sehnt sich nach einer dauerhaften Beziehung und antwortet auf Kontaktanzeigen in einem Stadtmagazin. Hat sie so ihren Mörder kennengelernt?

Wunderschöne Frau, Brigitte Erdmann
Wer tötete Sie?

Foto: Polizei


1983. Brigitte Erdmann ist als Juristin in der Verwaltungsberufsgenossenschaft tätig. Die attraktive Frau lebt nach dem Ende einer Beziehung allein. Einige Tage vor der Tat hat sie über Kontaktanzeigen im Hamburger Szene-Blatt "Oxmox" Verbindung zu einigen männlichen Inserenten.

Letzte Mahlzeit


Kurz nach Ostern, am Abend des 5. April 1983 - nur wenige Stunden vor der Tat - besucht Brigitte Erdmann einen Sprachkurs in der Hamburger Innenstadt. Die Juristin dürfte auf ihrem Heimweg noch einen Imbiss zu sich genommen haben, vielleicht in einem italienischen Lokal. Auch hier könnte sie auf den Mörder gestoßen sein.

Spätestens gegen 22.30 Uhr kehrt sie in ihre Zwei-Zimmer-Wohnung in Hamburg-Alsterdorf zurück. Wie der Täter in die Wohnung gelangt und ob es eine persönliche Beziehung zwischen Täter und Opfer gibt, ist ungeklärt. Fest steht: Brigitte Erdmann wird gefesselt und erstochen. Dabei verletzt sich der Täter selbst. Aus den aufbewahrten Blutspuren kann Jahre später der genetische Fingerabdruck des Täters analysiert werden.

Obskure Anrufe

Die Mutter des Opfers erhält in den nächsten Jahren jeweils an Brigitte Erdmanns Todestag einen anonymen Anruf. Der Anrufer sagt kein Wort, sondern legt nach kurzer Zeit wieder auf. Ist die Person am anderen Ende der Leitung etwa der Täter?

Verschwundene Gegenstände:

    Bild 3 von 3
    verschwundene Brieftasche 
  • rotbraune Brieftasche mit Kfz-Schein, Führerschein und Personalausweis.

Fragen der Polizei nach Zeugen:

  1. Wer kannte Brigitte Erdmann und wurde von der Polizei nicht befragt?
  2. Wer hat Brigitte Erdmann auf ihrem Weg von der Sprachenschule am Hautbahnhof zur Wohnung in der Alsterdorfer Straße gesehen?
  3. Der Täter könnte in den Tagen nach dem Mord durch Verletzungen an den Händen aufgefallen sein, für die er keine plausible Erklärung abgeben konnte. Wer kann hierzu Angaben machen?

Belohnung: Für Hinweise, die zur Aufklärung der Tat führen, ist eine Belohnung von 5.000 Euro ausgesetzt.

Zuständig: LKA Hamburg, Telefon 040 / 4628 56 789