COLD CASE DES MONATS: Vermisst Aeryn Gillern (2007)
Das Verschwinden von Aeryn Gillern
Aeryn Gillern wurde 1973 geboren. Seine Mutter Kathryn Gillerans war Amerikanerin und sein Vater war Deutscher. (Anm. Kathy und Aeryn tragen zwei verschiedene Familiennamen. „Gilleran“ ist die irische Urform, „Gillern“ die amerikanisierte Fassung.)
Am 16. November 2002 wurde er unter dem Pseudonym Michael Jackson als Mister Gay Austria und auch als Model für Bademode bekannt.
Im September 2007 flog er nach Hause zu seiner Mutter Kathryn Gilleran in Cortland, (New York), um seine Familie für zehn Tage zu besuchen.
Am 31. Oktober 2007 erhielt Kathy Gilleran einen Anruf von einem Wiener UNIDO-Mitarbeiter, dass Gillern seit zwei Tagen nicht an seinem Arbeitsplatz erschienen sei. Auch seine Freunde meldeten sich bei Kathy Gilleran. Nach Absprache mit ihr, verschafften sie sich mit einem Zweitschlüssel Zugang zur Wohnung von Aeryn, doch er blieb verschwunden.
Fast alle Psychologen sagen, dass acht von zehn Selbstmördern in irgendeiner Form auf ihren bevorstehenden Suizid hinweisen. Bei Aeryn Gillern war es anders. An dem Tag, als er verschwand, drehte sich noch die Schmutzwäsche in der Waschtrommel seiner penibel aufgeräumten Wohnung am Leopoldstädter Handelskai. Er hatte gerade Flugtickets gekauft, und wollte zwei Monate später seinen Freund, einen Schweizer, in Zürich besuchen. Er hatte mit seiner Mutter sorgfältig ihre vorübergehende Übersiedlung nach Wien durchgesprochen. Mit dem Nachbarn hatte er über seinen bevorstehenden Geburtstag getratscht. Als Aeryn Gillern am Morgen des 29. Oktober 2007 seine Wohnung verließ, um ins Büro zu fahren, lag eine Packung Rice Krispies am Küchentisch. Er hatte sie am Vorabend für seine Arbeitskollegen gebacken und sie dann in der Wohnung vergessen. Nichts, deutete darauf hin, dass er am Abend desselben Tages sich umbringen wollte.
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| Aeryn Gillerns angemietete Kabine Nr. 5. Foto: Google |
Danach musst etwas Entscheidendes passiert sein. Nach 19.30 Uhr ging Aeryn Gillern herauf zur Bar, nackt, nur mit Badeschlappen an den Füßen. Der Kellner dachte damals, dass er nur ein frisches Handtuch brauche. Doch Gillern ging an der Bar vorbei. Er eilte durch den Gang des Gründerzeithauses, öffnete die Eingangstür, lief ins Freie, es war schon dunkel an diesem Abend, kalt, leicht windig. Dass er das Gebäude verließ, sah der Barkeeper damals am Schirm der Überwachungskamera. Und dann sprang der Barkeeper auf, lief hinterher, in den Gang, durch die Eingangstür ins Freie. Doch Aeryn Gillern war schon in den verwinkelten Gassen rund um den Franziskanerplatz verschwunden. Vor dem Portal der Franziskanerkirche, 15 Meter von der Sauna entfernt, lagen seine nassen Badeschlappen.
Niemand kennt den Grund seines plötzlichen Verschwindens. Gerüchten zufolge soll es in der Sauna zu einem Streit gekommen sein zwischen einheimischen Gästen und Touristen. Der Chef der Sauna behauptete jedoch, dass an jenem Abend nichts vorgefallen sei. Aeryn kam über die Treppe zur Bar herauf und dann verschwand er einfach.
Gegen die Theorie eines Suizids spricht außerdem, dass der damals 34-Jährige Pläne hatte und seinen Freunden gegenüber nie von gravierenden seelischen Problemen sprach. Er hatte sogar seiner Mutter nahegelegt, ihr Haus in New York zu verkaufen um zu ihm nach Wien zu ziehen. Die Pläne waren schon konkret.
Später relativierte der Angler seine Aussage wieder: Er sah eigentlich nur einen Mann im Kanal, mit oder ohne Glatze. Und dann änderte er seine Aussage nochmals: Er habe eigentlich nur ein Platschen gehört.
- 19.00 Uhr: Laut Sauna und Polizei lief Aeryn Gillern etwa um diese Zeit aus dem Kaiserbründl.
- 19.20 Uhr: Aeryn Gillern telefonierte mit einem Unido-Kollegen. Das Gespräch war ganz normal, er selbst war gut gelaunt.
- 19.27 Uhr: Aeryn Gillerns Partner aus der Schweiz bekam die letzte SMS: Er wäre bald Zuhause, er rufe ihn dann an. Küsse.
- 19.30 Uhr: Telefonat mit einer Freundin
- 20.00 Uhr: Polizei erhielt den Notruf des Fischers, später stellte sich aber heraus, dass es keinen Notruf an diesem Abend gab.
- 20.23–20.50 Uhr: Die Polizei durchsuchte erfolglos den Donaukanal nach einer Person.
Im Jahr 2014/2015 nahmen „Cold-Case“-Experten den Fall wieder auf. Im Mai 2015 kam dann wieder etwas Bewegung in den Fall. Die Cold Case-Abteilung des Bundeskriminalamts rollte den Fall neu auf. Zehn Taucher der Spezialeinheit Cobra suchten bei einer zweitägigen Tauchaktion, im Bereich der Urania nach Skelettresten oder sonstigen Hinweisen. Die Aktion blieb aber erfolglos. Der Verbleib von Aeryn Gillerns konnte bis heute nicht geklärt werden und bleibt ein Rätsel.
- Wer hat Aeryn Gillern am Abend des 29. Oktober 2007, in der Zeit nach 19.30 - 20.00 Uhr, nackt durch die Singerstraße und die Ringstraße, durch die stark frequentierte Innenstadt, am Palais Coburg und am übervollen Café Prückl vorbei laufen sehen und wie er dann das Mak und das Uraniakino durchquert hat?
- Wer hat Aeryn Gillern am 29. Oktober 2007 nach 19.30 Uhr oder kurz danach gesehen, wie er die Herrensauna Kaiserbründl halbnackt verließ?
- Wer war an diesem Abend in der Sauna und weiß, was an diesem Abend in der Sauna vorgefallen ist?
- Warum reagierte Aeryn Gillern so panisch und ängstlich?
- Wer hat Aeryn Gillern am 29. Oktober 2007 in der Zeit kurz nach 19.30 und 20.00 Uhr am Donaukanal wahrgenommen?
- Wer hat andere Wahrnehmungen an diesem Abend gemacht, die mit dem Verschwinden von Aeryn Gillern in Zusammenhang stehen könnten?
- Wer hat sonstige Informationen zu dem Fall?
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