HAMBURG/CUXHAVEN: Tötungsdelikt z. N. von Frank Procopius (2024)

Der Tod von Frank Procopius

Was ist tatsächlich mit Frank Procopius passiert?

Im heutigen Beitrag widme ich mich einem rätselhaften Todesfall, der sich im Jahr 2024 in der Nordsee vor Cuxhaven ereignet hat. In den vergangenen zwei Wochen habe ich mich intensiv mit den Hintergründen beschäftigt – und je tiefer ich in den Fall eintauchte, desto mehr Fragen blieben offen.

Der Tod von Frank Procopius ist ebenso geheimnisvoll wie die Person selbst. Zwar tauchen immer wieder einzelne Informationen auf, doch sie fügen sich bislang nicht zu einem klaren Gesamtbild zusammen. Vieles bleibt widersprüchlich, lückenhaft oder schlicht nicht überprüfbar. Auch die Ermittlungsbehörden stehen vor genau diesem Problem: Ein stimmiges Gesamtbild lässt sich bislang nicht rekonstruieren.

Die Staatsanwaltschaft Flensburg bittet daher die Öffentlichkeit um Mithilfe. Mit diesem Beitrag möchte ich im Rahmen meiner Möglichkeiten dazu beitragen, Aufmerksamkeit auf diesen ungewöhnlichen und bislang ungeklärten Fall zu lenken.

Der Mord an Frank Procopius ist seit 2024 ungeklärt. Wer ist für den Tod von Frank Procopius verantwortlich?
Foto: RIB-PIRATEN HAMBURG 

Hinweis:

Dieser Blog dient der journalistischen Aufarbeitung realer Vermisstenfälle, Morddelikte und verdächtiger Todesumstände. Alle Inhalte basieren auf öffentlich zugänglichen Quellen, Medienberichten und offiziellen Angaben.
Die dargestellten Theorien stellen keine Tatsachenbehauptungen dar, sondern dienen der Einordnung ungeklärter Aspekte.
Die Unschuldsvermutung gilt uneingeschränkt. Ziel dieses Blogs ist Erinnerung, Information und kritische Analyse – keine Vorverurteilung oder Sensationalismus.


Der Fall Frank Procopius 

Frank Procopius wurde 1964 in Hamburg geboren und wuchs größtenteils an der Mecklenburgischen Seenplatte auf. Über seine Eltern ist – auch zum Schutz ihrer Privatsphäre – nur wenig bekannt. Sicher ist lediglich, dass sein Vater zur See fuhr.
Bekannt ist außerdem, dass Frank Procopius beim Militär diente. Nach dieser Zeit war er mehrere Jahre im Hamburger Kiez-Milieu aktiv und machte sich dort einen Namen. Welche konkreten Geschäfte er in dieser Phase betrieb, bleibt jedoch unklar und lässt Raum für Spekulationen.

Trotz seiner familiären Prägung und seiner Kindheit in einer wasserreichen Region spielte das Wasser lange Zeit keine zentrale Rolle in seinem Leben. Erst im Alter von 41 Jahren entdeckte er den aktiven Wassersport für sich. Diese Phase markierte offenbar auch einen Wendepunkt: Frank Procopius begann, sich zunehmend aus seinen bisherigen Tätigkeiten zurückzuziehen und beruflich neue Wege einzuschlagen.

Unternehmerische Tätigkeit 

Diesen Schritt setzte er konsequent um. In den folgenden Jahren etablierte er sich als einer der Pioniere für Hochgeschwindigkeits-Bootstouren in Hamburg und entwickelte eine enge Verbundenheit zum Hamburger Hafen. Im Jahr 2009 gründete er gemeinsam mit seiner Partnerin Caro das Unternehmen "RIB-Piraten". Das Unternehmen spezialisierte sich auf Touren mit Festrumpfschlauchbooten [Rigid Inflatable Boats, kurz RIB] im Hamburger Hafen und auf der Elbe. Der Hauptsitz befindet sich im City-Sportboothafen in Hamburg.

Frank Procopius verfolgte dabei eine klare und zugleich strenge Unternehmensphilosophie: Im Mittelpunkt stand der Adrenalinkick durch Geschwindigkeit – jedoch stets kombiniert mit hohen Sicherheitsstandards ["Safety First"] und einem professionellen, kooperativen Verhältnis zu den Hafenbehörden.

Frank Procopius bei einer Bootsfahrt mit seinem Festrumpfschlauchboote.
Foto: RIB-PIRATEN HAMBURG 

Mysteriöse Todesumstände 

Am 29. April 2024 brach der 60-jährige Frank Procopius allein mit seinem Schlauchboot vom Anleger in Grünendeich (Landkreis Stade) auf. Anlass war das Einfahren eines neuen Motors für eines seiner Festrumpfschlauchboote – eine Routine, die er regelmäßig selbst übernahm, sobald er neue Technik für seine Boote anschaffte.
Üblicherweise führte ihn diese Fahrt von Grünendeich elbabwärts bis nach Cuxhaven. Dort legte er eine kurze Pause ein, oft verbunden mit einem Fischbrötchen, bevor er sich wieder auf den Rückweg machte. Während dieser Touren hielt er engen Kontakt zu seiner Partnerin Caro und übermittelte ihr in regelmäßigen Abständen seinen Standort.

Auf der Karte ist die Route eingezeichnet, die Frank Procopius in der Regel nahm, wenn er einen neuen Motor für eines seiner Festrumpfschlauchboote [RIB] einfahren wollte. Er startete von Grünendeich und fuhr elbabwärts bis nach Cuxhaven. Dort machte er eine kleine Pause und fuhr die Strecke auf dem gleichen Weg wieder zurück. 
Foto: Google Maps 

Frank Procopius startete und beendete seine Tour am Anleger in Grünendeich [Landkreis Stade].
Foto: Google Maps 

Der Anleger in Grünendeich [Landkreis Stade].
Foto: Google Maps 

Das Verschwinden 

Am 29. April 2024 jedoch wich Frank Procopius von diesem gewohnten Ablauf ab – ein Umstand, auf den ich später noch näher eingehen werde. Gegen 15.00 Uhr konnte seine Partnerin ihn plötzlich telefonisch nicht mehr erreichen, auch eine Standortübermittlung blieb aus. Alarmiert von dieser ungewöhnlichen Situation machte sie sich umgehend Sorgen und verständigte die Wasserschutzpolizei Cuxhaven.

Die Einsatzkräfte reagierten sofort und leiteten eine Suche nach dem Unternehmer ein. Gegen 18:00 Uhr wurde schließlich sein herrenloses Boot entdeckt, das führerlos auf dem Wasser kreiste. Von Frank Procopius selbst fehlte zu diesem Zeitpunkt jedoch jede Spur.

Ich habe die Route von Frank Procopius eingezeichnet, die er am Tag seines Verschwindens [29. April 2024] genommen hat. Am 29. April 2024 brach Frank Procopius mit seinem Festrumpfschlauchboot [RIB] um einen Motor einzufahren. Zunächst verlief alles wie immer, doch dann wich Frank Procopius von seinem üblichen Ablauf ab. Er schaltete die Ortung ab und machte keinen kurzen Stopp in Cuxhaven, sondern fuhr weit auf das offene Meer [Nordsee] raus. 
Foto: Google Maps 

Die Entdeckung 

Am 9. Juli 2024 entdeckten Mitarbeiter der Schutzstation Wattenmeer bei Süderoogsand auf einer Sandbank eine Leiche im Schlick. Es war schnell klar, dass es sich um den vermissten Unternehmer Frank Procopius handelt. Die gesamte Auffindesituation sprach nicht für einen Unfall, denn seine Gliedmaßen waren mit Kabelbindern gefesselt. Außerdem war um den Hals von Frank Procopius ebenfalls ein eng zugezogener Kabelbinder befestigt und seine Rettungsweste war aufgeschlitzt. An der Rettungsweste befanden sich Metallschäkeln, vermutlich war an den Metallschäkeln ein schweres Gewicht befestigt.

Am 9. Juli 2024 wurde die Leiche von Frank Procopius im Schlick der Sandbank Süderoogsand entdeckt. 
Foto: Google Maps 

Der Leichenfundort 

Der Leichenfundort befindet sich auf dem Süderoogsand im Wattenmeer. Dabei handelt es sich um den größten und zugleich südlichsten der drei nordfriesischen Außensände [Hochsände] im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer, die den Halligen westlich vorgelagert sind.

Süderoogsand liegt südwestlich der Halligen Süderoog und Pellworm sowie nordwestlich von Westerhever auf der Halbinsel Eiderstedt. Im Norden wird er durch das sogenannte Rummelloch vom Norderoogsand getrennt, während im Süden der Heverstrom die natürliche Grenze bildet. Der Außensand erstreckt sich über etwa sieben Kilometer in Nord-Süd-Richtung und erreicht eine maximale Breite von rund vier Kilometern. Insgesamt umfasst er eine Fläche von etwa 15 Quadratkilometern.

Die Landschaft ist dynamisch und ständig im Wandel: Unter günstigen Bedingungen bilden sich im Westen zeitweise kleine Dünen, während der Osten flach ausläuft und nahezu nahtlos in das umliegende Sandwatt übergeht. Durch natürliche Strömungs- und Sedimentationsprozesse „wandert“ Süderoogsand jährlich bis zu 40 Meter in östliche Richtung. Der Fundort der Leiche liegt rund 50 Kilometer Luftlinie von Cuxhaven entfernt.

Das Gebiet ist unbewohnt und nur im Rahmen wissenschaftlicher Arbeiten zugänglich – seit 1975 finden dort regelmäßig Vogelzählungen und Kontrollgänge statt. Wichtig ist zudem die Unterscheidung zur benachbarten Hallig Süderoog, die ganzjährig von einer Familie bewohnt und bewirtschaftet wird.

Der Leichenfundort befindet sich auf dem Süderoogsand im Wattenmeer. Dabei handelt es sich um den größten und zugleich südlichsten der drei nordfriesischen Außensände [Hochsände] im Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer, die den Halligen westlich vorgelagert sind.
Foto: Google Maps 


Die Sandbank Süderoogsand. 
Foto: Google 

Der Leichenfundort befindet sich 50 Kilometer Luftlinie von Cuxhaven entfernt. 
Foto: Google Maps 

Die Obduktion 

Bei der Obduktion wurde festgestellt, dass Frank Procopius zum Zeitpunkt seines Todes mit Kabelbindern gefesselt war. Besonders auffällig ist, dass sich einer der Kabelbinder unmittelbar um seinen Hals befand. Außerdem waren sogenannte Schäkel an der Leiche befestigt. Vermutlich war irgendetwas an den Schäkeln befestigt, das den Körper beschweren sollte. 
Aufgrund dieser Befunde schließt die Staatsanwaltschaft Flensburg sowohl einen Unfall als auch einen Suizid weitgehend aus und ermittelt inzwischen wegen des Verdachts eines Tötungsdelikts.

Dieser Schäkel war an der Leiche befestigt. Normalerweise benutzen viel größere Schiffe diese Schäkel.
Foto: Polizei 

Was ist mit Frank Procopius passiert?

Wie bereits erwähnt, hält die Staatsanwaltschaft Flensburg es für äußerst unwahrscheinlich, dass Frank Procopius freiwillig aus dem Leben geschieden ist oder ein Unglück zu seinem Tod geführt hat. Wenn diese beiden Möglichkeiten weitgehend ausgeschlossen werden können, rückt zwangsläufig eine Fremdeinwirkung – also ein mögliches Tötungsdelikt – in den Fokus der Ermittlungen.

Die Ermittlungen 

Im Zuge der Untersuchungen ergaben sich Hinweise darauf, dass sich Frank Procopius in einer angespannten finanziellen Situation befunden haben könnte. Der 60-Jährige hatte ein Haus erworben und umfangreiche Renovierungsarbeiten in Auftrag gegeben. Dieses Bauvorhaben entwickelte sich offenbar deutlich kostenintensiver als ursprünglich geplant, sodass er mehrere Kredite aufnehmen musste – darunter auch bei Privatpersonen. Es liegt nahe, dass er sich dabei finanziell übernommen haben könnte.
Parallel zu den steigenden Baukosten hatte er weiterhin laufende Ausgaben zu tragen: die allgemeinen Lebenshaltungskosten, Verpflichtungen im Zusammenhang mit seinem bisherigen Wohnsitz sowie die Kosten für sein Unternehmen. Hinzu kam, dass ihm die Unterstützung seines kleinen Sohnes weiterhin ein wichtiges Anliegen war.

Trotz dieser Belastungen galt Frank Procopius in seinem Umfeld als zuverlässig und integer. Seine Kreditgeber hegten offenbar keine ernsthaften Zweifel an seiner Zahlungsfähigkeit. Gleichzeitig stießen die Ermittler auf frühere Verbindungen und Aktivitäten im Hamburger Kiez-Milieu. Ob mögliche Konflikte aus dieser Zeit oder etwaige offene Verbindlichkeiten in Zusammenhang mit seinem Tod stehen, bleibt bislang unklar und ist weiterhin Gegenstand der Ermittlungen.

Die Theorien 

Der Fall Frank Procopius ist weiterhin ungeklärt. Ein Suizid oder ein Unfallgeschehen wird von den Ermittlungsbehörden nahezu ausgeschlossen. Es gibt jedoch einige Theorien darüber, was genau mit Frank Procopius passiert sein könnte. Auf diese Theorien möchte ich nun kurz näher eingehen. Es gilt natürlich die Unschuldsvermutung. 

1. Theorie "Drogen-Deal" oder die "Drop-Off-Theorie"

War Frank Procopius in Drogengeschäfte,  sogenannte "Drop-Off-Geschäfte" verwickelt?

Das ist zumindest die Haupttheorie der Ermittler. Die Ermittler vermuten, dass Frank Procopius in sogenannte "Drop-Off-Geschäfte" verwickelt war. [Anm. Bei "Drop-Off-Geschäften" werden Drogen von Schiffen ins Meer geworfen und von kleineren Booten eingesammelt. Bei diesen Aktivitäten werden gerne Festrumpfschlauchboote genutzt, da sie ihre alle Geräte für die Ortung abschalten können und so für niemanden sichtbar unter dem Radar fahren.] Es gibt zwei Varianten bei dieser Theorie. 

Erste Variante 

Bei der ersten Variante war Frank Procopius zum Beispiel als Kurier aktiv beteiligt. Bei dieser Variante sollte Frank Procopius am 29. April 2024 Drogenpakete bergen. Dann muss etwas schief gelaufen sein. Möglicherweise traf Frank Procopius auf ein anderes Boot und es kam zu einem Konflikt bzw. Auseinandersetzung wegen Geld oder der Ware. Frank Procopius wurde getötet und im Meer versenkt. 

Zweite Variante 

Bei der zweiten Variante geriet Frank Procopius zufällig in eine laufende Übergabe und wurde als Zeuge beseitigt. Auch wenn diese Variante nicht sehr wahrscheinlich ist, muss ich sie trotzdem nennen.

Bewertung:

Diese Theorie scheint sehr wahrscheinlich zu sein. 
Es gibt Hinweise darauf, dass Frank Procopius möglicherweise in ein sogenanntes "Drop-Off-Geschäft" involviert war. Seine GPS-Daten zeigen, dass er auf See ein sogenanntes Achter-Manöver fuhr – ein Fahrmuster, das typischerweise darauf hindeutet, dass etwas gezielt aus dem Wasser aufgenommen oder gesucht wurde. Entsprechend gelten die ausgewerteten Bewegungsdaten derzeit als eine der zentralen Spuren der Ermittler.

Auffällig ist zudem, dass Frank Procopius am 29. April 2024 deutlich von seinem üblichen Ablauf abwich. Bei früheren Fahrten zum Einfahren neuer Motoren blieb er in der Regel näher an der Küste und suchte Cuxhaven als festen Zwischenstopp auf. An diesem Tag jedoch fuhr er weiter hinaus, verzichtete auf den Halt und deaktivierte offenbar zeitweise seine Ortungsgeräte.

Besonders ungewöhnlich: Er hatte sonst die Gewohnheit, seiner Partnerin in regelmäßigen Abständen seinen Standort zu übermitteln. Ab etwa 15.00 Uhr brach dieser Kontakt jedoch vollständig ab.

2. Theorie "Konflikte im Milieu"

Hatte Frank Procopius einen Konflikt im Milieu?

Diese Theorie knüpft an Frank Procopius’ frühere Verbindungen ins Hamburger Kiez-Milieu an. Denkbar wäre, dass alte Konflikte, offene Verbindlichkeiten oder Kontakte zur Drogenszene im Zusammenhang mit seinem Tod stehen könnten. Als mögliche Motive kommen dabei Rache, Druck beziehungsweise Einschüchterung oder eine gezielte "Abrechnung" innerhalb des Milieus in Betracht.

Bewertung:

Grundsätzlich erscheint dieses Szenario nicht ausgeschlossen, bislang fehlt jedoch jeder belastbare Beleg, der diese Annahme eindeutig stützt. Zwar hatte sich Frank Procopius Geld geliehen [unter anderem auch von Personen aus seinem früheren Umfeld], doch gibt es derzeit keine Hinweise darauf, dass seine Gläubiger Zweifel an einer Rückzahlung hatten oder dass es in diesem Zusammenhang zu ernsthaften Konflikten kam.

3. Theorie "Schulden / finanzielle Probleme"

Stehen die finanziellen Probleme mit dem Tod von Frank Procopius in Zusammenhang?

Im Zentrum dieser Theorie stehen die finanziellen Schwierigkeiten von Frank Procopius. Es gibt Hinweise darauf, dass er aufgrund seiner angespannten wirtschaftlichen Lage mehrere Kredite – auch bei Privatpersonen – aufgenommen hatte. Ein Zusammenhang zwischen diesen finanziellen Belastungen und seinem Tod kann daher nicht ausgeschlossen werden.

Bewertung:

Auch dieses Szenario erscheint grundsätzlich plausibel. Die bestehenden Verbindlichkeiten könnten den Druck auf Frank Procopius erheblich erhöht haben. Denkbar ist, dass ihn diese Situation dazu veranlasst hat, sich auf riskante oder sogar illegale Geschäfte zur Geldbeschaffung einzulassen. In diesem Kontext ergibt sich eine mögliche Verbindung zur sogenannten „Drop-Off“-Theorie, da finanzielle Engpässe ein Motiv für eine Beteiligung an solchen Aktivitäten darstellen könnten.

4. Theorie "Gezielte Falle / geplantes Treffen auf See"

Wurde Frank Procopius in eine Falle gelockt oder gab es ein geplantes Treffen auf See?

Diese Theorie ergibt sich aus einer Kombination mehrerer Ansätze. Die Ermittler halten es für möglich, dass Frank Procopius gezielt auf das offene Meer gelockt wurde. In diesem Zusammenhang könnte ein zweites Boot eine entscheidende Rolle gespielt haben – etwa im Rahmen eines verabredeten Treffens.

Bewertung:

Dieses Szenario wirkt insgesamt plausibel. Die gewählte Route und der Zeitpunkt sprechen dafür, dass die Fahrt nicht zufällig verlief, sondern möglicherweise geplant war. Es ist denkbar, dass sich Frank Procopius gezielt mit einer oder mehreren Personen treffen wollte und die Situation im Verlauf dieses Treffens eskalierte – mit tödlichem Ausgang.

5. Theorie "Raub oder spontane Eskalation"

Wurde Frank Procopius ganz zufällig ausgeraubt und kam es zu einer spontanen Eskalation auf dem Wasser?

Diese Theorie geht davon aus, dass Frank Procopius auf See zufällig auf eine oder mehrere unbekannte Personen traf und es dabei zu einem Streit kam, der in einem spontanen Gewaltakt eskalierte.

Bewertung:

Insgesamt erscheint dieses Szenario eher unwahrscheinlich, wenngleich es nicht vollständig ausgeschlossen werden kann. Insbesondere die gezielte Manipulation der Rettungsweste mittels Schäkel deutet eher auf ein planvolles Vorgehen hin und spricht damit gegen eine rein spontane Tat.

Fazit:

Die Gesamtschau aller bekannten Umstände spricht für mich deutlich gegen eine spontane Tat und für ein geplantes, zielgerichtetes Tötungsdelikt. Die Art der Ausführung – insbesondere die Manipulation der Rettungsweste, die Verwendung von Kabelbindern sowie die mutmaßliche Beschwerung des Körpers, deutet auf Täter hin, die strukturiert vorgingen und Erfahrung oder zumindest klare Absicht hatten, die Tat zu verschleiern.

Am plausibelsten erscheint derzeit die Theorie eines Treffens im Zusammenhang mit einem kriminellen Geschäft auf See, höchstwahrscheinlich im Umfeld von Drogen-"Drop-Off-Übergaben". Die auffälligen Fahrmanöver des Boots sowie die Möglichkeit eines zweiten beteiligten Wasserfahrzeugs stützen diese Annahme. In diesem Kontext könnte es zu einem Konflikt gekommen sein, etwa wegen Geld, Ware oder Misstrauen, der schließlich eskalierte.

Ergänzend dazu lassen sich mögliche Verbindungen ins Milieu sowie finanzielle Schwierigkeiten als verstärkende Faktoren einordnen. Diese könnten erklären, warum sich Procopius überhaupt in eine solche Situation begeben hat oder mit entsprechenden Personen in Kontakt stand.

Weniger überzeugend sind hingegen Theorien, die von einer rein zufälligen Begegnung oder einem spontanen Streit ausgehen. Dafür ist das Tatbild zu komplex und die Vorgehensweise zu durchdacht.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass der Fall mit hoher Wahrscheinlichkeit auf ein gezieltes Treffen im kriminellen Umfeld hindeutet, das für Frank Procopius tödlich endete. Ob Frank Procopius dabei aktiv beteiligt war oder in eine Situation geriet, deren Dynamik er unterschätzte, bleibt eine der zentralen offenen Fragen der Ermittlungen.

Ich hoffe, dass es der Polizei gelingt, die offenen Fragen des Falls zu beantworten und den Fall aufzuklären. 

Die offenen Fragen des Falls 

Es gibt mehrere zentrale Fragen, die bis heute nicht beantwortet werden konnten. Diese Fragen sind nicht nur für die Ermittler, sondern auch für mich sehr spannend. 

Die offenen Fragen:
  • Mit wem hat sich Frank Procopius auf See getroffen?
  • War er Täter, Mitwisser oder Zufallszeuge?
  • Wer brachte die Metall-Schäkel an der Weste an?
  • Welche Rolle spielte sein Umfeld?
  • Gibt es Video- oder Fotomaterial von der Elbe an diesem Tag?

Aktuelle Einstufung des Falls 

Der Tod von Frank Procopius wurde von der Staatsanwaltschaft Flensburg offiziell als Tötungsdelikt eingestuft. Aktuell ermitteln die Staatsanwaltschaft Flensburg und die Kriminalpolizei Flensburg intensiv in dem Fall. Die Ermittler sind weiterhin auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen. Jeder Hinweis könnte wichtig sein. 

Die Belohnung 
Die Staatsanwaltschaft Flensburg hat für Hinweise eine Belohnung von 7.000 Euro ausgelobt, die zur Ergreifung des Täters oder zur Aufklärung des Falles führen. 

Kriminalpolizei bittet um Hinweise 

Jede noch so kleine Beobachtung kann entscheidend sein.
Gerade unauffällige Details, die zunächst bedeutungslos erscheinen, können im Gesamtbild der Ermittlungen eine wichtige Rolle spielen.

Auch Hinweise, die bereits älter sind oder damals nicht gemeldet wurden, können heute von großer Bedeutung sein.

Fragen an mögliche Zeugen:
  1. Wer hat am 29. April 2024 zwischen 8.00 und 16.00 Uhr Beobachtungen auf der Elbe und Außenelbe gemacht, die von Bedeutung sein könnten?
  2. Wer hat Frank Procopius mit seinem RIB an diesem Tag gesehen und noch nicht mit der Polizei gesprochen?
  3. Wer hat am Tattag ein kleines Motorboot gesehen, das ungewöhnliche Manöver [z. B. Kreise oder Achterbewegungen] fuhr?
  4. Ist jemandem ein zweites Boot in unmittelbarer Nähe aufgefallen?
  5. Gab es Boote, die auffällig dicht beieinander lagen oder sich längere Zeit trafen?
  6. Wer hat in den Abend- oder Nachtstunden ungewöhnliche Aktivitäten auf der Elbe / Nordsee beobachtet?
  7. Wer hat Frank Procopius kurz vor seinem Verschwinden gesehen oder gesprochen?
  8. Hat er Andeutungen gemacht, dass er sich mit jemandem auf See treffen wollte?
  9. Wirkte er in den Tagen davor angespannt, unter Druck oder ungewöhnlich beschäftigt?
  10. Mit wem hatte er zuletzt Kontakt – telefonisch oder persönlich?
  11. Wer wusste von seiner Fahrt auf dem Wasser?
  12. Gab es Personen, die ein Interesse daran hatten, ihn zum Schweigen zu bringen?
  13. Ist jemandem ein Boot aufgefallen, dass ohne klare Route unterwegs war, plötzlich beschleunigte oder verschwand?
  14. Wurden Personen beobachtet, die nervös oder hektisch wirkten und ungewöhnliche Gegenstände transportierten?
  15. Wer hat an besagtem Tag auf der Elbe Fotos / Videos angefertigt und kann diese der Polizei zur Verfügung stellen?
  16. Gibt es Aufnahmen von Häfen, Stegen oder Uferbereichen, die den Zeitraum betreffen?
  17. Hat jemand Social-Media-Posts, Storys oder Nachrichten gesehen, die mit dem Fall in Verbindung stehen könnten?
  18. Woher kommen die Schäkel, die an der Rettungsweste befestigt wurden?
  19. Wer hat bis April 2024 Schäkel dieser Art, beispielsweise in einer Garage, Werkstatt oder auf einem Boot benutzt?
  20. Wer kennt die genauen Umstände und Hintergründe des Todes von Frank Procopius?
  21. Wer weiß, wer für den Tod von Frank Procopius verantwortlich sein könnte? 
  22. Wer hat möglicherweise Gerüchte über den Fall gehört?
  23. Wer hat sonstige Informationen zu diesem Fall? 

Hinweise bitte an die Kriminalpolizei Flensburg unter der Rufnummer 0461 / 484 55 55 oder  0461 / 48 40. 
Hinweise können auch an jede andere Polizeidienststelle abgegeben werden.

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