ZIRNDORF/OBERASBACH: Tötungsdelikt z. N. von Marion Baier (1973)
Der Mord an Marion Baier
Wer hat Marion Baier getötet?
4. Theorie "Verbindung zwischen dem Mordfall Marion Baier [Zirndorf, 1973] und Sonja Hurler [Kempten, 1981]
In der True‑Crime‑Community und unter einzelnen Beobachtern tauchte immer wieder die Frage auf, ob zwischen dem Mord an Marion Baier im Jahr 1973 und dem Tod der 16‑jährigen Sonja Hurler im Jahr 1981 in Kempten eine Verbindung bestehen könnte. Wie bereits berichtet, werden die Fälle seit kurzem tatsächlich offiziell von den Ermittlungsbehörden als zusammenhängend geführt. Die Fremd-DNA die im Mordfall Marion Baier und im Mordfall Sonja Hurler sichergestellt und extrahiert wurde, zeigte eine Übereinstimmung. Für beide Tötungen ist der gleiche Täter verantwortlich.
Fazit:
Über fünf Jahrzehnte nach dem Mord an Marion Baier konkurrieren mehrere Erklärungsansätze miteinander, ohne dass einer davon abschließend belegt werden konnte. Jede Theorie spiegelt nicht nur die vorhandenen Spuren wider, sondern auch die Grenzen der damaligen Ermittlungen.
Die Beziehungstat gilt vielen als naheliegend, weil Täter in vergleichbaren Fällen häufig aus dem näheren sozialen Umfeld stammen. Doch im Fall Marion Baier fehlen belastbare Hinweise auf eine konkrete Person, ein Motiv oder eine vorangegangene Eskalation. Aussagen aus dem Umfeld blieben vage, Verdachtsmomente ließen sich nicht erhärten.
Das Zufallsverbrechen erklärt die Tat als das Ergebnis einer unglücklichen Begegnung mit einem unbekannten Täter. Diese Theorie wird durch die Umstände des Verschwindens und den späteren Fund gestützt, bietet jedoch kaum Ansatzpunkte für eine Täteridentifikation, da keine klaren Spuren zu einer fremden Person führten.
Die geplante Tat setzt voraus, dass der Täter Marion kannte oder ihr zumindest über einen gewissen Zeitraum folgte. Dafür sprechen mögliche Hinweise auf ein gezieltes Vorgehen, dagegen steht das Fehlen konkreter Belege für Beobachtung, Vorbereitung oder ein erkennbares Motiv.
In der Gesamtschau bleibt kein Szenario frei von offenen Fragen. Solange jedoch keine neuen Spuren, Zeugenaussagen oder forensischen Durchbrüche hinzukommen, bleibt dieses Fazit eine Annäherung – kein Abschluss. Der Fall Marion Baier steht damit exemplarisch für die Tragik vieler Cold Cases: Theorien können Orientierung geben, aber nur die Wahrheit kann Gerechtigkeit schaffen.
Wer hat Marion Baier getötet?
Im heutigen Beitrag möchte ich auf den ungeklärten Mordfall Marion Baier aus dem Jahr 1973 aufmerksam machen, der sich in Zirndorf und Oberasbach im Landkreis Fürth [Mittelfranken/Bayern] ereignet hat. Die Kriminalpolizei Fürth hat die Ermittlungen in diesem Fall wieder aufgenommen.
Dieser Beitrag nähert sich dem Mordfall Marion Baier mit Respekt und Vorsicht. Nicht als Sensation, sondern als Geschichte eines Menschen, dessen Leben jäh unterbrochen wurde. Zwischen dem, was bekannt ist, und dem, was für immer verborgen scheint, verläuft eine schmale Linie. Auf ihr bewegt sich dieser Cold Case bis heute – getragen von der leisen Hoffnung, dass selbst nach all den Jahren ein Hinweis genügen könnte, um den Fall aufzuklären.
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| Der Mord an Marion Baier ist seit 1973 ungeklärt. Wer hat Marion Baier getötet? Foto: Polizei |
Der Fall Marion Baier
Marion Baier wurde 1960 in Bayern geboren. Zu Marions Eltern und möglichen Geschwistern gibt es laut den aktuellen Ermittlungsberichten und Polizeimeldungen keine öffentlich verfügbaren Details. Behörden und Presse halten diese persönlichen Daten nicht in der Öffentlichkeit, vermutlich aus Rücksicht auf die betroffenen Angehörigen und um deren Privatsphäre zu schützen. Es gibt aber ein paar Informationen zu Marion Baier. Im Jahr 1973 lebte die 12-jährige Marion Baier mit ihrer Familie in Zirndorf [Landkreis Fürth]. Marion war fest in ihren familiären und freundschaftlichen Strukturen eingebunden. Sie war Schülerin an der Pestalozzischule in Oberasbach [Ortsteil Kreutles] und sehr beliebt.
Der zeitliche Kontext: Deutschland im Jahr 1973
Um den Fall Marion Baier zu verstehen, lohnt ein Blick auf die Zeit, in der er sich ereignet hat. 1973 war ein Jahr politischer Spannungen und gesellschaftlicher Veränderungen. Die Ölkrise prägte den Alltag, das Vertrauen in staatliche Institutionen wurde durch politische Affären erschüttert, und gleichzeitig erlebten viele Regionen einen tiefgreifenden sozialen Wandel.
Kriminalistische Arbeit war damals stark von analogen Methoden geprägt: DNA-Analysen, digitale Datenbanken oder flächendeckende Videoüberwachung existierten nicht. Ermittlungen stützten sich vor allem auf Zeugenaussagen, klassische Spurensicherung und mühsame manuelle Aktenführung. Diese Umstände sollten den Fall Marion Baier nachhaltig beeinflussen.
Das Verschwinden
Am Abend des 1. Juli 1973 fand das Fischerfest in Zirndorf statt. Die Besucher feierten und tanzten bis weit nach Mitternacht [2. Juli 1973] auf dem Fischerfest. Das Zirndorfer Fischerfest ist ein traditionelles Volksfest, das jährlich vom 1. Fischereiverein Zirndorf e.V. im Garten des vereinseigenen Fischerheims veranstaltet wird. Marion Baier besuchte auch am Abend des 1. Juli 1973 das Fischerfest. Sie traf ihre Freunde und lernte neue Menschen kennen. Marion Baier wurde gegen 20.00 Uhr zum letzten Mal lebend von einer Schulfreundin gesehen. Danach verschwand Marion Baier vom Fischerfest und kehrte auch nicht nach Hause zurück. Die Eltern meldeten Marion sofort als vermisst.
Die Suche
Die Polizei leitete Suchmaßnahmen ein. Bekannte, Freunde und Familienangehörige wurden befragt, mögliche Aufenthaltsorte überprüft und Hinweise aus der Bevölkerung gesammelt. Trotz dieser Anstrengungen blieb Marions Aufenthaltsort zunächst unbekannt.
Die Entdeckung
Am Morgen des 2. Juli 1973 [Montag] gegen 6.45 Uhr machte ein Bauarbeiter eine schreckliche Entdeckung. Er entdeckte die Leiche von Marion Baier auf einer Fläche des damaligen Neubaugebiets an der Hainbergstraße zwischen Altenberg und Kreutles in Oberasbach. Er meldete seinen Fund sofort der Polizei.
Polizei erreichte den Leichenfundort
Schon kurze Zeit nach der Meldung über den Leichenfund erreichte die Polizei den Fundort. Die Ermittler schauten sich die Leiche und den Fundort näher an. Die Kriminaltechniker sammelten und sicherten Spuren und Beweise am Fundort und der Umgebung. Es war schnell klar, dass es sich bei dem toten Mädchen um die 12-jährige Marion Baier aus Zirndorf handelte, die am vorherigen Abend nicht nach Hause zurückgekehrt war. Die Beamten stellten fest, dass die Leiche von Marion Baier teilweise entkleidet war und in einer Baugrube lag. Marion Baier war offensichtlich Opfer eines Gewaltverbrechens geworden. Am Leichenfundort wurde ein Medaillon des heiligen St. Christophorus gefunden,das das Mädchen dem Mörder möglicherweise im Kampf abgerissen hatte. Die Leiche von Marion Baier wurde für weitere forensische Untersuchungen zum Institut für Rechtsmedizin der Universität Erlangen-Nürnberg transportiert.
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| Der Leichenfundort von 1973. Hier wurde die teilweise entkleidete Leiche von Marion Baier gefunden. Sie lag in einer Baugrube. Foto: Polizei |
Der Leichenfundort
Der Leichenfundort befand sich 1973 im damaligen Neubaugebiet an der Hainbergstraße zwischen Altenberg und Kreutles in Oberasbach.
Im Jahr 1973 war das Areal zwischen den ehemals eigenständigen Dörfern Altenberg und Kreutles eine große Baustelle. Es entstanden dort vorwiegend Einfamilienhäuser und Mehrfamilienanlagen, um dem steigenden Wohnraumbedarf im Speckgürtel von Nürnberg und Fürth gerecht zu werden.
Der Fundort von Marion Baier im Juli 1973 wird explizit als Neubaugebiet an der Hainbergstraße bezeichnet. Typisch für diese Zeit waren dort unbefestigte Wege, Erdaushübe, gelagertes Baumaterial und Rohbauten. Vor der Bebauung bestand das Gebiet aus den sogenannten "Langen Äckern", einer weiten Agrarfläche. Die Hainbergstraße grenzte unmittelbar an den Truppenübungsplatz Hainberg. 1973 war dieser noch aktives Militärgelände [genutzt durch die US-Army und Bundeswehr], was durch Zäune, Warnschilder und Panzerfahrspuren im direkten Umfeld der Baustellen sichtbar war.
Das Gebiet lag am Rand der damals noch ländlich geprägten Siedlungskerne von Altenberg und Kreutles, die erst im Laufe der 1970er Jahre durch solche Neubauprojekte enger zusammenwuchsen.
Zusammenfassend war der Ort 1973 eine unfertige, offene Baulandschaft, die direkt an die weiten, damals noch militärisch gesperrten Heideflächen des Hainbergs anschloss. Der Fundort befand sich in relativer Nähe zu ihrem Wohnort und nur eine kurze Distanz vom Zirndorfer Fischerfest entfernt, auf dem sie zuletzt gesehen wurde.
Das damalige Neubaugebiet, in dem die Leiche von Marion Baier gefunden wurde, befindet sich heute im Bereich der Merkurstraße in Oberasbach.
Im Juli 1973 war dieses Gebiet ein aktives Neubaugebiet an der Hainbergstraße zwischen den Ortsteilen Altenberg und Kreutles. Die Baugrube, in der die Leiche entdeckt wurde, existiert heute nicht mehr, da das Gebiet inzwischen vollständig bebaut und zu einem regulären Wohngebiet geworden ist.
Die heutige Merkurstraße liegt in unmittelbarer Nähe zum Naherholungsgebiet Hainberg und zur Pestalozzischule in Kreutles, die Marion damals besuchte. An der genauen Stelle des Fundorts erinnert heute nichts mehr an das schreckliche Ereignis.
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| Im Bereich der heutigen Merkurstraße in Oberasbach befand sich 1973 noch eine Baustelle. Auf dieser Baustelle wurde am Morgen des 2. Juli 1973 die Leiche von Marion Baier gefunden. Foto: Google Maps |
Die Obduktion
Die Obduktion wurde vom zuständigen Rechtsmediziner des Institut für Rechtsmedizin der Universität Erlangen-Nürnberg durchgeführt. Die Todesursache war eine stumpfe Gewalteinwirkung gegen den Kopf. Marion Baier wurde erschlagen. Der Täter hatte mit einem Stein auf sie eingeschlagen. Aufgrund der Auffindesituation deutet vieles auf ein Sexualdelikt hin.
Die Ermittlungen
Unmittelbar nach der Einstufung als Mordfall wurden die Ermittlungen intensiviert. Die Polizei befragte Zeugen erneut und versuchte, Marions letzte Wege nachzuvollziehen. Verdächtige Personen aus ihrem Umfeld und dem weiteren sozialen Kreis gerieten ins Visier.
Spurensicherung und forensische Möglichkeiten
In den 1970er-Jahren war die Forensik deutlich weniger ausgereift als heute. Fingerabdrücke, Faserspuren und Blutgruppenanalysen bildeten die Grundlage der wissenschaftlichen Untersuchung. Moderne DNA-Technik, die heute viele Cold Cases neu belebt, stand damals noch nicht zur Verfügung.
Die Öffentlichkeitsarbeit
Der Fall erlangte regionale Aufmerksamkeit. Zeitungen berichteten über den Mord, veröffentlichten Fahndungsaufrufe und baten um Hinweise. Doch trotz dieser Maßnahmen blieb der entscheidende Durchbruch aus.
Verdächtige und Ermittlungsansätze
Im Laufe der Jahre gerieten verschiedene Personen in den Fokus der Ermittler. Einige wurden aufgrund von Zeugenaussagen überprüft, andere aufgrund ihres Aufenthaltsortes oder ihres Verhaltens nach der Tat.
Keiner dieser Ansätze führte jedoch zu einer Anklage oder Verurteilung. Entweder reichten die Beweise nicht aus, oder sich erhärtende Verdachtsmomente zerstreuten sich bei genauerer Prüfung.
Erneute Ermittlungen
Die Kriminalpolizei Fürth hat die Ermittlungen im Mordfall Marion Baier aus dem Jahr 1973 wieder aufgenommen. Aufgrund neuer Erkenntnisse wurde dort die Arbeitsgruppe "Hainberg" eingerichtet. Eine neue Untersuchung der Beweismittel ergab laut Polizei wichtige Erkenntnisse, denn die Tat in Oberasbach weise Parallelen zu dem Mord an der 13-jährigen Sonja Hurler im Allgäu im Jahr 1981 auf, heißt es vom Polizeipräsidium Mittelfranken. Genauer gesagt, eine DNA-Spur verbindet beide Fälle miteinander.
Bei dem Fall aus dem Allgäu konnte die Polizei durch neue Methoden im Nachhinein DNA-Spuren des mutmaßlichen Täters sicherstellen. [Anm. Ich habe bereits im Jahr 2023 über den Mordfall Sonja Hurler berichtet. Ich habe den Beitrag zum Nachlesen hier verlinkt.]
Die Fürther Polizei sucht nun erneut mögliche Zeugen, die sich an den Abend des 1. Juli 1973 erinnern können. Die 12-jährige Marion hatte sich damals auf einem Fischerfest in Zirndorf aufgehalten.
Bekannte Spuren werden überprüft
Die Ermittler suchten bereits damals nach Hinweisen zu einem Silbermedaillon mit dem Heiligen Christophorus, das dem Täter gehört haben könnte. Es wurde in Oberasbach in der Nähe der Leiche am Hainberg gefunden.
Zudem konnte die Polizei am Tatort/Leichenfundort Schuhabdrücke von Adidas-Turnschuhen der Größe 43 feststellen. In der Hainbergstraße waren am Abend zwei Fahrzeuge aufgefallen. Eine Schulfreundin gab an, Marion hätte sich mit einem jungen Mann treffen wollen.
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| Bild eines der Schuhabdrücke von Adidas-Turnschuhen der Größe 43. Foto: Polizei |
Die Theorien
Der Mord an Marion Baier ist weiterhin ungeklärt. Es gibt jedoch einige Theorien über den Tathergang, auf die ich nun kurz eingehen möchte. Es gilt natürlich die Unschuldsvermutung.
1. Theorie "Beziehungstat"
Kannte Marion Baier ihren Mörder?
Eine häufig diskutierte Theorie ist die eines Täters aus dem näheren Umfeld. Beziehungen – ob freundschaftlich, familiär oder romantisch – bergen oft Konfliktpotenzial, das in seltenen Fällen in Gewalt eskalieren kann.
2. Theorie "Zufallsverbrechen"
Wurde Marion Baier zufällig Opfer eines Gewaltverbrechens?
Eine weitere Möglichkeit ist, dass Marion Baier zufällig Opfer eines bislang unbekannten Täters wurde. Diese Theorie geht davon aus, dass sie zur falschen Zeit am falschen Ort war.
3. Theorie "Geplante Tat"
War der Mord an Marion Baier geplant?
Einige Menschen vermuten, dass der Mord vorbereitet war. Hinweise auf ein gezieltes Vorgehen könnten darauf hindeuten, dass der Täter Marion kannte oder zumindest ihr Verhalten über einen gewissen Zeitraum beobachtet hatte.
Wurden Marion Baier und Sonja Hurler vom selben Täter getötet?
In der True‑Crime‑Community und unter einzelnen Beobachtern tauchte immer wieder die Frage auf, ob zwischen dem Mord an Marion Baier im Jahr 1973 und dem Tod der 16‑jährigen Sonja Hurler im Jahr 1981 in Kempten eine Verbindung bestehen könnte. Wie bereits berichtet, werden die Fälle seit kurzem tatsächlich offiziell von den Ermittlungsbehörden als zusammenhängend geführt. Die Fremd-DNA die im Mordfall Marion Baier und im Mordfall Sonja Hurler sichergestellt und extrahiert wurde, zeigte eine Übereinstimmung. Für beide Tötungen ist der gleiche Täter verantwortlich.
Und es gibt noch weitere Parallelen zwischen den beiden Fällen. Beide Mädchen verschwanden am ersten Wochenende im Juli 1973 und 1981. Zum Zeitpunkt von Marion Baiers Verschwinden [1. Juli 1973] fand das jährliche Stadtfest [Fischerfest] in Zirndorf im Landkreis Fürth statt. Zum Zeitpunkt von Sonja Hurlers Verschwinden [4. Juli 1981] fand ebenfalls das jährliche Stadtfest in Kempten im Landkreis Allgäu statt. In beiden Fällen wird ein Sexualverbrechen vermutet. In beiden Fällen erschwerten spärliche oder verlorene Spuren eine eindeutige Rekonstruktion des Tathergangs.
Acht Jahre liegen zwischen den Taten, beide ereigneten sich in Bayern, wenn auch in unterschiedlichen Regionen [Mittelfranken und Allgäu]. Diese Überschneidungen führen zu der Überlegung, ob ein Täter über Jahre hinweg in verschiedenen Regionen aktiv gewesen sein könnte oder ob ähnliche Vorgehensweisen zufällig auftreten.
Es gibt aber auch ein paar Unterschiede, denn die bekannten Umstände der beiden Fälle unterscheiden sich deutlich in Ort, Ablauf und Auffindesituation. Es gibt auch einen
Altersunterschied, denn Marion Baier war 12 Jahre alt und Sonja Hurler war 16 Jahre alt. Sonja Hurler sah aber für ihre 16 Jahre noch recht kindlich aus.
Altersunterschied, denn Marion Baier war 12 Jahre alt und Sonja Hurler war 16 Jahre alt. Sonja Hurler sah aber für ihre 16 Jahre noch recht kindlich aus.
Fazit:
Über fünf Jahrzehnte nach dem Mord an Marion Baier konkurrieren mehrere Erklärungsansätze miteinander, ohne dass einer davon abschließend belegt werden konnte. Jede Theorie spiegelt nicht nur die vorhandenen Spuren wider, sondern auch die Grenzen der damaligen Ermittlungen.
Die Beziehungstat gilt vielen als naheliegend, weil Täter in vergleichbaren Fällen häufig aus dem näheren sozialen Umfeld stammen. Doch im Fall Marion Baier fehlen belastbare Hinweise auf eine konkrete Person, ein Motiv oder eine vorangegangene Eskalation. Aussagen aus dem Umfeld blieben vage, Verdachtsmomente ließen sich nicht erhärten.
Das Zufallsverbrechen erklärt die Tat als das Ergebnis einer unglücklichen Begegnung mit einem unbekannten Täter. Diese Theorie wird durch die Umstände des Verschwindens und den späteren Fund gestützt, bietet jedoch kaum Ansatzpunkte für eine Täteridentifikation, da keine klaren Spuren zu einer fremden Person führten.
Die geplante Tat setzt voraus, dass der Täter Marion kannte oder ihr zumindest über einen gewissen Zeitraum folgte. Dafür sprechen mögliche Hinweise auf ein gezieltes Vorgehen, dagegen steht das Fehlen konkreter Belege für Beobachtung, Vorbereitung oder ein erkennbares Motiv.
Der Täter war mindestens zweimal in unterschiedlichen Regionen und zu unterschiedlichen Zeiten aktiv. Man geht zwar mittlerweile davon aus, dass ein und derselbe Täter für die beiden Morde verantwortlich ist. Auch wenn man diese Information hat, schließt es keine der genannten Theorien aus. Ich glaube jedoch mittlerweile, dass der Täter gezielt diese Stadtfeste besucht hat, um ein passendes Opfer zu finden. Gerade im Fall Sonja Hurler glaube ich mehr an eine Zufallstat. Sie war einfach zur falschen Zeit am falschen Ort. Beim Fall Marion Baier halte ich eine Beziehungstat oder eine Zufallstat für realistisch. Es könnte sich um eine Mischung aus Gelegenheit und persönlichem Bezug handeln. Ein Täter, der Marion zumindest flüchtig kannte oder sie in einer vertrauten Situation ansprach und das Vertrauen des Kindes ausnutzte. Dieses Szenario verbindet die Nähe einer Beziehungstat mit der Unberechenbarkeit eines Zufallsverbrechens. Das ist aber nur meine bescheidene Meinung.
In der Gesamtschau bleibt kein Szenario frei von offenen Fragen. Solange jedoch keine neuen Spuren, Zeugenaussagen oder forensischen Durchbrüche hinzukommen, bleibt dieses Fazit eine Annäherung – kein Abschluss. Der Fall Marion Baier steht damit exemplarisch für die Tragik vieler Cold Cases: Theorien können Orientierung geben, aber nur die Wahrheit kann Gerechtigkeit schaffen.
Der Mord an Marion Baier ist mehr als ein ungelöster Kriminalfall – er ist ein Symbol für die Grenzen der damaligen Ermittlungsarbeit und für die anhaltende Sehnsucht nach Gerechtigkeit. Jeder neue Blick auf den Fall, jede erneute Veröffentlichung kann dazu beitragen, das Interesse wachzuhalten und vielleicht doch noch den entscheidenden Hinweis ans Licht zu bringen.
Marion Baier war ein Mensch mit Träumen, Beziehungen und einem Platz in ihrer Gemeinschaft. Ihr Schicksal mahnt uns, die Opfer nicht auf Aktenzeichen zu reduzieren, sondern ihre Geschichten zu erzählen – respektvoll, sorgfältig und mit dem Ziel, Wahrheit und Gerechtigkeit näherzukommen.
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| Kann der Mord an Marion Baier doch noch aufgeklärt werden? Foto: Polizei |
Warum blieb der Fall ungelöst?
Mehrere Faktoren trugen dazu bei, dass der Mord an Marion Baier bis heute nicht aufgeklärt wurde.
Die Faktoren waren begrenzte forensische Mittel der damaligen Zeit, Zeitverzug bei Zeugenaussagen,
Verlust oder Verfälschung von Spuren und der
Mangel an belastbaren Beweisen für eine eindeutige Täterzuordnung.
Die Nachwirkungen
Die Kriminalpolizei Fürth hat den Fall Marion Baier nie vergessen. Die Möglichkeit einer Aufklärung besteht weiterhin.
Für die Angehörigen bleibt die Hoffnung, dass sich eines Tages doch noch ein Hinweis findet, der zur Aufklärung führt.
Aktuelle Einstufung des Falls
Der Tod von Marion Baier wurde als Sexualmord eingestuft. Die Ermittlungen dauern bis heute an und sind nicht abgeschlossen. In einigen Regionen werden alte Akten neu überprüft, insbesondere im Hinblick auf moderne DNA-Analysen und digitale Datenbanken. Aufgrund der Parallelen beider Mordfälle hoffen die Ermittler auf Zeugen aus dem Raum Kempten im Allgäu sowie aus dem Ballungsraum Nürnberg/Fürth mit den Städten Zirndorf und Oberasbach. Jeder Hinweis könnte wichtig sein.
Die Belohnung
Das Bayerische Landeskriminalamt hat für Hinweise im Mordfall Marion Baier eine Belohnung von 10.000 Euro ausgelobt, die zur Aufklärung des Falls führen.
Fragen der Ermittler:
- Wer kann Angaben zum Mordfall Marion Baier machen?
- Wer hat das Fischerfest am 1. Juli 1973 besucht?
- Wer kannte Marion Baier und kann sich an deren Besuch auf dem Fischerfest erinnern?
- Wer kann Angaben zu Personen machen, mit denen Marion Baier an diesem Tag Kontakt hatte?
- Wer hat am 1. Juli 1973 Fotos vom Fischerfest gemacht, die er der Polizei für Ermittlungen zur Verfügung stellen kann?
- Wer hat in der Nacht vom 1. auf den 2. Juli 1973 im Bereich des Neubaugebiets an der Hainbergstraße Wahrnehmungen gemacht, an die er sich in Verbindung mit dem Mordfall erinnern kann?
- Wer kann Informationen zu den oben genannten Beweismitteln bzw. Zeugenwahrnehmungen machen?
- Wer weiß, wer für den Tod von Marion Baier verantwortlich sein könnte?
- Wer kennt die genauen Umstände und Hintergründe der Tat?
- Wer hat andere Beobachtungen oder Wahrnehmungen gemacht, die mit dem Mord an Marion Baier in Zusammenhang stehen könnten?
- Wer hat sonstige Informationen zu diesem Fall?
Im Bezug auf diesen Fall wird erneut darum gebeten, der Polizei Fotomaterial vom Fischerfest am 1.Juli 1973 zur Verfügung zu stellen. Ein Upload-Portal ist unter dem Link hier eingerichtet.
Hinweise nimmt die Polizei rund um die Uhr unter Tel. (0911) 21 12-33 33 entgegen.
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