COLD CASE DES MONATS: Vermisst Jan Nejedlý (1998)
Das Verschwinden von Jan Nejedlý
Was ist mit Jan Nejedlý passiert?
In der Februar-Ausgabe von "Cold Case des Monats" steht ein tschechischer Vermisstenfall aus dem Jahr 1998 im Fokus, der bis heute ungeklärt ist. Es geht um das spurlose Verschwinden des neunjährigen Jan Nejedlý, der an einem Wintertag sein Zuhause in Prag verließ, um einen Freund zu besuchen – und nie wieder zurückkehrte.
Was ist mit Jan Nejedlý passiert?
In der Februar-Ausgabe von "Cold Case des Monats" steht ein tschechischer Vermisstenfall aus dem Jahr 1998 im Fokus, der bis heute ungeklärt ist. Es geht um das spurlose Verschwinden des neunjährigen Jan Nejedlý, der an einem Wintertag sein Zuhause in Prag verließ, um einen Freund zu besuchen – und nie wieder zurückkehrte.
Der Weg war kurz, das Umfeld vertraut und trotz intensiver Suchmaßnahmen, umfangreicher Ermittlungen und öffentlicher Fahndung blieb der Fall ohne Ergebnis. Jan Nejedlý gilt bis heute als vermisst.
Diese Ausgabe zeichnet den bekannten Ablauf des Verschwindens nach, ordnet die Ermittlungen ein und stellt die zentralen Theorien vor. Ziel ist es, einen Überblick über einen Missing Cold Case zu geben, der auch mehr als zwei Jahrzehnte später offene Fragen aufwirft.
Diese Ausgabe zeichnet den bekannten Ablauf des Verschwindens nach, ordnet die Ermittlungen ein und stellt die zentralen Theorien vor. Ziel ist es, einen Überblick über einen Missing Cold Case zu geben, der auch mehr als zwei Jahrzehnte später offene Fragen aufwirft.
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| Das Verschwinden von Jan Nejedlý ist seit 1998 ungeklärt. Was ist mit Jan Nejedlý passiert? Foto: Polizei |
Hinweis:
Dieser Blog dient der journalistischen Aufarbeitung realer Vermisstenfälle, Morddelikte und verdächtiger Todesumstände. Alle Inhalte basieren auf öffentlich zugänglichen Quellen, Medienberichten und offiziellen Angaben.
Die dargestellten Theorien stellen keine Tatsachenbehauptungen dar, sondern dienen der Einordnung ungeklärter Aspekte.
Die Unschuldsvermutung gilt uneingeschränkt. Ziel dieses Blogs ist Erinnerung, Information und kritische Analyse – keine Vorverurteilung oder Sensationalismus.
Der Fall Jan Nejedlý
Jan Nejedlý [Spitzname Honzík] wurde am 22. November 1988 als Sohn von Marcel Nejedlý und Ivana Nejedlá in Prag, in der Tschechischen Republik geboren. [Anm. Prag ist die Hauptstadt und zugleich bevölkerungsreichste Stadt Tschechiens. Mit über 1,3 Millionen Einwohnern belegt Prag den zwölften Rang der größten Städte der Europäischen Union und bildet die tschechische Primatstadt. Die Hauptstadt Prag ist eine der 14 Regionen Tschechiens und eine der reichsten Regionen Europas. Prag liegt zentral im westlichen Tschechien an der Moldau, 40 Kilometer vor deren Einmündung in die Elbe in Mělník.
Ein Großteil der Stadt liegt in einem weiten Tal der Moldau, die das Stadtgebiet auf 30 Kilometern Länge durchfließt und im Nordteil eine große Schleife bildet. Politisch ist Prag zur Gänze von der Region Mittelböhmen (Středočeský kraj) umschlossen. In der Hauptstadt Prag wohnen etwa 1,4 Millionen Menschen. Das ist fast ein Achtel der Gesamtbevölkerung Tschechiens. Die Mehrheit verteilt sich auf die zahlreichen Außenbezirke und auf die Neubaugebiete an den Stadträndern. Die historische Innenstadt hat lediglich etwa 40.000 Einwohner.]
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Die Unschuldsvermutung gilt uneingeschränkt. Ziel dieses Blogs ist Erinnerung, Information und kritische Analyse – keine Vorverurteilung oder Sensationalismus.
Der Fall Jan Nejedlý
Jan Nejedlý [Spitzname Honzík] wurde am 22. November 1988 als Sohn von Marcel Nejedlý und Ivana Nejedlá in Prag, in der Tschechischen Republik geboren. [Anm. Prag ist die Hauptstadt und zugleich bevölkerungsreichste Stadt Tschechiens. Mit über 1,3 Millionen Einwohnern belegt Prag den zwölften Rang der größten Städte der Europäischen Union und bildet die tschechische Primatstadt. Die Hauptstadt Prag ist eine der 14 Regionen Tschechiens und eine der reichsten Regionen Europas. Prag liegt zentral im westlichen Tschechien an der Moldau, 40 Kilometer vor deren Einmündung in die Elbe in Mělník.
Ein Großteil der Stadt liegt in einem weiten Tal der Moldau, die das Stadtgebiet auf 30 Kilometern Länge durchfließt und im Nordteil eine große Schleife bildet. Politisch ist Prag zur Gänze von der Region Mittelböhmen (Středočeský kraj) umschlossen. In der Hauptstadt Prag wohnen etwa 1,4 Millionen Menschen. Das ist fast ein Achtel der Gesamtbevölkerung Tschechiens. Die Mehrheit verteilt sich auf die zahlreichen Außenbezirke und auf die Neubaugebiete an den Stadträndern. Die historische Innenstadt hat lediglich etwa 40.000 Einwohner.]
Familie Nejedlý lebte im Prager Stadtteil Podolí
Jan Nejedlý hatte eine jüngere Schwester namens Adéla, die zum Zeitpunkt seines Verschwindens [Januar 1998] vier Jahre alt war. Die Familie Nejedlý lebte im Januar 1998 in einer Wohnung in einem Wohnhaus in der Podolská ulice [Podolská-Straße] im Prager Stadtteil Podolí [Prag 4]. [Anm. Prag 4 ist ein Verwaltungsbezirk sowie ein Stadtteil der tschechischen Hauptstadt Prag. Der Verwaltungsbezirk Prag 4 umfasst den Stadtteil Prag 4 sowie den Stadtteil Kunratice. Der Stadtteil Prag 4 wiederum umfasst die Katastralgemeinden Braník, Hodkovičky, Krč, Lhotka und Podolí vollständig sowie den Großteil von Nusle (ohne das Nusle-Tal) und von Michle, einen kleinen Teil von Záběhlice und an der nördlichen Spitze ein kleines Stück von Vinohrady. Der Stadtteil Podolí ist ein malerisches Viertel am rechten Ufer der Moldau mit einer reichen Geschichte, die bis ins Jahr 1222 zurückreicht. Heute leben hier etwa 14.000 Einwohner und Sie finden hier bedeutende Sehenswürdigkeiten wie das Podolská Vodárna, das Schwimmstadion und das Gebäude des Tschechischen Fernsehens.]
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| Jan Nejedlý mit seiner Mutter Ivana. Foto: Familie Nejedlý |
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| Jan Nejedlý mit seiner Mutter Ivana. Foto: Familie Nejedlý |
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| Die Familie Nejedlý lebte im Januar 1998 in einer Wohnung in einem Wohnhaus in der Podolská ulice [Podolská-Straße] im Prager Stadtteil Podolí [Prag 4]. Foto: Google Maps |
Die Podolská-Straße ist eine zentrale Straße im Stadtteil Podolí, die entlang der Moldau führt. Dieses Wohngebiet rund um die Podolská-Straße zeichnet sich durch seine Nähe zur Moldau und zu lokalen Einrichtungen wie dem nur wenige hundert Meter entfernten Podolí-Schwimmstadion aus. Der Stadtteil Podolí galt 1998 allgemein als sicherer, familienfreundlicher Stadtteil Prags. Eltern erlaubten ihren Kindern häufig kurze, unbegleitete Spaziergänge zu Freunden oder Spielplätzen in der Nähe, was das damalige Vertrauen der Bevölkerung in die niedrige Kriminalitätsrate des Viertels widerspiegelte. Die Nähe zum Schwimmstadion erregte jedoch vereinzelt Aufmerksamkeit aufgrund von Sicherheitsbedenken, darunter Berichte über Übergriffe auf Kinder, wie die Festnahme eines bekannten Täters im Jahr 1997 belegte.
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| Jan Nejedlý lebte mit seiner Familie in Prag im Stadtteil Podolí. Der Stadtteil Podolí liegt im Bezirk Prag 4. Foto: Google Maps |
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| Der Bezirk Prag 4 mit den verschiedenen Stadtteilen. Foto: Wikipedia |
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| Das Wohnhaus der Familie Nejedlý befand sich am Anfang/Ende der Podolská-Straße im Prager Stadtteil Podolí. Foto: Google Maps |
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| Das Wohnhaus der Familie Nejedlý im Jahr 1998. Foto: Polizei/Blesk.cz |
Jan interessierte sich sehr für Computerspiele
Im Januar 1998 war Jan Nejedlý neun Jahre alt und besuchte die dritte Klasse einer Grundschule im Stadtteil Podolí. In der Freizeit spielte Jan Nejedlý mit seinen Freunden in der näheren Umgebung oder traf sich mit seinen Freunden bei ihnen zu Hause. Seine Schwester Adéla wollte ihren großen Bruder immer wieder zum Spielen in der Umgebung begleiten, aber ihre Mutter hatte ihr dies jedoch aufgrund ihres jungen Alters untersagt.
Jan interessierte sich sehr für Computerspiele, ein beliebtes Hobby unter Kindern seines Alters in den späten 1990er Jahren. Aus offiziellen Berichten sind keine öffentlich dokumentierten gesundheitlichen Probleme oder spezifische Verhaltensdetails aus seiner frühen Kindheit bekannt. Wenn Jan draußen mit seinen Freunden oder bei ihnen zu Hause spielte, dann kehrte er immer am frühen Abend zum Abendessen in das Elternhaus zurück. Jan war ein sehr zuverlässiger Junge, der sich an Absprachen hielt.
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| Jan war ein sehr freundlicher, fröhlicher, intelligenter und zuverlässiger Junge. Er interessierte sich besonders für Computerspiele. Foto: Polizei |
Das Verschwinden
Am Nachmittag des 17. Januar 1998 verließ der 9-jährige Jan Nejedlý zwischen 15.25 Uhr und 15.30 Uhr die Wohnung seiner Familie in der Podolská ulice 4 im Prager Stadtteil Podolí, um seine Freunde, die Brüder Michal und Matěj Páva, zu besuchen, die etwa 235 Meter entfernt im selben Wohnviertel lebten. Er wollte Computerspiele mit seinen Freunden spielen.
Dieser kurze Ausflug passte zum Tagesablauf der Familie. Vieles in dem Fall ist unklar, das wird noch öfter in dem Fall vorkommen. In den öffentlichen Akten heißt es auf der einen Seite, dass Jan das Haus verließ, ohne um Erlaubnis zu fragen oder sich anzumelden. Er war ja einigermaßen selbstständig. Seine Eltern erlaubten es Jan, solche kurzen Ausflüge selbstständig zu unternehmen. Seine Freunde lebten schließlich in der Nähe. Später heißt es wiederum in den Akten, dass Jan Nejedlý vor dem Verlassen der Wohnung seine Mutter um Erlaubnis gebeten hat, gehen zu dürfen.
Seine 4-jährige Schwester Adéla äußerte den Wunsch, ihren Bruder zu begleiten, doch die Mutter lehnte ihren Wunsch ab und erlaubte nur Jan, die Wohnung zu verlassen. Ob er nun gefragt oder selbstständig das Haus verlassen hat, ist nicht unbedingt so wichtig für den Fall. Es ist mir nur aufgefallen, dass sich die Berichte in den öffentlichen zugänglichen Akten teilweise einen bestimmten Punkt komplett anders beschreiben. Fakt ist, dass Jan das Haus am Nachmittag des 17. Januar 1998 in der Zeit zwischen 15.25 Uhr und 15.30 Uhr verlassen hat, um seine Freunde zu besuchen.
Die letzte bestätigte Sichtung
Kurz nachdem Jan Nejedlý sein Haus verlassen hatte, begegnete er nach etwa 50 Meter auf seinem Fußweg den Kinderarzt der Familie, der gerade mit seinem Hund auf der Straße spazieren ging.
Der Kinderarzt grüßte Jan und fragte, wohin er denn will. Jan Nejedlý sagte, dass er seine Freunde besuchen will und setzte seinen Weg dann weiter fort. Dies ist die letzte bestätigte Sichtung von Jan Nejedlý. Der 9-jährige Jan Nejedlý kam trotz der kurzen Entfernung von unter einem Kilometer nicht in der Wohnung seiner Freunde an und kehrte auch nicht wie erwartet um 17.00 Uhr in die elterliche Wohnung zurück.
Die private Suche
Als Jan Nejedlý am 17. Januar 1998 gegen 17.00 Uhr nicht wie erwartet von seinem kurzen Besuch bei seinen Freunden nach Hause zurückkehrte, waren die Eltern sofort beunruhigt. Sie machten sich gleich große Sorgen, weil Jan sehr zuverlässig war.
Etwa eine halbe Stunde nach Einbruch der Dunkelheit begann die Familie Nejedlý verzweifelt mit der Suche nach Jan. Sie durchkämmten mit Taschenlampen die Umgebung. Sie suchten auch bei den Felsen von Branické skály, denn sie hatten Angst, dass er darunter gestürzt sein könnte. Auch das Ufer der Moldau wurde nach Jan abgesucht.
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| Die Familie suchte noch am Abend des Verschwindens die Gegend rund um die Felsen der Branické skály und auch das Ufer der Moldau ab. Foto: Google Maps |
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| Die Branické skály Felsen liegen in unmittelbarer Nähe zum damaligen Wohnhaus von Jan Nejedlý. Foto: Google |
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| Die Branické skály Felsen. Foto: Google |
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| Die Aussicht von den Branické skály Felsen. Gegenüber befindet sich die Moldau und unten liegt das Wohngebiet Podolí. Foto: Google |
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| Die Aussicht von den Branické skály Felsen. Gegenüber befindet sich die Moldau und unten liegt das Wohngebiet Podolí. Foto: Google |
Bei der Polizei als vermisst gemeldet
Da sie weder Jan noch Hinweise auf seinen Verbleib fanden, verständigten die Eltern noch am selben Abend die örtliche Polizei unter der Notrufnummer 158 und meldeten ihn als vermisst. Sie erstatteten damit offiziell Anzeige wegen seines Verschwindens.
Die ersten Suchmaßnahmen der Polizei
Die tschechische Polizei nahm das Verschwinden von Jan Nejedlý sehr ernst. Sie leiteten noch am Abend erste polizeiliche Maßnahmen ein. Das Verschwinden von Jan sprach sich in dem dicht besiedelten Stadtteil Podolí sehr schnell herum. Die Anteilnahme der Anwohner war sehr groß und sie wollten die Suchmaßnahmen unterstützen.
Nachbarn und Freunde halfen bei den ersten Suchmaßnahmen in der Umgebung. Als der Kinderarzt der Familie Nejedlý vom Verschwinden von Jan Nejedlý hörte, meldete er sich sofort bei der Polizei. Er erzählte den Beamten von seiner Begegnung mit Jan am Nachmittag. Dies lieferte den Behörden frühzeitig eine wichtige Zeugenaussage. Zusätzlich startete die Familie eine Informationskampagne in Prag, indem sie Plakate mit Jans Foto verteilte und eine Belohnung von 100.000 CZK auslobte. Ein Nachbar beteiligte sich an der Belohnung für Hinweise zum Aufenthaltsort von Jan.
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| Mit diesem Plakat wurde in der Öffentlichkeit nach Jan Nejedlý gesucht. Foto: Google |
Große Solidarität in der Bevölkerung
Die Informationskampagne und die Auslobung einer Belohnung riefen große öffentliche Aufmerksamkeit und Solidarität hervor. Die Polizei erhielt täglich bis zu zwanzig telefonische Hinweise. Leider erwiesen sich die meisten davon jedoch als nutzlos. Frühe Medienmeldungen in Prag verstärkten diese Bemühungen. Die medialen Berichte erschienen rasch, um die Öffentlichkeit zu informieren und Hinweise zu erhalten.
Polizeiliche Suchmaßnahmen wurden fortgesetzt
In den folgenden Tagen wurden weitere Suchmaßnahmen der Polizei eingeleitet und erweitert. Dazu gehörte eine umfangreiche Suche am Boden durch die Polizei mit der Unterstützung von mehreren hunderten Freiwilligen, die die Gebiete von Motol über Barrandov bis Podolí durchkämmten. Dazu gehörten auch tägliche Patrouillen entlang der Moldau und Suchflüge aus der Luft mit einem Wärmebildkamera ausgestatteten Hubschrauber. Die Familie kontaktierte auch eigenständig eine südböhmische Rettungsbrigade mit ausgebildeten Hunden, um unzugängliches Gelände wie die Braník-Felsen, das Moldauufer und alte Tunnel aus dem Zweiten Weltkrieg abzusuchen. Dies unterstreicht ihr proaktives Engagement bei der Suche nach Jan.
Wie ging die Prager Polizei in dem Fall genau vor?
Nachdem die Prager Polizei am Abend des 17. Januar 1998 über die Notrufnummer 158 die Meldung von den Eltern des vermissten Jan Nejedlý erhalten hatte, leitete die Polizei das Standardverfahren für Vermisstenfälle ein. Zunächst konzentrierte man sich auf die Befragung der Eltern. Das ist eine ganz normale Vorgehensweise der Polizei. Die Polizei fängt immer bei der Familie und den engsten Bezugspersonen an, bevor die Ermittlungen immer wieder einen Schritt erweitert werden. Die Familie kritisierte die Vorgehensweise der Polizei. Sie sagten, dass die Polizei falsche Prioritäten gesetzt habe. Die Familie sagte auch, dass durch diese falsche Prioritätensetzung in den ersten Stunden und Tagen wertvolle Zeit verschwendet worden ist, wodurch möglicherweise eine Entführung übersehen worden sei.
Weitere Suchmaßnahmen
Am 20. Januar 1998 fehlte von Jan Nejedlý seit mittlerweile drei Tagen jede Spur. An diesem Tag wurden von der Polizei offiziell weitere Suchmaßnahmen eingeleitet, die zur Mobilisierung eines koordinierten Teams mit Hunderten von Polizisten und Freiwilligen führten. Diese Einsatzgruppe durchsuchte das Gebiet um Podolí umfassend und systematisch. Die Wohngebiete, Wohnhäuser, Keller und Garagen,
Parks und Grünanlagen sowie leerstehende Gebäude wurden überprüft. Auch unzugängliches Gelände wie die Branické skály [Braník-Felsen], das Moldauufer und ein Netzwerk alter deutscher Munitionstunnel aus Kriegszeiten wurden von der Einsatzgruppe durchsucht. Zur Unterstützung aus der Luft wurde ein mit Wärmebildkamera ausgestatteter Hubschrauber eingesetzt, der ein Gebiet von Motol über Barrandov bis Podolí absuchte, während die Flusspolizei die Moldau in der Nähe des Wohnortes wiederholt patrouillierte. Nur durch das Drängen der Familie wurden Suchhunde eingesetzt. Diese unterstützten die Suche aber erst zwei Tage später.
Bis dahin könnten die starken Regenfälle die Fährten jedoch bereits verwischt haben.
Die ersten Befragungen und Beweisaufnahmen
Die ersten Beweisaufnahmen konzentrierten sich auf Zeugenbefragungen, darunter die des örtlichen Kinderarztes. Dieser berichtete, dass er Jan zuletzt am Nachmittag des 17. Januar 1998 gegen 15.30 Uhr gesehen habe. Zu diesem Zeitpunkt war Jan nur etwa 50 Meter von seinem Zuhause in der Podolská-Straße entfernt, als der Junge auf das Haus seines Freundes zuging. Der Arzt erinnerte sich an ein kurzes Gespräch mit Jan, der erwähnte, mit einem Freund namens "Páva" spielen zu gehen. Einzelheiten der polizeilichen Vernehmung des Kinderarztes oder der Familie des Freundes wurden in den ersten Berichten jedoch nicht näher erläutert. Eine Auswertung der Aufnahmen lokaler Überwachungskameras ist nicht dokumentiert, vermutlich aufgrund der begrenzten Verfügbarkeit solcher Technologie in Prager Wohngebieten im Jahr 1998. Die Polizei weitete die Befragungen auf das gesamte soziale Umfeld von Jan Nejedlý aus. Die Eltern von Jan, seine Freunde und ihr Vater des vorgesehenen Besuchs, die Nachbarn, die Klassenkameraden, die Lehrkräfte und die Freunde von Jan Nejedlý wurden von den Ermittlern befragt. Diese Befragungen brachten die Ermittler nicht weiter, denn keiner der Befragten konnte Hinweise auf Konflikte, Auffälligkeiten oder Ankündigungen geben. In Abstimmung mit den lokalen Medien unterstützte die Polizei die öffentlichen Aufrufe, indem sie die Verbreitung von Jans Beschreibung erleichterte. Diese Informationen wurden durch Plakate in ganz Prag verbreitet – unter anderem in der U-Bahn, in Schulen, auf Straßen und in Geschäften. Zunächst wurde eine Belohnung von 100.000 CZK von der Familie und dem Nachbarn ausgesetzt. Die Berichterstattung in den Medien trug in den ersten Wochen dazu bei, Hinweise aus der Bevölkerung zu erhalten.
Registrierte Sexualstraftäter überprüft
Die Familie von Jan Nejedlýs Freunden, insbesondere zwei Brüder und ihr Vater, die im selben Wohnblock lebten, gerieten aufgrund des geplanten Ziels des Jungen und möglicher Widersprüche in ihren Aussagen darüber, ob sie sich zum Zeitpunkt des Vorfalls zu Hause aufgehalten hatten, ins Visier der Ermittler. Laut den ersten Berichten zufolge befand sich bei der Ankunft von Jan niemand in der Wohnung. Spätere Aussagen deuteten jedoch darauf hin, dass der Vater der beiden Brüder möglicherweise doch in der Wohnung war, aber die Türklingel nicht gehört hatte, was ihm ein Teilalibi lieferte. Weder Festnahmen noch Ergebnisse von Lügendetektortests wurden öffentlich dokumentiert. Die Polizei prüfte auch Listen registrierter Pädophiler, insbesondere solche aus der Umgebung des Schwimmstadions von Podolí, da diese aufgrund der Art des Falls, in den ein junges Kind verwickelt war, als mögliche Verdächtige in Betracht gezogen wurden. Es wurden keine konkreten Personen aus dieser Gruppe öffentlich genannt, und keine führte zu Verhaftungen oder Inhaftierungen im Zusammenhang mit dem Verschwinden des Kindes.
Fall bleibt ungelöst
Obwohl die Prager Polizei umfangreiche Suchmaßnahmen durchgeführt hatte und auch die Medien immer wieder über den Fall berichtet haben, blieb Jan Nejedlý verschwunden. Man hatte weder Spuren von Jan Nejedlý entdeckt noch einen entscheidenden Hinweis aus der Bevölkerung erhalten. Die tschechischen Strafverfolgungsbehörden kamen in dem Fall nicht einen Schritt weiter. So kam es, dass der Fall auch Anfang der 2000er-Jahre noch immer als ungelöst galt. Auch wenn der Fall praktisch kalt war, wurde der Fall offiziell weiterhin als laufendes Vermisstenverfahren geführt. Dies hat gewisse Vorteile, denn ein laufendes Verfahren ermöglicht regelmäßige Überprüfungen und die Anwendung neuer Ermittlungsmethoden. Die tschechische Polizei hat im Laufe der Jahre immer wieder neue Untersuchungen durchgeführt, unter anderem aufgrund neuer Hinweise. Der Status des Falls ermöglichte fortgeschrittene forensische Untersuchungen. Zu den potenziellen Techniken gehören DNA-Analysen und KI-gestützte Altersberechnungen zur Gesichtsrekonstruktion, deren konkrete Anwendung jedoch in den öffentlichen Akten noch nicht dokumentiert ist.
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| Jan Nejedlý mit seiner Katze. Foto: Familie Nejedlý |
Interpol unterstützt die tschechischen Polizei
Die tschechische Polizei holte sich auch Unterstützung von internationalen Strafverfolgungsbehörden. Besonders Interpol spielte eine bedeutende Rolle in der internationalen Dimension der Ermittlungen. Interpol nahm Jan Nejedlý in die von ihnen geführte internationale Datenbank vermisster Kinder auf, um europaweit Fahndungsmeldungen zu verbreiten und die grenzüberschreitende Zusammenarbeit der verschiedenen Strafverfolgungsbehörden zu erleichtern.
Das Prager Büro der Organisation diente als zentrale Anlaufstelle für den Fall und ermöglichte den Informationsaustausch mit internationalen Strafverfolgungsbehörden sowie die Verfolgung potenzieller Spuren im Ausland. Obwohl die eingegangenen internationalen Hinweise nicht öffentlich detailliert aufgeführt wurden, trug die Beteiligung dazu bei, mögliche Spuren im Ausland zu ermitteln. Öffentliche Kampagnen, die den Fall im Fokus der Öffentlichkeit hielten, umfassten wiederkehrende Medienaufrufe, insbesondere an Jahrestagen. Jans Mutter wandte sich dabei mit emotionalen Erklärungen an die Öffentlichkeit, um das Interesse neu zu entfachen und Hinweise zu erbitten, darunter auch Belohnungsangebote der Familie. Diese Bemühungen wurden durch die Berichterstattung in großen tschechischen Medien verstärkt und trugen zur anhaltenden Aufmerksamkeit bei.
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| Fahndungsmeldung der tschechischen Polizei. Diese wurde auch auf Interpol veröffentlicht und immer wieder verbreitet. Foto: Polizei |
Die Theorien
Das Verschwinden von Jan Nejedlý ist weiterhin ungeklärt. Es gibt jedoch einige Theorien darüber, was mit ihm passiert sein könnte. Auf diese Theorien möchte ich nun kurz näher eingehen. Es gilt natürlich die Unschuldsvermutung.
1. Theorie "Freiwilliges Verschwinden"
Hat Jan Nejedlý freiwillig sein gewohntes Lebensumfeld verlassen?
Obwohl die Polizei diese Möglichkeit zunächst kurz in Erwägung gezogen hat, wurde sie auch genauso schnell wieder verworfen. Es wurden keine Hinweise darauf gefunden, dass Jan aufgrund eines Konflikts oder einem anderen Grund von Zuhause weggelaufen war. Diese Möglichkeit wurde aufgrund des Alters von Jan, der fehlenden Vorbereitung und des fehlenden familiären Konflikts ausgeschlossen. Außerdem gab es auch später nie wieder ein Lebenszeichen von Jan.
2. Theorie "Unfall"
Ist Jan Nejedlý verunglückt?
Auch diese Möglichkeit wurde von den Ermittlern diskutiert und überprüft. Die Polizei hat diese Möglichkeit als wenig wahrscheinlich eingestuft, denn es wurden umfangreiche Suchmaßnahmen durchgeführt, ohne dass Jan Nejedlý oder Spuren [Kleidung und persönliche Gegenstände] von ihm gefunden wurden, die Hinweise auf ein Unfallgeschehen geben.
Auch die Variante eines Unfalls mit anschließendem Verdecken des Szenarios wurde überprüft. Bei dieser Variante ging man davon aus, dass Jan Nejedlý durch einen Unfall wie beispielsweise ein versehentlicher Sturz oder Autounfall ums Leben gekommen ist und man aus Panik vor strafrechtlichen Konsequenzen die Überreste versteckt hat. Diese Möglichkeit ist zwar theoretisch möglich, aber praktisch kaum erklärbar, denn die intensiven Suchmaßnahmen haben keine Hinweise auf ein Unfallgeschehen ergeben.
3. Theorie "Fremdverschulden [Entführung]"
Wurde Jan Nejedlý von einer fremden Person entführt?
Diese Möglichkeit muss in Betracht gezogen werden. Viele Menschen glauben, dass Jan von einer fremden Person entführt wurde. Die Polizei stuft diese Theorie als möglich ein. Es gibt Anhaltspunkte, die in diese Richtung weisen, denn Jan ist bis heute spurlos verschwunden und er verschwand in einem kurzen Zeitrahmen in einem städtischen Umfeld mit Durchgangsverkehr. Es gibt jedoch auch Anhaltspunkte, die gegen eine Entführung sprechen, denn es gibt keine Zeugen, keine Fahrzeuge und keine Lösegeldforderung.
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| Wurde Jan Nejedlý entführt? Foto: Polizei |
4. Theorie "Entführung nach Österreich"
Wurde Jan Nejedlý entführt und nach Österreich verschleppt?
Diese Möglichkeit wurde von der Polizei sehr ernst genommen, denn nur wenige Monate nach dem Verschwinden des damals 9-jährigen Jan Nejedlý aus Prag-Podolí erhielt die Polizei Hinweise, die in diese Richtung weisen. In den Ermittlungsberichten zum Verschwinden von Jan Nejedlý gibt es eine spezifische, wenn auch unbestätigte Verbindungen nach Wien und zum Milieu in Oberösterreich. Genauer gesagt führte eine Spur ins Rotlichtmilieu nach Linz.
Man ging davon aus, dass Jan Nejedlý von Fremden entführt wurde, möglicherweise durch Zufall oder im Rahmen organisierter Kinderhändlerringe. Diese Hypothese gewann an Bedeutung, da bei umfangreichen Suchaktionen keine sterblichen Überreste oder persönlichen Gegenstände gefunden wurden, was darauf hindeutet, dass der Junge schnell vom Ort des Geschehens entfernt wurde. Familienmitglieder, insbesondere sein Vater Marcel Nejedlý, betonten die Möglichkeit, dass Kinderhändler Jan in der Nähe seines Hauses im Prager Stadtteil Podolí in ein Fahrzeug verfrachteten.
Dieses Szenario wurde durch einen anonymen Hinweis aus dem Jahr 1998 gestützt, der von einem angeblichen jungen Prostituierten aus Linz stammte. Dieser junge Mann gab an, einen Jungen, der Jan sehr ähnelte, gesehen zu haben. Der Junge sei nun unter dem Namen "Daniel" bekannt. Er wurde von einem kriminellen Netzwerk [Kinderhändlerring] ausgebeutet und zum "Verkauf" angeboten. Es gab weitere Zeugen, die angaben, einen Jungen, der Jan Nejedlý sehr ähnlich sah, in Begleitung eines Mannes in der Nähe von Linzer Etablissements oder einschlägigen Treffpunkten wahrgenommen zu haben.
Die österreichische Polizei ging diesen Hinweisen Ende der 90er und Anfang der 2000er Jahre intensiv nach und führte umfangreiche Ermittlungen im Linzer Rotlichtmilieu durch. Es konnten jedoch keine Beweise gesichert werden, die den Aufenthalt von Jan Nejedlý in Linz belegen. Die Ermittler hätten noch einmal gern mit dem Anrufer [junger Prostituierter aus Linz] und Hinweisgeber gesprochen, doch der Hinweisgeber konnte nie identifiziert werden. Die österreichische Polizei konnte auch keine Beweise dafür finden, dass Jan Nejedlý oder überhaupt ein Junge in kriminellen Kreisen festgehalten wurde.
Kontext zur Prostitution in Linz
In Linz ist Prostitution legal, aber streng reglementiert. Das Hauptaugenmerk der Behörden liegt heute auf der Bekämpfung von Menschenhandel und Ausbeutung. Die damalige Vermutung im Fall Nejedlý basiert auf der Befürchtung einer Entführung zum Zweck des Kindesmissbrauchs innerhalb grenzüberschreitender krimineller Netzwerke zwischen Tschechien und Österreich.
Bis heute wird der Fall als ungeklärt geführt, und es gibt keine aktuellen Belege, die Jan Nejedlý sicher mit dem heutigen Linzer Milieu in Verbindung bringen.
5. Theorie "Tötungsdelikt mit anschließender Beseitigung"
Ist Jan Nejedlý Opfer eines Gewaltverbrechens mit anschließender Beseitigung geworden?
Diese Theorie wurde nie von den Ermittlern ausgeschlossen. Diese Theorie geht davon aus, dass Jan Opfer eines Tötungsdelikts wurde und der Täter anschließend gezielt Maßnahmen ergriff, um:
den Leichnam zu entfernen,
Spuren zu beseitigen und eine Auffindung dauerhaft zu verhindern.
Der Tatort wäre demnach nicht identisch mit dem Ort des Verschwindens.
Aufgrund fehlender Spuren [keine Leiche, kein Tatort, kein Leichenfundort und keine forensischen Spuren] kann dies auf einen geplanten oder spontanen Gewaltakt hindeuten. Das vollständige Ausbleiben verwertbarer Spuren [weder Körper, Kleidung noch persönliche Gegenstände] bildete die Grundlage für die Annahme, dass Dritte aktiv eingegriffen haben könnten. Das Fehlen von Spuren könnte auf einen geplanten oder spontanen Gewaltakt hindeuten.
Mögliche Tatvarianten
A. Spontanes Tötungsdelikt im Rahmen eines anderen Delikts
Ein denkbares Szenario ist eine Entführung oder ein Übergriff, bei dem die Situation eskaliert ist.
Jan wird angesprochen oder mitgenommen [unter Vorwand oder durch Zwang], kommt zu Panik, Gegenwehr oder einem unkontrollierten Gewaltakt, der Täter tötet das Kind unbeabsichtigt oder aus Angst vor Entdeckung.
In solchen Fällen zeigen Vergleichsfälle, dass Täter häufig versuchen, den Leichnam so schnell wie möglich zu entfernen, statt ihn am Tatort zurückzulassen.
B. Geplantes Gewaltverbrechen
Weniger wahrscheinlich, aber nicht auszuschließen. Das Opfer wurde gezielt ausgesucht. Der Täter hat sich auf die Tat vorbereitet. Er hat ein Transportmittel ausgewählt/vorbereitet und einen Ablageort ausgewählt. Das würde dafür sprechen, dass der Täter über Ortskenntnisse verfügt.
Diese Variante setzt lokale Kenntnisse voraus und würde erklären, warum trotz intensiver Suche keine Überreste gefunden wurden.
C. Tötungsdelikt durch eine Person aus dem erweiterten Umfeld
Kriminalistisch relevant ist auch die Möglichkeit, dass Jan Nejedlý jemanden kannte oder diese Person zumindest nicht als Gefahr wahrnahm. Er könnte freiwillig in ein Fahrzeug gestiegen sein oder einen Innenraum betreten haben. Dadurch löste das Verschwinden auch keine Zeugenreaktion aus. Es spricht viel für aktive Beseitigung, nicht für einen Unfall oder Verlauf im offenen Gelände, denn trotz intensiver Suchmaßnahmen wurde nie eine Leiche gefunden. In den Jahren nach dem Verschwinden von Jan wurden immer wieder verschiedene Gebiete ergebnislos abgesucht.
In vielen historischen Kindermordfällen zeigte sich, dass Täter aus dem sozialen oder geographischen Nahbereich stammen. Es gibt
Argumente, die für diese Theorie sprechen, denn bis heute sind Jan Nejedlý, seine Kleidung und seine persönlichen Gegenstände vollständig verschwunden. Zudem gab es keine späteren Sichtungen mit belastbarer Substanz.
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| Ist Jan Opfer eines Tötungsdelikts geworden? Foto: Polizei |
Fazit:
Aufgrund fehlender belastbarer Beweise ist es für mich nicht einfach gewesen, sich auf eine der genannten Theorien festzulegen. Auch wenn im Fall Jan Nejedlý keine belastbaren Beweise vorliegen, die eine eindeutige Rekonstruktion der Geschehnisse erlauben, ist eine vorsichtige Bewertung dennoch möglich – sofern sie sich strikt an den bekannten Fakten orientiert und ihre Grenzen offenlegt. Trotz zahlreicher Überlegungen, Hypothesen und kriminalistischer Ansätze lässt sich keine der bekannten Theorien mit belastbaren Beweisen untermauern. Weder gibt es eindeutige Spuren, die ein Tötungsdelikt zweifelsfrei belegen, noch Hinweise, die einen Unfall, ein Verlaufen oder ein anderes Szenario sicher bestätigen würden.
Gerade diese Beweislage oder vielmehr ihr Fehlen zwingt mich zu einer vorsichtigen Einordnung.
Auf Grundlage der bekannten Ermittlungsdaten können freiwilliges Verschwinden sowie ein unbeobachtetes Unfallgeschehen mit hoher Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden. Die vollständige Spurlosigkeit des minderjährigen vermissten Jungen, das Fehlen jeglicher persönlicher Gegenstände sowie der kurze Zeitrahmen sprechen gegen diese Szenarien.
Für mich spricht vor allem die Art des Verschwindens für ein Eingreifen Dritter. Jan verließ sein Zuhause nur für einen kurzen, vertrauten Weg. Er hatte kein Gepäck bei sich, keine Anzeichen für eine geplante Abwesenheit, und es gibt keinerlei Hinweise auf ein späteres eigenständiges Weiterleben. Dass ein neunjähriges Kind unter diesen Umständen vollständig und dauerhaft verschwindet, ohne Spuren, Gegenstände oder glaubhafte Sichtungen zu hinterlassen, ist statistisch ungewöhnlich.
Gleichzeitig muss aber auch festgehalten werden, dass kein direkter Beweis für ein Gewaltverbrechen existiert. Weder Tatspuren noch Zeugenaussagen oder forensische Funde belegen ein Tötungsdelikt eindeutig. Die Annahme eines Verbrechens bleibt somit eine plausible, aber nicht belegte Schlussfolgerung. Bei der Abwägung aller bekannten Faktoren erscheint mir jedoch ein Szenario, in dem Jan einem unvorhergesehenen Ereignis unter Beteiligung Dritter zum Opfer fiel, nachvollziehbarer als Erklärungen, die von einem Unfall oder einem eigenständigen Verschwinden ausgehen. Diese Alternativtheorien lassen zentrale Fragen unbeantwortet – insbesondere die Frage, warum trotz intensiver Suche niemals ein Hinweis auf Jans Verbleib gefunden wurde.
Die Bewertung dieses Falles bewegt sich daher zwangsläufig in einem Spannungsfeld zwischen dem Fehlen harter Beweise und der Notwendigkeit, das Gesamtbild ernst zu nehmen. In diesem Gesamtbild wirkt ein Fremdverschulden – unabhängig von seiner konkreten Ausgestaltung – kriminalistisch am schlüssigsten, ohne dass daraus eine Festlegung auf ein bestimmtes Tatgeschehen oder eine bestimmte Person abgeleitet werden kann.
Der Fall Jan Nejedlý bleibt damit ein Beispiel für die Grenzen kriminalistischer Aufklärung: Ein Fall, der bewertet werden kann, aber nicht abgeschlossen ist. Zusammenfassend erscheint das Szenario eines Fremdverschuldens mit anschließendem Verbringen des Kindes an einen unbekannten Ort als die plausibelste Erklärung für das Verschwinden von Jan Nejedlý. Ohne neue Hinweise, Zeugenaussagen oder forensische Funde bleibt diese Einschätzung jedoch nur eine logische Rekonstruktion und keine gesicherte Erkenntnis.
Der Fall Jan Nejedlý bleibt damit ein ungelöster Missing Cold Case, dessen Aufklärung auch Jahrzehnte später weiterhin möglich wäre, sollte neues Beweismaterial bekannt werden. Ich denke, dass man den Fall doch noch aufklären kann, sobald sich neue Ermittlungsansätze ergeben oder die Polizei den entscheidenden Hinweis erhält.
Der Fall Jan Nejedlý bleibt damit ein ungelöster Missing Cold Case, dessen Aufklärung auch Jahrzehnte später weiterhin möglich wäre, sollte neues Beweismaterial bekannt werden. Ich denke, dass man den Fall doch noch aufklären kann, sobald sich neue Ermittlungsansätze ergeben oder die Polizei den entscheidenden Hinweis erhält.
Beschreibung von Jan Nejedlý [zum Zeitpunkt seines Verschwindens]
- Jan Nejedlý wurde am 22. November 1988 in der Tschechischen Republik geboren.
- Er ist seit dem 17. Januar 1988 verschwunden.
- Zum Zeitpunkt seines Verschwindens lebte Jan Nejedlý mit seiner Familie in einem Haus in der Bruzdowa-Straße im Prager Stadtteil Podolí.
- Zum Zeitpunkt seines Verschwindens war Jan Nejedlý neun Jahre alt und besuchte die dritte Klasse einer Grundschule.
- Er ist von kaukasischer Abstammung.
- Jan Nejedlý war damals 1,20 m groß und schlank.
- Er hat blau-grau-grüne Augen und hellbraune/dunkelblonde Haare.
- Jan Nejedlý hat abgerundete Frontzähne.
- Sein Spitzname ist Honzík.
- Er spricht nur tschechisch.
- Zum Zeitpunkt seines Verschwindens war Jan Nejedlý mit einer dunkelblauen Winterwindjacke mit roten Innenfutter, einem grauer Pullover mit schwarzen Streifen und Kapuze, einer grauen Jogginghose, einer roten Mütze und weißen, grünen und schwarzen Sportschuhen mit Känguru-Motiv an der Ferse bekleidet.
- Am Handgelenk trug er eine schwarze Digitaluhr.
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| Wo ist Jan Nejedlý? Foto: Polizei |
Neuer Zeuge meldet sich bei der Polizei
Im Jahr 2025 meldete sich ein neuer Zeuge bei der Polizei. Er gab an, kurz vor dem Verschwinden einen verdächtigen Mann im Prager Stadtteil Podolí gesehen zu haben, der eine Waffe bei sich getragen haben soll und sich in unmittelbarer Nähe des Ortes aufgehalten habe, an dem Jan zuletzt gesehen wurde. Der Begleiter soll Jan gegenüber einschüchternd gewirkt haben.
Die Polizei ließ ein Phantombild von dem unbekannten Mann erstellen. Dieses Phantombild wurde jedoch nie veröffentlicht oder öffentlich zugänglich gemacht. Es ist unklar, warum das Phantombild nicht veröffentlicht wurde. Die Prager Polizei hat sich dazu nicht öffentlich geäußert.
Die Nachwirkungen
Das spurlose Verschwinden von Jan Nejedlý im Januar 1998 hatte über den eigentlichen Ermittlungszeitraum hinaus spürbare Auswirkungen. Der Fall prägte die öffentliche Wahrnehmung von Kindersicherheit in der Tschechischen Republik und wurde zu einem der bekanntesten Vermisstenfälle des Landes.
In den Monaten nach dem Verschwinden stand der Fall regelmäßig im Fokus der Medien. Fahndungsplakate, Berichte in Zeitungen und Fernsehsendungen hielten die Hoffnung aufrecht, Jan lebend zu finden. Mit zunehmender Zeit verlagerte sich die Berichterstattung jedoch vom akuten Suchaufruf hin zu Rückblicken und Einordnungen als ungelöster Fall.
Auch innerhalb der Polizeiarbeit hatte der Fall Folgen. Das vollständige Fehlen von Spuren machte deutlich, wie schnell ein Kind im öffentlichen Raum verschwinden kann und wie begrenzt die technischen Möglichkeiten der Ermittler in den späten 1990er-Jahren waren. In späteren Jahren wurde der Fall wiederholt als Beispiel für einen klassischen Missing Cold Case herangezogen, bei dem neue Hinweise jederzeit eine Neubewertung ermöglichen könnten.
Das Verschwinden von Jan Nejedlý hat seine Familie, insbesondere seine Eltern Ivana und Marcel Nejedlý, tief getroffen. Die Familie Nejedlý ist nach dem Vorfall innerhalb Prags umgezogen. Die Familie adoptierte nach dem Verschwinden von Jan ein kleines Mädchen. Die Eltern haben ihre anhaltende Trauer und Frustration über den ungelösten Fall öffentlich zum Ausdruck gebracht. Marcel Nejedlý, der sich intensiv an den Suchbemühungen beteiligte und eng mit den Ermittlern zusammenarbeitete, erkrankte später an Krebs und starb im Jahr 2014, ohne zu erfahren, was mit seinem Sohn geschehen war. Dies verdeutlicht die schwere emotionale und physische Belastung, die der Vater erlitt. Ivana Nejedlý äußerte in Medieninterviews das anhaltende Trauma der gesamten Familie.
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| Dieses Bild hat Jan Nejedlý gezeichnet. Das ist das einzige, was der Familie von Jan geblieben ist. Foto: Google |
Nach dem Tod ihres Mannes, beantragte Ivana Nejedlý Akteneinsicht in die Ermittlungsakten.
Unabhängig davon wurde der Familie weiterhin jahrelang der Zugang zu bestimmten Polizeiakten verweigert, da Marcel Nejedlý als Verdächtiger galt, bis ein Urteil des Verfassungsgerichts im Jahr 2019 ihnen diesen Zugang gewährte. Marcel Nejedlý hatte jedoch ein nachweisbares Alibi, da er sich zum Zeitpunkt des Verschwindens nachweislich mit seinem Schwager auf der Arbeit befand. Der örtliche Kinderarzt, der in den öffentlichen Akten als Pan Š. geführt wurde, war der letzte bestätigte Zeuge, der den 9-jährigen Jan Nejedlý lebend gesehen hatte. Der Arzt sprach kurz dem Jungen, fragte ihn nach seinem Ziel und fungierte als wichtiger Zeuge, ohne selbst als Verdächtiger behandelt zu werden. Die Familie kritisierte später, dass die Polizei den Kinderarzt nie genauer überprüft und als Verdächtigen in Betracht gezogen hat. Ivana Nejedlý kritisierte öffentlich die Vorgehensweise in dem Fall und merkte in einem Interview an, dass sie nicht zufrieden ist, wie die Strafverfolgungsbehörden mit ihnen als Eltern umgegangen sind. Den Eltern wurden viele Details der Ermittlungen einfach nicht mitgeteilt und manche Informationen wurden ihnen nur Mithilfe öffentlichen- und juristischen Drucks zugänglich gemacht.
Heute lebt Ivana Nejedlý in einer Wohnung am Stadtrand von Prag. Jan's jüngere Schwester Adéla leidet unter erheblichen emotionalen Folgen. Sie wollte ihren Bruder am Tag seines Verschwindens begleiten, aber das hatte ihre Mutter damals aufgrund ihres jungen Alters nicht erlaubt. Mutter und Tochter kämpfen weiterhin um die Aufklärung des Falls. Einige Angehörige von Jan, darunter auch die Eltern, äußerten in den Medien die Überzeugung, dass polizeiliche Fehler zur fehlenden Aufklärung beigetragen hätten. Dies verdeutlicht die soziale Isolation und das gesunkene Vertrauen in Institutionen, die ihr Leben nach dem Verschwinden von Jan prägten.
Die Familie Nejedlý befindet sich seit fast 30 Jahren in einem dauerhaften Zustand der Ungewissheit. Anders als bei einem bestätigten Todesfall gibt es keinen Abschluss, keine Gewissheit, keinen klaren Endpunkt. Die Zurückhaltung der Behörden und Medien bei persönlichen Details spiegelt auch den Versuch wider, die Privatsphäre der Angehörigen zu schützen.
Bis heute wird der Name Jan Nejedlý in Vermisstenlisten geführt. Sein Verschwinden steht stellvertretend für viele ungeklärte vermisste Kinder jener Zeit und erinnert daran, dass ungelöste Fälle nicht abgeschlossen sind, sondern fortbestehen – solange es keine Antworten gibt.
Aktuelle Einstufung des Falls
Jan Nejedlý wird als vermisste und gefährdete Person eingestuft. Mittlerweile wird der Fall als Missing Cold Case bezeichnet. Aktuell beschäftigt sich die Cold-Case-Einheit der tschechischen Polizei mit dem Fall. Die Ermittler sind weiterhin auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen. Jeder Hinweis könnte wichtig sein.
Solange kein Leichnam gefunden und kein Tötungsdelikt nachgewiesen ist, wird der Fall rechtlich als Vermisstenfall oder Missing Cold Case eingestuft. Eine formale Todesfeststellung ist davon getrennt zu betrachten und ersetzt keine strafrechtliche Klärung.
Die Fragen der Ermittler:
- Wer hat am 17. Januar 1998 einen Jungen gesehen, der auf die Beschreibung von Jan Nejedlý passt?
- Wer kann sich an ein Kind erinnern, das allein unterwegs war und möglicherweise unsicher oder wartend gewirkt hat?
- Wer hat Jan Nejedlý am Nachmittag des 17. Januar 1998 oder später in Begleitung gesehen?
- Wem ist ein Junge aufgefallen, der mit einem Erwachsenen sprach oder von jemandem begleitet wurde?
- Wer weiß, wer für das Verschwinden von Jan Nejedlý verantwortlich sein könnte?
- Wer kennt die genauen Umstände und Hintergründe seines Verschwindens?
- Wer hat möglicherweise eine Situation wahrgenommen, die ihm damals ungewöhnlich vorkam, aber nicht alarmierend erschien?
- Wo genau befandest Du dich am Nachmittag oder in den frühen Abendstunden des 17. Januar 1998?
- Welche Wege oder Straßen hast Du in diesem Zeitraum benutzt?
- Wem war damals in diesem Bereich ein kurzzeitig haltendes oder parkendes Fahrzeug aufgefallen?
- Wer hat damals eine Person bemerkt, die auffällig Kontakt zu Kindern gesucht hat?
- Wem ist damals eine Person aufgefallen, die sich ohne erkennbaren Grund wiederholt in der Gegend aufgehalten hat?
- Wem ist damals eine Person aufgefallen, die sich im Nachhinein verdächtig verhalten hat?
- Wem ist in den Tagen nach dem Verschwinden aufgefallen, dass eine Person plötzlich nicht mehr im Viertel gesehen wurde?
- Wem ist in den Tagen nach dem Verschwinden aufgefallen, dass plötzlich ein Fahrzeug verschwunden war oder ersetzt wurde?
- Wem ist in den Tagen nach dem Verschwinden einen Person aufgefallen, die ihr Verhalten deutlich verändert hat?
- Wer hat Jan Nejedlý nach dem 17. Januar 1998 noch einmal gesehen?
- Wer hat damals Beobachtungen gemacht, die einem damals noch unwichtig erschienen sind, aber heute wieder in den Sinn kommen?
- Bei wem hat sich möglicherweise erst Jahre später eine Erinnerung entwickelt, die man aber bisher noch nicht bei der Polizei gemeldet hat?
- Gab es Gründe, warum Du dich damals nicht an die Polizei gewandt hast?
- Wer hat in den Wochen nach dem Verschwinden Gespräche oder Gerüchte über das Verschwinden von Jan Nejedlý in seinem Umfeld gehört?
- Hat jemand in deinem Bekanntenkreis irgendwelche Andeutungen oder ungewöhnliche Aussagen über das Verschwinden von Jan Nejedlý gemacht?
- Wurde dabei über eine bestimmte Person oder ein bestimmtes Fahrzeug gesprochen?
- Wer kennt den derzeitigen Aufenthaltsort von Jan Nejedlý?
- Wer hat andere Beobachtungen oder Wahrnehmungen gemacht, die mit dem Verschwinden von Jan Nejedlý in Zusammenhang stehen könnten?
- Gibt es etwas, was Du heute anders bewerten würdest als im Jahr 1998?
- Gibt es irgendeine Kleinigkeit, die dir heute als relevant erscheinen könnte?
- Bist Du bereit, deine Beobachtungen auch dann mitzuteilen, wenn Sie sich nicht sicher sind?
- Wer hat sonstige Informationen zu diesem Fall?
Hinweis der Ermittler
Auch scheinbar nebensächliche Beobachtungen können für die Neubewertung des Falls entscheidend sein. Erinnerungen verändern sich, Details tauchen mit zeitlichem Abstand wieder auf. Jede Information wird vertraulich behandelt.
Wer Informationen oder Beobachtungen zu diesem Vermisstenfall hat, wird gebeten, sich direkt bei der lokalen Polizeidienststelle in Prag-Podolí telefonisch unter der Rufnummer: +420 974 854 600 oder per E-Mail: orp4.mop.podoli.evidence@pcr.cz zu melden.
Diese Stellen sind auch für Hinweise aus dem Ausland zuständig.
Natürlich nehme ich auch Hinweise zu diesem Fall über das Hinweisformular entgegen und leite sie an die richtigen Stellen weiter.
Solange das Schicksal von Jan Nejedlý ungeklärt ist, bleibt dieser Fall mehr als eine Akte. Er bleibt ein offenes Kapitel.





























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