Samstag, 3. November 2018

ROSBACH: Tötungsdelikt z. N. einer unbekannten Frau

30 Jahre alter Mordfall würde neu aufgerollt

Polizei bittet Bevölkerung um Mithilfe

Vor 30 Jahren fanden Waldarbeiter bei Rosbach in der Wetterau eine Leiche. Es war Mord - viel mehr wussten die Ermittler lange nicht. Jetzt liefern Rechtsmediziner neue Hinweise über das Opfer, die zum Täter führen könnten.



Fundort der Leiche; Gesichtsrekonstruktion der unbekannten Frau.
Foto: Polizei


Im Sommer 1988 machten Waldarbeiter im Stadtforst von Rosbach vor der Höhe (Wetterau) einen grausigen Fund. Ganz in der Nähe der Autobahn 5 nahe der Anschlussstelle Friedberg entdeckten sie am Nachmittag des 21. Juni in einem Entwässerungsgraben eine Leiche. Sie war so bis aufs Skelett verwest, dass die Ermittler den Fall bis heute nicht klären konnten. Jetzt bringt die moderne Kriminaltechnik laut Polizei Friedberg und Staatsanwaltschaft Gießen doch noch Hinweise, die auf die Spur des unbekannten Täters führen könnten.

Dass ein Verbrechen vorlag, erkannten die Beamten laut Polizei schon an der "Auffindesituation". Doch die Todesursache war nicht herauszufinden, genauso wenig wie die Identität der getöteten Person - und nicht einmal ihr Geschlecht. Rechtsmediziner aus Gießen, München, Insbruck und Amsterdam sind sich jetzt aber sicher: Bei dem Opfer handelt es sich um eine Frau, die aus Polen oder der Ukraine stammte und zum Zeitpunkt ihres Todes etwa 25 bis 35 Jahre alt war.
Cold Case routinemäßig überprüft

Die Untersuchungen an mehreren Instituten hatten Kripo und Staatsanwaltschaft in Auftrag gegeben, als sie routinemäßig die Akte im vergangenen Jahr zur Überprüfung noch einmal geöffnet hatten. Das ist bei ungeklärten Fällen, sogenannten Cold Cases, üblich. Es war DNA aus einem Eckzahn, die zeigte: Die Tote war eine Frau. Die weitere Detektivarbeit der Mediziner brachte schließlich bemerkenswerte Details zu Tage.

Die Fachleute bediente sich unter anderem der Isotopenanalyse von Schädel, Zähnen und Haaren. So lassen sich Erkenntnisse darüber gewinnen, wo ein Mensch in einzelnen Phasen von der Kindheit bis zum Tod lebte. Hinzu kam eine toxikologische Untersuchung der Haare. 
Daraus ergibt sich nach Angaben von Polizei und Staatsanwaltschaft vom Donnerstag folgendes Bild:

  • Die Frau dürfte am ehesten in Gebirgsregionen im südöstlichen Polen oder grenznahen Gebieten der Ukraine aufgewachsen sein.
  • In der Pubertät ist ein Ortswechsel in südliche Alpenregionen denkar, zum Beispiel in die Schweiz oder Norditalien.
  • Die Frau war 1,65 Meter groß, mit mittelbraunem und gelocktem Haar. Schuhgröße: 34-35. Sie hatte Blutgruppe A und 17 Zahnfüllungen. Sie trug einen goldfarbenen Ohrstecker.
  • Im letzten Lebensabschnitt dürfte die Frau sich in Indien oder "meeresnahen südasiatischen Regionen" aufgehalten haben. Dafür spricht die Nahrung, die sie in dieser Lebensphase zu sich genommen hat.
  • Erst wenige Wochen vor ihrem Tod im Sommer 1988 dürfte die Verstorbene nach Mitteleuropa und Deutschland zurückgekehrt sein.
Computergestützte Rekonstruktion

Die toxikologischen Untersuchungen der Haare zeigten zudem: Die Frau konsumierte keine Drogen. Sachverständige der Hochschule Mittweida in Sachsen haben eine computergestützte Rekonstruktion der Gesichtsweichteile der unbekannten Toten erstellt. 

Polizei und Staatsanwaltschaft setzen nun auf Hinweise aus der Bevölkerung, um den Fall nach drei Jahrzehnten vielleicht noch lösen zu können.

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