Mittwoch, 14. Juni 2017

GÜTERSLOH: Tötungsdelikt z. N. von Christina Menzies

Wir der Mordfall nach über 20 Jahren doch noch gesühnt?

Der Mord an der 16-jährigen Schülerin Christina Menzies, die im Juni 1993 erwürgt in einem Gebüsch nahe der A 2 gefunden wurde, war lange einer dieser "Cold Cases", wie Kriminalisten sagen. Fälle, die nicht geklärt werden können. Jetzt - 24 Jahre nach dem Verbrechen - schöpft John Menzies neue Hoffnung, dass der Mörder seiner Tochter doch noch zur Rechenschaft gezogen wird.


Ermordet: Christina Menzies wurde nur 16 Jahre alt. - © Privat
Wird der Mord an Christina Menzies doch noch aufgeklärt?


Es ist bereits 24 Jahre her, dass die damals 16-jährige Christina verschwand. Am 12. Juni 1993 sah ihr Vater, der zu dieser Zeit als Soldat der Royal Air Force (RAF) in Deutschland stationiert war, seine Tochter zum letzten Mal, als sie sich auf den Weg in den Club 47 in Gütersloh machte.

Aber sie kehrte niemals von dem Disko-Besuch zurück. Am nächsten Tag wurde ihr lebloser Körper rund zehn Kilometer vom Camp der RAF entfernt gefunden. Das Mädchen wurde erwürgt. Ihr Fall sorgte damals für viel Aufsehen. Trotzdem konnte ihr Mörder nie gefasst werden.

Forensische Spuren spielten bereits im Prozess gegen den seinerzeit dringend tatverdächtigen 23-jährigen Soldaten eine wichtige Rolle. Kriminalisten hatten an der Leiche von Christina textile Fasern nachgewiesen, wie sie auch im Auto und im Zimmer des angeklagten Gefreiten der Royal Air Force (RAF) gefunden worden waren. Konkret ging es um eine Vielzahl leuchtend roter und blauer Baumwollfasern sowie rostroter Acrylfasern und dunkelblaue Spuren eines Jeansstoffes, die Kriminaltechniker über den gesamten Leichnam verstreut fanden.

Besonders hohe Dichten an roten und blauen Baumwollfasern, so führte die damalige Leiterin der naturwissenschaftlichen Kriminalistik beim Landeskriminalamt (LKA) seinerzeit vor dem Militärgericht aus, traten im Bereich des Kopfes, der Hände und der Beine auf - "typische Spurenbilder für einen leblosen Körper, der in einer Decke, einem Teppich oder einem Bettuch transportiert wurde".

Soldat wurde trotz erdrückender Indizien freigesprochen
Die Ermittler hatten damals im Zimmer des Soldaten, mit dem Christina zuletzt lebend gesehen worden war, sämtliche Gegenstände sicherstellen lassen, die einen großflächigen Aufdruck in eben jenen Farben trugen. Nach den kriminaltechnischen Untersuchungen ähnelten zwar die Fasern eines Kopfkissens in den Farben der britischen Nationalflagge den am Körper des Mädchens gefundenen sehr - identisch waren sie laut der Forensikerin aber nicht.

Auf die roten und blauen Fasern, wie sie an der Leiche gefunden worden waren, stießen die Beamten aber an anderen Stellen im Zimmer des Angeklagten: am Bettgestell, auf dem Bettlaken, auf einem Teppich. Die an der Kleidung und am Körper der Toten gefundenen rostroten Fasern stammten nach Aussage der Kriminaltechnikerin zweifelsfrei von den Socken des Angeklagten, die Jeansstoff-Fasern von seiner Hose.

Da sich alle Textilspuren auch auf der Innenseite der Unterwäsche fanden, ging die Expertin davon aus, "dass Christina auch im unbekleideten Zustand mit der Spurenquelle in Kontakt getreten ist." Dass diese Spurenquelle, wie vom Anklagevertreter ("Die Spuren deuten auf den Angeklagten hin") vermutet, tatsächlich von dem Angeklagten stammte, konnte ihm das Gericht nicht zweifelsfrei nachweisen. Der Gefreite wurde trotz erdrückender Indizien freigesprochen. Wie in englischen Prozessen üblich, gab es im Anschluss an die Urteilsverkündung keine Begründung für diese Entscheidung.

Die Angehörigen von Christina waren über den Freispruch entsetzt. "Das ist noch nicht das Ende", rief John Menzies dem Soldaten auf dem Gerichtsflur zu. Auf die Frage, ob er noch immer von der Schuld seines ehemaligen RAF-Kollegen überzeugt ist, vermag Menzies mit Verweis auf die laufenden Ermittlungen nicht zu antworten. Nur soviel: Er hoffe auf neue Erkenntnisse durch die viel modernere Kriminaltechnik - und darauf, dass sich Hinweisgeber bei der Polizei melden.

Doch jetzt besteht laut John Menzies, dem Vater des Opfers, neue Hoffnung, dass der Mord an der Schülerin doch noch aufgeklärt wird! Das teilte er auf seiner Facebook-Seite mit.

Demnach hat die Britische Militär-Polizei den Fall nochmals gesichtet und dabei Gründe gefunden, warum er neu aufgerollt wird. Die Ermittlungen wurden bereits wieder aufgenommen.


In diesem Zusammenhang werden auf BBC am Dienstag, dem 24. Todestag von Christina, im Rahmen der Sendung "Crimewatch Roadshow" um 21.15 Uhr einige neue Erkenntnisse gezeigt.

Der Vater der Toten ruft dazu auf, die Sendung anzugucken: "Wenn Ihr zu diesem Zeitpunkt in Deutschland wart, guckt Euch die Sendung entweder live, aufgenommen oder in der Mediathek von BBC an und erinnert Euch zurück an die Zeit."

Sowohl im Vereinigten Königreich als auch in Deutschland wurde vor 24 Jahren über Christinas Tod gesprochen. John Menzies hofft darauf, dass die Polizei den Mörder doch noch schnappen kann.

"Wenn Ihr irgendwelche Informationen habt oder jemanden kennt, der welche haben könnte, egal wie relevant die Info scheinen mag, dann meldet sie der Mordkommission der Britischen Militär-Polizei."

Der Vater der Ermordeten appelliert an die Bevölkerung: 
"24 Jahre ist der Mord jetzt her. Die meisten der Disko-Besucher, die in der Nacht im Club 47 waren, werden mittlerweile selbst Kinder haben. Unter diesen Umständen gucken einige vielleicht mit anderen Augen zurück in die Vergangenheit und sehen den Fall in einem neuen Licht."

Einige Menschen haben damals vielleicht Informationen zurückgehalten, weil sie nicht davon ausgegangen sind, dass sie einmal relevant sein würden oder sie ihre Freunde schützen wollten, denkt Menzies.

"Nach Jahren des Stillstandes besteht Hoffnung, dass Christina doch noch Gerechtigkeit erfährt", mit diesen herzzerreißenden Worten schließt er seinen Aufruf.

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