Samstag, 7. Januar 2017

TRAUNSTEIN: Tötungsdelikt z. N. von Truus und Harry Langendonk

Mord an Ehepaar in Traunstein vor 20 Jahren


Es ist "eines der brutalsten Verbrechen, das je im Dienstbereich der Kriminalpolizei Traunstein begangen wurde", schreibt das Polizeipräsidium Oberbayern Süd. Gemeint ist damit der Mord an einem holländischen Ehepaar 1997 bei Litzwalchen im Landkreis Traunstein, der noch immer ungeklärt ist. Der Täter ist noch immer unbekannt. 

Nach einem Mann, auf den diese Bilder zutreffen, sucht die Kripo Traunstein. So wurde der Mörder des holländischen Ehepaars zum Tatzeitpunkt beschrieben. − Foto: Polizei
Nach einem Mann, auf den diese Bilder zutreffen, sucht die Kripo Traunstein. So wurde der Mörder des holländischen Ehepaars zum Tatzeitpunkt beschrieben.
Foto: Polizei

Ich habe auch über diesen Fall schon mehrmals berichtet und aus aktuellen Anlass möchte ich auch nochmal auf den Fall aufmerksam machen. Der Mordfall wurde am Samstag, 7. Januar 2017, auf dem Fernsehsender "VOX" gesendet. Der Fall wurde aufgearbeitet und in der Dokumentation "Mörderjagd – Wie Profiler ermitteln" ausgestrahlt. Hierzu schaltete die Kripo Traunstein ein Hinweistelefon.


Die Opfer: Truus und Harry Langendonk. − Foto: Polizei
Die Opfer: Truus und Harry Langendonk.
Foto: Polizei


Anlässlich des 20. Jahrestages des grausamen und noch immer nicht aufgeklärten Verbrechens am Stadtrand von Traunstein geht die Kriminalpolizei in die Offensive. Der Fall ruhte über die Jahre nie und wurde als sogenannter "Cold Case" (kalter Fall) immer wieder weiterentwickelt. Die Ermittler stützten sich dabei zum einen auf neue Möglichkeiten der Kriminaltechnik, Forensik sowie Spurensicherung und Spurenauswertung und suchten zum anderen intensiv die Kontakte in das immer weiter zusammenwachsende europäische Ausland. Sie wurden dabei auch von den "Profilern" der operativen Fallanalyse (OFA) des Polizeipräsidiums München unterstützt.

Was war geschehen?

Auf einem Waldparkplatz an der Staatsstraße Nürnberg–Altenfurt/Feucht wurden in der Nacht zum Sonntag, 8. Juni 1997, in einem ausgebrannten Wohnmobil die Leichen der holländischen Staatsangehörigen Truus und Harry Langendonk gefunden. Das Ehepaar war Opfer eines Gewaltverbrechens geworden. Ermittlungen ergaben, dass der Tatort des Doppelmordes am nördlichen Waldrand neben der Bundesstrasse 304 bei Litzlwalchen, Gemeinde Nußdorf im Landkreis Traunstein, liegt. Die Tatzeit dürfte am Samstag, 7. Juni 1997, gegen 18 Uhr, gewesen sein. Als Tatwaffe wurde eine "Tokarev T33" ausgemacht. Erst gegen 20 Uhr fuhren der oder die Täter mit einem Wohnmobil vom Tatort weg.


In diesem Wirtshaus in Marquartstein hielt sich das Ehepaar kurz vor dem Mord noch auf. − Foto: Polizei
In diesem Wirtshaus in Marquartstein hielt sich das Ehepaar kurz vor dem Mord noch auf.
 Foto: Polizei


Am Sonntag, 8. Juni 1997, also einen Tag nach der Tat, gegen 2 Uhr nachts, nahm ein Taxifahrer unweit des ausgebrannten Wohnmobils in Nürnberg-Altenfurt einen männlichen Fahrgast auf, der am Hauptbahnhof in Nürnberg ausstieg. Von dort aus fuhr diese Person mit einem weiteren Taxi in den Landkreis Traunstein und ließ sich kurz nach 5 Uhr an der Bundesstraße 304 zwischen Aiging und Matzing in der Nähe des Tatortes absetzen. Dort verliert sich seine Spur.

Polizei und Hinterbliebene haben Summe von insgesamt 51.000 Euro zur Belohnung ausgesetzt.

Mit einer solchen Waffe vom Typ Tokarev T33 wurde das Ehepaar ermordet. − Foto: Polizei
Mit einer solchen Waffe vom Typ Tokarev T33 wurde das Ehepaar ermordet. Foto: Polizei

Die Beamten der Kriminalpolizei Traunstein, die trotz jahrelanger intensiver Anstrengungen den Täter bisher nicht identifizieren konnten, beabsichtigen begleitend zur Ausstrahlung der Fernsehdokumentation ein Hinweistelefon zu schalten. 
Unter 0861/9873-444 werden Anrufe entgegen genommen, die vor allem nachfolgende Fragen beantworten sollen:


Aus dem Verhalten des Täters lassen sich Rückschlüsse auf dessen Ortskenntnis in unmittelbarer Tatortnähe schließen. Es muss davon ausgegangen werden, dass der Täter einen Ortsbezug hat, beziehungsweise hatte. 
  • Wer, insbesondere Anwohner oder Personen aus dem regionalen Umfeld des Tatortes, Gemeinde Nußdorf im Landkreis Traunstein, kann eine Person benennen, die zur fraglichen Tatzeit auf die Täterbeschreibung oder das Phantombild passen?

Die Polizei beschreibt den Täter wie folgt:

  • Ca.180 bis 185 Zentimeter groß, damals rund 30 Jahre alt, schlanke Figur, blonde bis dunkelblonde Haare, nackenlang mit gleicher Länge auch über die Ohren reichend, sprach deutsch mit bayerischem oder österreichischem Dialekt
  • Während der Taxifahrt von Nürnberg zurück in die Nähe des Tatortes war der Unbekannte bekleidet mit dunklem, eventuell braunem Sakko, Hemd und Krawatte
  • Hat der Täter psychische Probleme seit der Tat?
  • Alle Beschreibungen zum tatverdächtigen Taxifahrgast beziehen sich auf das Jahr 1997. Der Mann sieht heute möglicherweise ganz anders aus. Auch könnte er bereits nach der Tat sein Aussehen deutlich verändert haben.
  • Derart schwere Delikte können den Täter über Jahre psychisch belasten, teilt die Polizei mit. Dies führt oft dazu, dass sich dieser gegenüber Freunden und Bekannten anvertraut oder mit der Tat prahlt. 
  • Deshalb fragt die Polizei: Wer kann sich möglicherweise an ein solches Gespräch erinnern?
  • Die letzten Tage und Stunden vor dem Gewaltverbrechen können recht genau nachvollzogen werden. Demzufolge dürften sich die Langendonks am Freitag, 6. Juni 1997, auf der Insel Herrenchiemsee aufgehalten haben. Dort wurden sie zwischen 9 Uhr und 11 Uhr am Bootsanlegesteg gesehen. Am Samstag, 7. Juni 1997, befand sich das Ehepaar zwischen 12.30 Uhr und 14 Uhr im Wirtshaus zum Schlossberg in Marquartstein, gegen 14.30 Uhr erfolgte ein Telefonat aus einer Telefonzelle in Siegsdorf, Bahnhofstraße. Anschließend fuhren sie nach Litzlwalchen und hielten sich zur Rast am Waldrand auf. Dort wurde gegen 18 Uhr ihr Leben gewaltsam beendet.

Die Polizei hat noch weitere Fragen zu den Aufenthalten der Langendonks. 
  • Wer konnte das kontaktfreudige Ehepaar am Freitag, 6. Juni, oder Samstag, 7. Juni, zusammen mit anderen Personen beobachten? 
  • Wer ist am Freitag, 6. Juni, oder Samstag, 7. Juni, möglicherweise selbst mit dem kontaktfreudigen Ehepaar ins Gespräch gekommen?

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