COLD CASE DES MONATS: Tötungsdelikt z. N. von Line Frederiksen (1978)

Der Mord an Line Frederiksen

Wer hat Line Frederiksen getötet?


Zunächst gibt es ein paar persönliche Worte von mir. Diese Worte habe ich bereits vor einiger Zeit in meinem Zweitblog veröffentlicht. In den letzten Wochen war es hier leider etwas ruhiger. Einige von euch wissen bereits, warum: Ich war auf Wohnungssuche.

Und ich glaube, ich muss gar nicht groß erklären, wie belastend und nervenaufreibend diese Zeit für mich war. Ich stand unter sehr großem Druck, da über mir das Auszugsdatum schwebte.

Wenn man nicht weiß, wie es weitergeht und ständig auf der Suche nach einer passenden Wohnung ist, beschäftigt einen das einfach jeden Tag. Der Kopf ist irgendwann so voll, dass für andere Dinge kaum noch Platz bleibt.

Umso größer ist jetzt meine Erleichterung, denn wir haben endlich, nach gut einem Jahr auf Wohnungssuche, eine neue Wohnung gefunden! Ich kann euch gar nicht sagen, wie froh ich darüber bin. Gleichzeitig bedeutete das natürlich, dass ich die neue Wohnung komplett renovieren musste und dann stand der Umzug vor der Tür. Kisten packen, aussortieren, organisieren und tausend Dinge erledigen. Ich bin mittlerweile in der neuen Wohnung angekommen und komme nun endlich wieder zur Ruhe.

Deshalb möchte ich mich bei euch entschuldigen, wenn es hier in der letzten Zeit nicht so regelmäßig neue Beiträge gab. Der Blog ist mir nach wie vor sehr wichtig. Ich habe nicht aufgehört zu recherchieren und es liegen noch viele Fälle auf meiner Liste, mit denen ich mich unbedingt beschäftigen möchte.

Aber gerade musste ich meine Prioritäten ein wenig verschieben und mich erst einmal um den Umzug und unser neues Zuhause kümmern. Ich hoffe sehr, dass ihr dafür Verständnis habt und mir ein bisschen Zeit gebt, bis alles wieder läuft. ❤️

Der Umzug ist mittlerweile geschafft und ich ,  nun wieder deutlich mehr Zeit in den Blog investieren. Dann warten wieder neue Cold Cases, ungelöste Vermisstenfälle und natürlich auch neue Beiträge aus der Reihe „John und Jane Doe des Monats“ auf euch.

Bis dahin danke ich euch von Herzen, dass ihr hier seid, meine Beiträge lest und meinem Blog die Treue haltet. ❤️

Ich möchte mich auch für die vielen netten Mails bedanken, die ich von Euch bekommen habe. Sie haben mir gezeigt, dass viele den Blog und meine Arbeit schätzen.

Hinweis:

Dieser Blog dient der journalistischen Aufarbeitung realer Vermisstenfälle, Morddelikte und verdächtiger Todesumstände. Alle Inhalte basieren auf öffentlich zugänglichen Quellen, Medienberichten und offiziellen Angaben.
Die dargestellten Theorien stellen keine Tatsachenbehauptungen dar, sondern dienen der Einordnung ungeklärter Aspekte.
Die Unschuldsvermutung gilt uneingeschränkt. Ziel dieses Blogs ist Erinnerung, Information und kritische Analyse – keine Vorverurteilung oder Sensationalismus.


Das ungeklärte Schicksal von Line Frederiksen

Manche Fälle geraten mit der Zeit in Vergessenheit. Andere bleiben – trotz vergangener Jahrzehnte – in den Akten und in den Erinnerungen zurück. Der Fall, mit dem ich mich in diesem Monat beschäftige, gehört zu diesen Fällen.

Im Oktober 1978 verschwand die 13-jährige Line Frederiksen in Dänemark. Sie war auf dem Weg zu ihrem Musikunterricht, doch dort kam sie nie an. Nur wenige Tage nach ihrem Verschwinden tauchten persönliche Gegenstände des Mädchens an einem Ort auf, der zahlreiche Fragen aufwarf. Drei Wochen später wurde Lines Leiche in einem Hafenbecken in Kopenhagen gefunden.

Der Fall Line Frederiksen ist seit 1978 ungeklärt, aber nie vergessen. Die Umstände des Todes von Line Frederiksen konnten bis heute nicht zweifelsfrei geklärt werden. Wer ist für das Verschwinden und den Tod von Line Frederiksen verantwortlich gewesen?
Foto: Ritzau Scanpix

Was genau zwischen ihrem Aufbruch und dem Fund ihrer Leiche geschah, ist bis heute nicht geklärt.

Wer begegnete Line an jenem Nachmittag? Ist sie tatsächlich in ein Fahrzeug eingestiegen? Wie gelangten ihre persönlichen Gegenstände nach Christiania? Und vor allem: Wer war für ihren Tod verantwortlich?

Trotz umfangreicher Ermittlungen, tausender Hinweise und verschiedener Spuren konnte der Fall nie abschließend aufgeklärt werden. Auch Jahrzehnte später gibt es keine gerichtliche Antwort darauf, was Line Frederiksen an ihrem letzten Tag widerfuhr.

In meiner Reihe „Cold Case des Monats“ möchte ich diesen alten dänischen Fall deshalb noch einmal genauer betrachten. Dabei geht es nicht darum, eine Theorie zur Wahrheit zu erklären oder einen möglichen Täter zu benennen. Vielmehr möchte ich die bekannten Fakten zusammentragen, die damaligen Ermittlungen betrachten, mögliche Erklärungen voneinander trennen und vor allem die Fragen in den Mittelpunkt stellen, auf die bis heute eine Antwort fehlt.

Denn hinter jedem Cold Case steht nicht nur eine ungeklärte Akte, sondern ein Mensch, dessen Geschichte nicht vergessen werden sollte.

Dies ist die Geschichte von Line Frederiksen.

Was ist über das Leben von Line Frederiksen bekannt?

Über Lines persönliches Leben sind nur sehr wenige Informationen öffentlich zugänglich. Das ist bei einem fast fünf Jahrzehnte alten Fall aber nicht ungewöhnlich. Line Frederiksen wurde 1965 in Dänemark geboren. Line war das mittlere von drei Kindern. Im Jahr 1978 lebte die 13-jährige Line Frederiksen mit ihren Eltern und den zwei Geschwistern in Lyngby. Dort bewohnte die Familie Frederiksen eine Wohnung in der Fortunvænget im Stadtteil Ved Fortunen. [Anm. Kongens Lyngby oder auch nur Lyngby ist Hauptort in der Lyngby-Taarbæk Kommune im Norden von Kopenhagen. Der Ort mit seinen 11.232 Einwohnern ist besonders wegen seines Fußballclubs Lyngby BK bekannt sowie unter Seeleuten als Standort von Lyngby Radio, der einzigen dänischen Küstenfunkstelle. Lyngby ist Sitz von Dänemarks Technischer Universität (Danmarks Tekniske Universitet).] Lines Vater arbeitete als Berufsmusiker [Bratschist] im Radioens Symfoniorkester. Lines Mutter war Hausfrau und kümmerte sich um den Haushalt und die Kinder. Lines Eltern haben sich am Musikkonservatorium kennengelernt und lieben gelernt. 

Die Familie Frederiksen lebte 1978 in Lyngby. Kongens Lyngby oder auch nur Lyngby ist Hauptort in der Lyngby-Taarbæk Kommune im Norden von Kopenhagen. Der Ort hat heute 11.232 Einwohner.
Foto: Google Maps 

Die Familie Frederiksen lebte in der Fortunvænget in Lyngby im Stadtteil Ved Fortunen. 
Foto: Google Maps 


Das ist die Fortunvænget im Lyngbya Stadtteil Ved Fortunen im Jahr 1978. Hier lebte Line Frederiksen mit ihrer Familie in einem Mietshaus.
Foto: Google 

Musik war für die Familie Frederiksen sehr wichtig 

Die Familie Frederiksen war eine sehr musikalische Familie. Die Eltern spielten zum Teil mehrere Instrumente. Der ältere Bruder von Line spielte ebenfalls wie sein Vater Bratsche und Violine. Er wurde später als sehr guter Musiker bezeichnet. Line spielte ebenfalls ein Instrument. Sie nahm seit etwa sechs Jahren Musikunterricht und spielte Blockflöte. Der Musikunterricht fand an der Trongårdsskolen statt.

Line Frederiksen besuchte 1978 die Privatskolen P75 an der Lundtoftevej in Lyngby und war Schülerin der 6. Klasse. [Anm. Seit 1983 befindet sich die Privatskolen P75 an der Gammel Bagsværdvej 37 in Lyngby.]
Zuvor war Line bis einschließlich der 5. Klasse an der Trongårdsskolen in Lyngby gewesen. Danach wechselte sie auf die Privatschule, weil sie laut meiner Recherche dort gemobbt worden war; außerdem wiederholte sie eine Klasse.

Das Verschwinden

Der 5. Oktober 1978 verlief zunächst ohne besondere Vorkommnisse. Line Frederiksen besuchte zunächst den regulären Unterricht in der Privatskolen P75 in Lyngby. Nach dem Unterricht ging Line nach Hause. Line verließ am Nachmittag gegen 16.15 Uhr ihr Elternhaus und machte sich zu Fuß auf den einen Kilometer langen Weg zur Trongårdskolen, wo ihr Musikunterricht eigentlich stattfinden sollte. An diesem Tag war der Musikunterricht jedoch kurzfristig ausgefallen, weil die Lehrerin erkrankt war. Line wusste davon offenbar nichts, deshalb ging sie trotzdem von zu Hause los. Nach den später veröffentlichten Angaben war das Wetter an diesem Tag schlecht. Es war dunkel, regnerisch und neblig.

Lines kurzer Fußweg von ihrem Zuhause in der Fortunvænget zur Trongårdskolen in Lyngby. Irgendwo auf diesem Weg ist Line Frederiksen verschwunden. 
Foto: Google Maps 

Bei der Polizei als vermisst gemeldet

Am Abend kehrte Line nicht nach Hause zurück. Die Eltern waren sofort in großer Sorge, da Line als sehr zuverlässig galt. Die Eltern fuhren den Weg zur Trongårdskolen ab, doch sie konnten Line nicht finden. Anschließend meldeten die Eltern ihre Tochter bei der Polizei als vermisst. Die Polizei nahm das Verschwinden von Line Frederiksen sehr ernst und leitete noch am selben Abend erste polizeiliche Maßnahmen ein.

Die ersten polizeilichen Suchmaßnahmen

Die Polizei begann noch am Abend mit der Suche nach Line Frederiksen. Die Suchmaßnahmen wurden auch in der Nacht fortgesetzt, doch von Line fehlte weiterhin jede Spur. Das sollte sich aber bald ändern, denn am folgenden Tag wurden persönliche Gegenstände von Line Frederiksen entdeckt. Ihre Blockflöte, ihre Notenblätter und ihre Kleidungsstücke wurden im Treppenhaus eines Gebäudes in der Fredens Ark auf Christiania in Kopenhagen gefunden. In einem Mülleimer vor dem Gebäude wurden der Slip des Mädchens und eine Socke entdeckt. 

Die persönlichen Gegenstände von Line Frederiksen wurden im Treppenhaus eines Gebäudes in der Fredens Ark auf Christiania in Kopenhagen gefunden. Im Mülleimer vor dem Haus wurde der Slip des Mädchens und eine Socke gefunden. Die Fahrt von Lyngby nach Christiania in Kopenhagen dauert mit einem Fahrzeug gut 35 Minuten. 
Foto: Google Maps 

Hier in der Fredens Ark im Kopenhagener Wohngebiet Christiania wurden die persönlichen Gegenstände von Line Frederiksen entdeckt. 
Foto: Google Maps 

Die dänische Polizei bei den Suchmaßnahmen im Bereich Fredens Ark im Kopenhagener Wohngebiet Christiania. Im Mülleimer vor einem Gebäude wurden der Slip des Mädchens und eine Socke gefunden. 
Foto: Ritzau Scanpix

Dieser beunruhigende Fund warf sofort zahlreiche Fragen auf. Warum befanden sich die persönlichen Gegenstände von Line Frederiksen ausgerechnet auf Christiania – und wie waren sie dorthin gelangt? War Line selbst dort gewesen? Hatte jemand ihre Sachen bewusst dort abgelegt? Oder sollte dadurch eine falsche Spur gelegt werden?
Die Ermittler konnten diese Fragen letztlich nicht beantworten.

Die Entdeckung 

Nach dem Fund der persönlichen Gegenstände von Line wurden die Suchmaßnahmen nochmals erheblich ausgeweitet, doch Line Frederiksen blieb zunächst verschwunden. Am 27. Oktober 1978 wurde dann eine schreckliche Entdeckung gemacht. Die Leiche von Line Frederiksen wurde in einem Hafenbecken bei Lynetten auf der Refshaleøen in Kopenhagen gefunden. Der Leichnam war unbekleidet und trieb im Wasser. Die Leiche wurde geborgen und anschließend für weitere forensische Untersuchungen zum zuständigen Rechtsmedizinischen Institut transportiert. 

Die Leiche von Line Frederiksen wurde am 27. Oktober 1978 im Hafenbecken bei Lynetten auf der Refshaleøen in Kopenhagen entdeckt. 
Foto: Google Maps 


Die rechtsmedizinische Untersuchung

Nachdem Line Frederiksen am 27. Oktober 1978 im Hafenbecken bei Lynetten auf Refshaleøen gefunden worden war, wurde ihr Leichnam rechtsmedizinisch untersucht. Bei der Untersuchung konnte jedoch nicht festgestellt werden, woran und wie Line Frederiksen gestorben ist. Nach den heute zugänglichen dänischen Quellen ließ sich die genaue Todesursache nicht zweifelsfrei feststellen. Der Rechtsmediziner konnte keine eindeutige Todesursache benennen; zugleich werden keine eindeutigen äußeren Anzeichen von Gewalt beschrieben. [Anm. Es gibt Quellen, die vermuten, dass die Todesursache Erstickung sein könnte. Dies wurde jedoch nie bewiesen und ist nur eine Vermutung.] Ebenso lässt sich aus dem Fund ihrer Leiche im Wasser nicht automatisch darauf schließen, dass sie dort ertrunken ist. Der Fundort muss daher von der eigentlichen Todesursache und vom möglichen Tatort getrennt betrachtet werden.
Trotzdem wurde der Tod von Line Frederiksen aufgrund der Auffindesituation und der Gesamtumstände als Tötungsdelikt eingestuft.
Auch dass Lines Tod bis heute ungeklärt ist, bedeutet nicht automatisch, dass eine bestimmte Todesursache nachgewiesen wäre. Das ist bis heute ungeklärt. 

Der Leichenfundort 

Der Leichnam der 13-jährigen Line Frederiksen wurde im Bereich von Lynetten auf der Refshaleøen in Kopenhagen entdeckt. Nach den vorliegenden dänischen Quellen befand sich der Körper in einem Hafenbecken und wurde im Wasser treibend aufgefunden.
Der Fundort lag damit mehrere Kilometer von dem Ort entfernt, an dem Line zuletzt in Lyngby gesehen worden war. Die Refshaleøen ist eine künstlich entstandene Insel im Kopenhagener Hafen. Das Gebiet war bereits seit dem 19. Jahrhundert stark durch industrielle und maritime Nutzung geprägt; insbesondere das große Werftgelände von Burmeister & Wain befand sich hier. Im nördlichen Bereich liegt das historische Lynettefortet, während sich südlich davon die Lynettehavnen befindet.

Die Ermittler bei der Bergung der Leiche im Hafenbecken von Refshaleøen in Lynetten [in  Kopenhagen].
Foto: Ritzau Scanpix

Die Leiche von Line Frederiksen wurde im 
Hafenbecken bei Lynetten auf der Refshaleøen in Kopenhagen entdeckt. 
Foto: Google Maps 

Das Umfeld unterschied sich damit deutlich von Lines vertrauter Wohn- und Schulumgebung in Lyngby: Statt Wohnstraßen und Schulwegen prägten Hafenanlagen, Wasserflächen, industrielle Bereiche und maritime Infrastruktur das Gebiet.
Nach der heutigen Fallzusammenfassung wurde Line nackt im Hafenbecken aufgefunden. Die öffentlich zugänglichen Quellen geben jedoch keine ausreichend detaillierte Beschreibung darüber, an welcher exakten Stelle des Hafenbeckens, in welcher Entfernung zum Ufer oder unter welchen konkreten Umständen ihr Körper entdeckt wurde. Auch lässt sich daraus nicht ableiten, dass Line an diesem Ort getötet wurde.

Gerade dieser Punkt ist für die Rekonstruktion des Falles entscheidend. Der Fundort des Leichnams muss nicht zwangsläufig der Tatort gewesen sein. Ebenso ist die Tatsache, dass Line im Wasser gefunden wurde, kein Beweis dafür, dass sie dort ertrunken ist. Die Todesursache konnte nach den heute zugänglichen Quellen nicht eindeutig festgestellt werden.

Der Fundort wirft deshalb bis heute mehrere Fragen auf: Wer brachte Line nach Kopenhagen? Wann gelangte ihr Körper ins Wasser? Und wurde sie bereits an einem anderen Ort getötet? Eine eindeutige Antwort darauf liefern die öffentlich zugänglichen Unterlagen bislang nicht.

Die Ermittlungen nach dem Leichenfund

Am 27. Oktober 1978 wurde die Leiche von Line Frederiksen in einem Hafenbecken bei Lynetten auf der Refshaleøen in Kopenhagen gefunden. Damit erhielt die Suche nach der seit drei Wochen vermissten 13-jährigen Line Frederiksen eine neue Richtung. Nun konzentrierten sich die Ermittler darauf, ihren Tod und den Weg von ihrem letzten bekannten Aufenthaltsort in Lyngby bis nach Kopenhagen zu rekonstruieren.

Für die Ermittler war es wichtig zu klären, wie Line Frederiksen gestorben ist. Hier stießen die Ermittler allerdings auf ein erhebliches Problem, denn die rechtsmedizinische Untersuchung konnte die genaue Todesursache nicht eindeutig feststellen. Nach Darstellung von verschiedenen dänischen Medien wurden keine eindeutigen Zeichen von Gewalt festgestellt. Andere dänische Darstellungen nennen eine mögliche Erstickung beziehungsweise ein Ersticken als wahrscheinliche Todesursache, betonen aber ebenfalls, dass die Todesursache nicht vollständig geklärt wurde. Ein eindeutiger Nachweis ist in den öffentlich zugänglichen Quellen jedoch nicht dokumentiert.

Für die Ermittlungen bedeutete diese Unsicherheit einen erheblichen Nachteil. Es ließ sich einfach nicht zweifelsfrei beantworten, woran Line Frederiksen starb, wann genau sie starb, wo sie starb, und ob sie bereits tot war, als ihr Körper ins Wasser gelangte. Damit fehlte den Ermittlern eine wichtige Grundlage für die Rekonstruktion des Verbrechens.

Auch der Fundort warf Fragen auf. Lines Leichnam wurde in Lynetten gefunden, während ihre Kleidung, Blockflöte und Noten bereits zuvor in Christiania entdeckt worden waren. Die Ermittler mussten deshalb klären, ob Christiania tatsächlich etwas mit Lines letztem Aufenthalt zu tun hatte oder ob die Gegenstände dort möglicherweise bewusst abgelegt worden waren. Damit stellte sich unmittelbar die Frage, wie Line Frederiksen nach Kopenhagen gelangt war und wer ihren Körper dorthin gebracht hatte. Der Fundort musste dabei nicht zwangsläufig der Tatort sein. Auch konnte nie geklärt werden, was genau die drei Orte Lyngby – Christiania – Lynetten miteinander verband.

Polizei ging 3.000 Hinweisen nach

Die dänische Polizei verfolgte zahlreiche weitere Hinweise. Insgesamt gingen rund 3.000 Meldungen und Hinweise ein und zusätzlich wurde eine hohe Belohnung ausgelobt. Trotzdem gelang es nicht, aus der Vielzahl der Informationen einen belastbaren Beweis gegen einen Täter zu gewinnen.
Die große Zahl der Hinweise zeigt, wie viel Aufmerksamkeit der Fall damals erhielt.
Doch Masse bedeutete nicht automatisch Qualität.
Viele Hinweise mussten überprüft, eingeordnet und miteinander verglichen werden. Am Ende blieb die entscheidende Verbindung zwischen Lines letztem bekannten Weg, den Gegenständen auf Christiania und dem Leichenfund in Lynetten aus. 

Die Theorien 

Bis heute ist nicht geklärt, was tatsächlich nach dem letzten bestätigten Kontakt mit Line Frederiksen passiert ist? Diese Frage steht bis heute im Mittelpunkt des Falls. Sicher ist nur: Die 13-jährige Line Frederiksen kam nie bei ihrem Ziel an, ihre persönlichen Gegenstände wurden später in Christiania gefunden und drei Wochen nach ihrem Verschwinden wurde ihre Leiche im Hafenbecken bei Lynetten entdeckt. Die Ermittlungen führten jedoch zu keiner eindeutigen Rekonstruktion der Ereignisse. Im Laufe der Jahrzehnte entstanden deshalb unterschiedliche Theorien darüber, was zwischen ihrem letzten bekannten Aufenthalt in Lyngby und dem späteren Fund ihrer Leiche geschehen sein könnte. Auf diese Theorien möchte ich nun näher eingehen. 

1. Theorie "Line Frederiksen wurde von einem unbekannten Autofahrer angesprochen und mitgenommen"

Wurde Line Frederiksen von einem unbekannten Autofahrer angesprochen und mitgenommen?

Diese Theorie besagt, dass Line von einem unbekannten Autofahrer angesprochen und mitgenommen wurde.

Die Ermittler halten es für möglich, dass Line auf ihrem Weg zum Musikunterricht von einem Autofahrer angesprochen und mitgenommen wurde. Diese Möglichkeit spielt insbesondere in der späteren Recherche des Journalisten Peer Kaae eine wichtige Rolle. Die Theorie würde erklären, warum Line innerhalb eines kurzen Zeitraums aus ihrem vertrauten Umfeld verschwand. Allerdings ist weder die Identität eines solchen Fahrers noch der konkrete Ablauf bewiesen.

Eine spätere Rekonstruktion des Journalisten und Autors Peer Kaae geht davon aus, dass Line möglicherweise auf ihrem Schulweg von einem Autofahrer aufgenommen wurde. Kaae verbindet diese Annahme mit dem Weg, den Line nach ihrer Begegnung mit ihrer Freundin Bolette einschlug.
Wichtig ist allerdings: Das ist eine spätere journalistische Rekonstruktion und kein offiziell nachgewiesener Ablauf. Die heutige Darstellung des Verlags bezeichnet den Autofahrer als mögliche beziehungsweise mutmaßliche Person, nicht als identifizierten Täter.

2. Theorie "Line kannte den späteren Täter"

Kannte Line Frederiksen den späteren Täter?

Bei dieser Theorie geht man davon aus, dass Line und der spätere Täter sich kannten. 

Die dänische Kriminalpolizei soll damals auch die Möglichkeit in Betracht gezogen haben, dass Line den späteren Täter kannte. Es könnte somit eine Vorbeziehung zwischen Opfer und Täter gegeben haben. Mit so einem Kontakt könnte man erklären, warum Line so einer Person freiwillig gefolgt oder in ein Fahrzeug eingestiegen ist. Es gibt jedoch keine Beweise dafür, dass Line tatsächlich freiwillig mit einem Bekannten mitgegangen bzw. mitgefahren ist. 

3. Theorie "Die Christiania-Spur"

Wurde Line Frederiksen selbst nach Christiania oder nur ihre Kleidung dorthin gebracht?

Der Fund von Lines Sachen auf Christiania gehört zu den auffälligsten Aspekten des Falles. Bis heute ist nicht abschließend geklärt, ob dieser Fund unmittelbar mit dem Täter zusammenhängt.

Eine Möglichkeit war, dass jemand die Gegenstände bewusst dort deponierte. Die Ermittler erwogen sogar die Möglichkeit einer bewusst gelegten falschen Spur, um vom Täter abzulenken. Diese Annahme konnte allerdings nicht bestätigt werden. Gerade deshalb gehört Christiania zu den wichtigsten, aber zugleich schwierigsten Spuren des Falles.

4. Theorie "Zufallstat durch einen Fremden"

Ist Line Frederiksen zufällig Opfer eines Fremden geworden?

Bei dieser Theorie geht man davon aus, dass Line  Opfer einer Zufallstat durch einen Fremden geworden sein könnte, zu dem sie keinerlei 
persönliche Verbindung hatte. 

In diesem Szenario wäre sie zufällig angesprochen, in ein Fahrzeug gelockt oder gegen ihren Willen mitgenommen worden.
Diese Theorie würde erklären, weshalb sich aus ihrem persönlichen Umfeld kein Täter ermitteln ließ. Einen konkreten Hinweis auf einen solchen Fremdtäter gibt es jedoch nicht.

5. Theorie "Der 38-jährige Tatverdächtige"

Hat ein damals 38-jähriger Mann etwas mit dem Verschwinden und dem Tod von Line Frederiksen zu tun?

Im Verlauf der ursprünglichen Ermittlungen wurde ein damals 38-jähriger Mann festgenommen und wegen des Verdachts des Mordes an Line Frederiksen beschuldigt. Die Beweislage reichte jedoch nicht aus, um ihn zweifelsfrei mit dem Verschwinden und Tod von Line Frederiksen in Verbindung zu bringen. Er wurde aus der Untersuchungshaft entlassen und später von allen Vorwürfen freigesprochen. 
Der Mann sollte deshalb nicht als Täter bezeichnet werden.

6. Theorie "Der gelbe Citroën"

Hat ein gelber Citroën etwas mit dem Verschwinden von Line Frederiksen zu tun?

Diese Theorie besagt, dass ein gelber Citroën etwas mit dem Verschwinden von Line zu tun haben könnte. 

Zeitweise konzentrierten sich die Ermittlungen auch auf einen gelben Citroën. Das Fahrzeug schien zunächst möglicherweise mit dem Verschwinden in Verbindung zu stehen. Später erwies sich die Spur jedoch als falsch. Damit blieb auch diese mögliche Verbindung zwischen Line und einem Fahrzeug ohne Ergebnis.

Fazit:

Die verschiedenen Theorien rund um das Verschwinden und den Tod von Line Frederiksen zeigen vor allem eines: Auch nach Jahrzehnten fehlt der entscheidende Beweis, der den Ablauf des 5. Oktober 1978 eindeutig rekonstruieren könnte.
Einige Ansätze erscheinen plausibler als andere. Besonders die Möglichkeit, dass Line nach ihrem letzten gesicherten Kontakt von einer unbekannten Person angesprochen oder mitgenommen wurde, lässt sich mit dem weiteren Verlauf des Falles vereinbaren. Dafür spricht zumindest der ungewöhnliche Ablauf: Line verschwand auf einem kurzen Weg, ihre persönlichen Gegenstände tauchten später an einem anderen Ort auf und ihr Leichnam wurde drei Wochen später in einem Kopenhagener Hafenbecken gefunden.
Ob dahinter tatsächlich ein unbekannter Autofahrer, ein Bekannter oder eine völlig andere Person stand, bleibt offen. Bewiesen ist dies jedoch alles nicht. 

Auch die Frage, ob Line ihren späteren Täter möglicherweise kannte, konnte nie geklärt werden.
Die auf Christiania gefundenen persönlichen Gegenstände stellen dabei einen wichtigen, aber keineswegs eindeutigen Bestandteil des Falles dar. Sie könnten mit Lines tatsächlichen Weg zusammenhängen – ebenso wenig lässt sich ausschließen, dass sie bewusst dort abgelegt wurden, um eine falsche Spur zu schaffen.

Auch der damals festgenommene 38-jährige Mann konnte nicht als Täter überführt werden. Seine Verhaftung und spätere Freilassung beziehungsweise sein Freispruch zeigen vielmehr, wie schwierig es bereits damals war, aus den vorhandenen Hinweisen einen belastbaren Tatverdacht zu entwickeln. Gleiches gilt für die Spur zum gelben Citroën, die sich als falsche Fährte erwies.

Letztlich bleibt deshalb keine Theorie, die sich als gesicherte Erklärung des Geschehens darstellen lässt. Der Fall von Line Frederiksen ist bis heute von entscheidenden Lücken geprägt: Was geschah zwischen ihrem letzten bekannten Kontakt in Lyngby und dem späteren Fund ihrer persönlichen Gegenstände? Wer brachte diese Gegenstände nach Christiania? Und wie gelangte Line schließlich nach Lynetten?

Gerade diese ungeklärten Übergänge sind der Schlüssel zum Fall. Solange sie nicht durch neue Zeugenaussagen, forensische Erkenntnisse oder andere belastbare Beweise geschlossen werden können, bleibt der Tod von Line Frederiksen ein ungelöster Cold Case.

Beschreibung von Line Frederiksen 
  • Line Frederiksen wurde 1965 in Dänemark geboren.
  • Sie verschwand am 5. Oktober 1978 auf dem Weg zum Musikunterricht in der Trongårdskolen in Lyngby. Line spielte seit mehreren Jahren Blockflöte. Der Musikunterricht fand an diesem Tag nicht statt, da die Lehrerin erkrankt war. Line Frederiksen wusste jedoch nicht davon, dass der Unterricht an dem Tag ausfiel. 
  • Line Frederiksen lebte bis zu ihrem Verschwinden mit ihrer Familie in einer Wohnung in der Fortunvænget in Lyngby im Stadtteil Ved Fortunen.
  • Zum Zeitpunkt ihres Verschwindens war Line 13 Jahre alt und Schülerin der Privatskolen P75 in Lyngby. 
  • Line Frederiksen war zum Zeitpunkt ihres Verschwindens etwa 1,51 m groß und wog rund 35 Kilogramm. 
  • Sie hatte helles Haar und Sommersprossen.
  • Ihre Kleidung, Blockflöte und ihre Notenblätter wurden später im Treppenhaus eines Gebäudes in der Fredens Ark in Christiania entdeckt. In einem Mülleimer vor dem Gebäude wurde der Slip des Mädchens und eine Socke gefunden. 
  • Zu ihrer Kleidung am Tag des Verschwindens sind in den hier verfügbaren Quellen keine ausreichend eindeutigen Angaben bestätigt. Bekannt ist, dass ihre Kleidungsstücke später im Bereich von Christiania gefunden wurden. Welche Kleidung sie genau trug und wer die Gegenstände dort abgelegt hatte, gehört zu den ungeklärten Aspekten des Falls.
Wer ist für den Tod von Line Frederiksen verantwortlich?
Foto: Ritzau Scanpix

Warum gestalteten sich die Ermittlungen in diesem Fall so schwierig?

Mehrere Faktoren erschwerten Ermittlungen, sodass sich auch die Aufklärung erheblich erschwerte.

1. Todesursache

Es gab keine eindeutige Todesursache.

2. Fundort der persönlichen Gegenstände 

Lines persönliche Gegenstände waren an einem anderen Ort gefunden worden als ihr Leichnam.

3. Letzter genauer Aufenthaltsort von Line

Der genaue Aufenthaltsort von Line zwischen ihrem letzten gesicherten Sichtkontakt und ihrem Tod konnte nicht rekonstruiert werden.

4.  Kein Täter

Es gab keinen Täter, gegen den sich die Beweise dauerhaft verdichteten.

5. Der Citroën 

Eine mögliche Fahrzeugspur [gelber Citroën] erwies sich als falsch.

6. Fehlende entscheidende Zeugenaussage

Und schließlich fehlte eine entscheidende Zeugenaussage, die den letzten Weg von Line eindeutig erklären konnte.

Ermittlungen wurden im August 1979 eingestellt 

Trotz der umfangreichen Ermittlungen, der zahlreichen Hinweise und der ausgelobten Belohnung konnte der Fall nicht aufgeklärt werden.
Im August 1979, weniger als ein Jahr nach Lines Verschwinden, wurden die Ermittlungen schließlich eingestellt beziehungsweise zu den ungelösten Fällen gelegt. Damit endete die aktive Ermittlungsphase mit vielen unbeantworteten Fragen. 

Die offenen Fragen des Falls

Obwohl die Ermittler nach dem Verschwinden der 13-jährigen Line Frederiksen zahlreiche Hinweise verfolgten, blieb der Fall ungeklärt. Bis heute fehlen entscheidende Antworten auf die Frage, was am 5. Oktober 1978 genau geschah und wie Line schließlich im Hafenbecken bei Lynetten gefunden wurde. Besonders die persönlichen Gegenstände, die auf Christiania entdeckt wurden, werfen weiterhin Fragen auf.

Die wichtigsten offenen Fragen im Überblick:

1. Was geschah nach Lines letztem bekannten Kontakt in Lyngby?

Line war auf dem Weg zu ihrem Musikunterricht, der wegen der Erkrankung ihrer Lehrerin ausfiel. Welchen Weg nahm sie anschließend, und wem begegnete sie in den Stunden danach?

2. Wie gelangte Line von Lyngby nach Kopenhagen?

Wurde sie von jemandem mitgenommen, stieg sie in ein öffentliches Verkehrsmittel oder gelangte sie auf einem anderen Weg in die Hauptstadt? Eine gesicherte Rekonstruktion ihrer Route fehlt.

3. Wer brachte ihre persönlichen Gegenstände nach Christiania?

Lines Kleidung, Blockflöte und Noten wurden im Bereich von Fredens Ark gefunden. Bis heute ist nicht geklärt, wer sie dort ablegte und weshalb. Waren die Gegenstände tatsächlich mit dem Tatgeschehen verbunden, oder sollte möglicherweise eine falsche Spur gelegt werden?

4. Wo wurde Line tatsächlich getötet?

Ihr Leichnam wurde am 27. Oktober 1978 in einem Hafenbecken bei Lynetten auf Refshaleøen gefunden. Daraus ergibt sich jedoch nicht automatisch, dass sie auch dort getötet wurde. Der eigentliche Tatort konnte anhand der öffentlich zugänglichen Informationen nicht eindeutig bestimmt werden.

5. Wie starb Line Frederiksen?

Die genaue Todesursache konnte nicht abschließend geklärt werden. In einer Falldarstellung wird Erstickung als wahrscheinliche Ursache genannt. Eine zweifelsfreie Rekonstruktion der letzten Minuten ihres Lebens ist daraus jedoch nicht möglich.

6. Kannte Line ihren späteren Täter?

Die Polizei zog offenbar auch die Möglichkeit in Betracht, dass Line die Person kannte, die für ihren Tod verantwortlich war. Belegt wurde dies nicht. Offen bleibt daher, ob sie einem Fremden begegnete oder ob zwischen ihr und dem Täter bereits eine Verbindung [Vorbeziehung] bestand.

7. Welche Bedeutung hatte die Spur zu dem gelben Citroën?

Das Fahrzeug wurde im Zuge der Ermittlungen untersucht, erwies sich jedoch als falsche Spur. Welche Erkenntnisse daraus gewonnen wurden und ob sich daraus weitere Ermittlungsansätze ergeben haben, lässt sich aus den verfügbaren Informationen nicht abschließend beurteilen.

8. Gab es weitere Zeugen, die damals nicht erkannt wurden oder sich nicht meldeten?

Hat jemand Line am Nachmittag oder Abend des 5. Oktober gesehen, eine verdächtige Begegnung beobachtet oder später von Umständen erfahren, die mit dem Fall zusammenhängen könnten? Gerade Erinnerungen, die damals unwichtig erschienen, könnten heute eine neue Bedeutung erhalten.

9. Könnten moderne forensische Methoden neue Erkenntnisse ermöglichen?

Eine weitere offene Frage ist, ob noch gesicherte Beweismittel oder Aktenmaterial vorhanden sind, die mit heutigen Untersuchungsmethoden erneut ausgewertet werden könnten. Ob entsprechende Spuren existieren und sich noch untersuchen lassen, ist anhand der öffentlich zugänglichen Informationen nicht zu bestätigen.

10. Was geschah mit den damaligen Ermittlungsakten und Hinweisen?

Welche Spuren wurden vollständig überprüft, welche Verdachtsmomente konnten ausgeschlossen werden und welche Fragen blieben offen? Eine erneute systematische Bewertung der damaligen Ermittlungen könnte helfen, zwischen tatsächlich widerlegten Ansätzen und bis heute ungeklärten Punkten zu unterscheiden.

Eine letzte Hoffnung auf Antworten

Der Fall Line Frederiksen besteht nicht nur aus einer Reihe möglicher Theorien. Er besteht vor allem aus einer Abfolge ungeklärter Ereignisse: ein Mädchen, das nicht nach Hause zurückkehrte, persönliche Gegenstände, die an einem anderen Ort auftauchten, und ein Leichnam, der erst drei Wochen später gefunden wurde.

Vielleicht gibt es noch Menschen, die sich an diesen Herbsttag im Jahr 1978 erinnern. Vielleicht existieren Informationen, deren Bedeutung damals nicht erkannt wurde. Und vielleicht lässt sich eines Tages doch noch eine Verbindung zwischen den letzten Stunden von Line und dem Ort herstellen, an dem sie gefunden wurde.

Die entscheidende Frage bleibt: 

Wer weiß, was Line Frederiksen an diesem Tag wirklich widerfahren ist – und hat dieses Wissen bislang für sich behalten?

Die Nachwirkungen 

Der Mord an der erst 13-jährigen Line Frederiksen hinterließ einen Fall, der trotz intensiver Ermittlungen ungelöst blieb. Nachdem Line am 5. Oktober 1978 verschwunden war und ihr Leichnam drei Wochen später im Hafenbecken bei Lynetten gefunden wurde, konzentrierten sich die Ermittlungen darauf, die letzten Stunden ihres Lebens zu rekonstruieren und die verantwortliche Person zu finden.

Die Polizei verfolgte zahlreiche Hinweise. Es gingen rund 3.000 Meldungen ein, zudem wurde eine hohe Belohnung ausgesetzt. Ein 38-jähriger Mann geriet unter Verdacht und wurde festgenommen, später jedoch freigesprochen und freigelassen. Auch andere Spuren führten nicht zur Aufklärung. Im August 1979 wurde der Fall schließlich zu den Akten gelegt. Der Täter blieb unbekannt.
Ein Verlust ohne abschließende Antworten

Für Lines Familie muss der Verlust besonders schwer gewesen sein. Nicht nur starb ein Kind, das noch sein ganzes Leben vor sich hatte – auch die Umstände ihres Todes konnten nicht abschließend geklärt werden. Wie die Angehörigen über die Jahre mit diesem Schicksal umgingen, lässt sich anhand der öffentlich verfügbaren Quellen allerdings nicht verlässlich beschreiben.

Die fehlende Gewissheit ist ein zentraler Aspekt dieses Falls. Obwohl Line gefunden wurde, blieben wesentliche Fragen offen: Was geschah nach ihrem letzten bekannten Kontakt? Wer brachte ihre persönlichen Gegenstände nach Christiania? Und wer war für ihren Tod verantwortlich?
 
Neue Aufmerksamkeit Jahrzehnte später

Auch viele Jahre nach der Tat verschwand der Fall nicht vollständig aus der Öffentlichkeit. Im Jahr 2024 veröffentlichte der dänische Kriminalautor Peer Kaae das Buch Jagten på Line Frederiksens morder, in dem er den Fall erneut untersucht und mögliche neue Spuren verfolgt. Kaae war selbst in derselben Gegend aufgewachsen und beschäftigte sich aus persönlichem Interesse mit dem Schicksal des Mädchens. Seine Recherchen brachten dem ungeklärten Fall neue Aufmerksamkeit, stellen jedoch keine offizielle Aufklärung dar.

Der Fall Line Frederiksen wird weiterhin als ungeklärt geführt. Die erneute Beschäftigung mit dem Verbrechen zeigt, dass auch Jahrzehnte alte Ermittlungsfälle wieder in den Blick geraten können. Ob die späteren Recherchen oder mögliche neue Hinweise eines Tages zu einer belastbaren Antwort führen werden, bleibt offen.

Für Line Frederiksen selbst gibt es keine Möglichkeit, ihre letzten Stunden zu schildern. Zurück bleiben die wenigen gesicherten Fakten, zahlreiche offene Fragen und die Hoffnung, dass sich irgendwann doch noch jemand meldet, der entscheidende Informationen besitzt.

Denn auch nach fast fünf Jahrzehnten bleibt die wichtigste Frage unbeantwortet: Wer war für den Tod der 13-jährigen Line Frederiksen verantwortlich?

Aktuelle Einstufung des Falls 

Der Fall Line Frederiksen wird weiterhin als ungeklärter Mordfall [Cold Case] geführt. Obwohl die genaue Todesursache nicht zweifelsfrei festgestellt werden konnte, wurde der Fall aufgrund der Auffindesituation und der Gesamtumstände als Tötungsdelikt eingestuft. 

Wie bereits erwähnt, haben die damaligen Ermittlungen trotz zahlreicher Hinweise und der Festnahme eines Verdächtigen zu keiner Verurteilung geführt. Der Mann wurde später freigelassen und freigesprochen. Auch die Spur zu einem gelben Citroën erwies sich als falsch. Wer für Lines Tod verantwortlich war, konnte nicht festgestellt werden. Die genaue Todesursache gilt in den verfügbaren Falldarstellungen ebenfalls nicht als abschließend geklärt.

Nach den derzeit verfügbaren Informationen gilt der Fall weiterhin als ungeklärt. Ob noch auswertbare Beweismittel vorhanden sind oder neue Hinweise zu weiteren Ermittlungen führen könnten, ist öffentlich nicht eindeutig dokumentiert.

Für Line Frederiksen und ihre Angehörigen fehlt damit bis heute die entscheidende Antwort: Wer war für ihren Tod verantwortlich – und was geschah in den Stunden zwischen ihrem letzten bekannten Aufenthalt in Lyngby und dem späteren Fund ihrer Leiche?

Fragen an mögliche Zeugen

Auch wenn seit dem Verschwinden von Line Frederiksen fast fünf Jahrzehnte vergangen sind, können Erinnerungen, alte Aufzeichnungen oder bislang nicht eingeordnete Beobachtungen möglicherweise noch von Bedeutung sein. Gerade bei einem lange ungelösten Fall können Einzelheiten wichtig werden, die damals unauffällig erschienen. Jeder Hinweis wird von den Beamten sorgfältig geprüft. Entscheidend sind nicht Vermutungen oder Gerüchte, sondern überprüfbare Informationen, die helfen könnten, die letzten Stunden von Line Frederiksen zu rekonstruieren.

Vielleicht gibt es Personen, die sich an diesen Herbsttag im Jahr 1978 erinnern, aber nie vermutet haben, dass ihre Beobachtungen Jahrzehnte später noch wichtig sein könnten. Vielleicht wurden Informationen aus Unsicherheit, Angst oder weil sie zunächst bedeutungslos erschienen, nie an die Polizei weitergegeben.

Die folgenden Fragen richten sich an Menschen, die sich im Oktober 1978 in Lyngby, Kopenhagen oder im Umfeld von Christiania und Lynetten aufgehalten haben:
  1. Wer hat Line Frederiksen am Nachmittag des 5. Oktober 1978 in Lyngby gesehen – insbesondere in der Nähe der Trongårdsskolen, an der Bushaltestelle oder auf ihrem mutmaßlichen Weg?
  2. Wer hat beobachtet, dass Line mit einer unbekannten oder ihr möglicherweise bekannten Person gesprochen hat?
  3. Wem ist ein Fahrzeug aufgefallen, das sich ungewöhnlich verhielt oder in der Nähe von Line anhielt?
  4. Wer hat an diesem Tag ein Mädchen gesehen, auf das die Beschreibung von Line zutraf, möglicherweise auch außerhalb von Lyngby?
  5. Wer hat am 5. oder 6. Oktober 1978 im Bereich von Fredens Ark in Christiania Kleidungsstücke, eine Blockflöte oder Noten gesehen?
  6. Wer kann sich erinnern, wer diese Gegenstände dort abgelegt oder mitgebracht haben könnte?
  7. Wer hat damals mit jemandem über den Fund der persönlichen Gegenstände gesprochen oder Beobachtungen gemacht, die man zu diesem Zeitpunkt nicht mit dem Verschwinden in Verbindung gebracht hat?
  8. Wer hat im Oktober 1978 in der Umgebung des Hafens bei Lynetten verdächtige Beobachtungen gemacht?
  9. Wem ist in den Tagen vor dem Fund am 27. Oktober 1978 etwas Ungewöhnliches aufgefallen, etwa eine Person, die sich beispielsweise auffällig für das Hafenbecken interessierte?
  10. Wer weiß, wer für das Verschwinden und den Tod von Line Frederiksen verantwortlich gewesen sein könnte?
  11. Wer kennt die genauen Umstände und Hintergründe ihres Todes?
  12. Wer hat damals Informationen erhalten, die nicht an die Polizei weitergegeben wurden?
  13. Wer wurde seinerzeit von der Polizei befragt und erinnert sich heute noch an weitere Einzelheiten?
  14. Wer hat noch alte Tagebücher, Briefe, Fotos oder andere Aufzeichnungen aus dieser Zeit, die eine Beobachtung zeitlich oder örtlich einordnen könnten?
  15. Wer hat Kenntnis von Gesprächen, Aussagen oder Umständen, die damals möglicherweise nicht ausreichend untersucht wurden?
  16. Wer hat damals andere Beobachtungen oder Wahrnehmungen gemacht, die mit dem Verschwinden und Tod von Line Frederiksen in Zusammenhang stehen könnten?
  17. Wer hat sonstige Informationen zu diesem Fall?

Wer Informationen zum Fall Line Frederiksen hat, wird gebeten, sich an die Ermittler der die Københavns Politi unter der Rufnummer +45 33 14 14 48 oder über das Online-Hinweisportal der dänischen Polizei wenden.
Außerdem kann man sich auch per E-Mail kbh@politi.dk an die Ermittler wenden. 

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