Montag, 8. April 2019

SCHAEPHUYSEN: Tötungsdelikt z. N. eines unbekannten Mannes (1996)

23 Jahre alter Cold Case wurd neu aufgerollt 

Wer kennt den unbekannten Toten


Vor fast 23 Jahren findet ein Jäger eine Leiche im Wald in Schaephuysen. Es gibt keinerlei Spuren, und niemand scheint den Toten zu kennen. Ich kann mich noch sehr gut an diesen Mordfall erinnern, denn dieser Fall wurde auch in der RTL2 Sendung "Ungeklärte Morde" vorgestellt. Ich hatte auch lang nichts mehr über den Fall gehört und er verschwand langsam aus meinen Gedächtnis. Umso mehr freut es mich, das der Fall nun nochmal neu aufgerollt wird und man nocheinmal versucht  die Identität, des unbekannten Mordopfers zu ermitteln. 


Es ist der einzige Mord im Kreis Kleve, den die Ermittler nie aufklären konnten. Nun nehmen sich die Ermittler erneut alle Akten zu Hand und versuchen den Fall doch noch aufzuklären. 



Mit diesem Bild wurde im Jahr 1996 versucht, die Identität, des unbekannten Toten zu ermitteln.
Foto: Polizei Krefeld 


Fast eine Woche lang hatte es geregnet, da kam an diesem kalten Sonntag, es war der 8. Dezember 1996, die Sonne heraus. Ein Jäger, hat seinen Hund an die Leine genommen und ist mit ihm ins Grüne gelaufen. In der Kiesgrube in Schaep­huysen, die seit Jahren stillgelegt und zugewuchert ist, will der Mann seinen Jagdhund trainieren. Der Jäger sagte später, dass er glaubte, eine Puppe zu sehen, die da nackt auf dem Waldboden lag. 
Doch eine Puppe, das weiß der Jäger sofort, hätte sein Hund nicht gewittert. 

Der Tote liegt nackt im Gestrüpp, seine Arme und Beine unnatürlich vom Körper abgespreizt, mit den Ästen auf dem Waldboden verschlungen. Ein Oberschenkel ist zerschlagen, der Oberkörper malträtiert. Das Gesicht zugeschwollen und entstellt. Allein auf den Kopf hat der Täter 16 Mal zugeschlagen, vermutlich mit einem Stahlrohr. 
Viele Fälle der Krefelder Kriminalpolizei sind aufgeklärt, aber dieser eine leider nicht. Der Tote in der Sandkuhle, ist noch ungeklärt. 


Normalerweise beginnen die Ermittler mit der Suche nach Zeugen. Doch nicht in der Sandkuhle. Drumherum gibt es keine Häuser, keine Nachbarn. Es hatte tagelang geregnet, kaum jemand war draußen im Wald gewesen. Und der Regen hatte auch jegliche Spuren weggewaschen. Der Waldboden ist aufgeweicht, Reifenspuren haben sich aufgelöst. 


Und auch an dem Toten finden die Ermittler nichts. Keine Kleidung, kein Schmuck, keine Spuren. Lediglich eine lange Narbe am Bein ist markant. Der Täter, hat den Mann all seiner Merkmale beraubt. Nichts sollte darauf hinweisen, wer er ist und woher er kommt, nichts sollte ihn identifizieren. Ohne Zeugen, seien Rückschlüsse auf den Täter beinahe unmöglich. 


Nun rollt eine junge Kriminalkommissarin den Fall neu auf. Nun wurde anhand des Schädels des Toten, eine verbesserte Fotomontage  erstellt.


Dass sich Täter und Opfer kannten, ist für die Ermittler klar. Wenn die Polizei wüsste, wer der Tote war, könnte man wahrscheinlich auch seinen Mörder finden.


Dass sich Täter und Opfer kannten, Streit hatten, dass es sich um eine Beziehungstat handelt, zeigt auch das „Übertöten“, von dem die Ermittler sprechen. Der Täter hat häufiger zugeschlagen, als es nötig gewesen wäre. Beim 16. Hieb war der Mann längst tot. So schlage keiner zu, um einen Menschen auszurauben.


Was die Ermittler 
noch sicher wwissen ist, dass der Fundort nicht der Tatort ist. Das zeigen die Totenflecken. Sie beweisen, dass die Leiche mehrere Stunden gelegen hat und dann transportiert wurde. Vermutlich mit einem Auto sei der Täter, vielleicht waren es auch mehrere, so nah wie möglich an die Sandkuhle herangefahren und habe den Mann eine Böschung hinabgeworfen. 


Das einzige, was die Ermittler an der Leiche finden, ist eine Faser, Polyester, bordeauxrot. Daran hängen Hundehaar und Dreck. Es ist wahrscheinlich, dass die Faser zu einer alten Hundedecke gehört, in die der Leichnam für den Transport eingewickelt wurde.


Sieben Tage lang hat der Tote dann im Regen auf dem Waldboden gelegen, schätzt Dr. Jürgen Bartz, damals Rechtsmediziner der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf. Er findet bei der Obduktion auch schwere Verletzungen an den Händen. Sie sprechen dafür, dass der Mann versucht hat, sich vor den Schlägen auf den Kopf zu schützen.


Bartz schätzt, dass der Mann bei seinem Tod etwa 40 Jahre alt war. Das dunkelbraune Haar hat graue Ansätze und Geheimratsecken. Auffällig sind seine Zähne, die vorne sind braun und von Karies durchlöchert, hinten trägt er Zahnersatz. Das spricht dafür, dass der Mann nicht viel Geld hatte. Sonst hätte er alles machen lassen. Bei den Prothesen hat der Zahnarzt ein Amalgam mit hohem Quecksilberanteil verwendet. Das ist in Deutschland 1996 verboten, in Osteuropa aber noch weitestgehend erlaubt. Da auf den Höfen in der Nähe viele polnische Erntehelfer arbeiten, geht die Polizei davon aus, dass der Tote aus Polen stammt.


Irgendwo in einer polnischen Stadt gibt es also wahrscheinlich eine Familie, die ihren Sohn, Mann, Freund oder Vater vermisst. Die wahrscheinlich auch eine Vermisstenanzeige aufgegeben hat. Ein Abgleich mit den Behörden in Polen sei Mitte der 90er Jahre aber noch fast unmöglich gewesen, eine zentrale Kartei gab es nicht. Ob irgendwo in einer kleinen Polizeistation in einer Schublade eine Vermisstenmeldung mit dem Namen des Toten aus der Sandkuhle liegt, wisse man nicht. 



Der Kriminalpolizei  blieb also nur, rund um Schaep­huysen zu ermitteln. Sie schauen sich auf den umliegenden Höfen um, beobachten die polnischen Gastarbeiter, durchsuchen Autos und durchkämmen Kofferräume nach der bordeauxrote Hundedecke – ohne Erfolg. Heute könnte man ganz anders fahnden, nan Gat einfach mehr Möglichkeiten. Die polnischen Behörden seien besser vernetzt, die Kommunikation einfacher. Auch Hautschuppen ließen sich analysieren, damals habe man nur die Fasern untersucht. Fände sich nur eine Hautschuppe, könnte man damit eventuell den Fall lösen. Doch ob es noch Proben von der Decke gibt, ist nicht klar.

Nun will eine junge Kriminalkommissarin, den Fall neu aufrollen. Was damals noch nicht möglich war, hat sie veröffentlicht: Ein digitales Phantombild, das anhand der Fotos des Toten rekonstruiert wurde. Nun ist es, als schaue man nicht mehr auf eine Zeichnung, sondern auf ein Foto. Als stünde man dem Menschen, der damals tot in der Sandkuhle lag, gegenüber. Die Fotomontage soll sich im Internet verbreiten, vor allem über Facebook, und vielleicht klären, ob irgendwo in Polen vor 23 Jahren ein Mann nicht mehr nach Hause gekommen ist.


Der Tote aus der Sandkuhle liegt in einem anonymen Grab auf dem nachgehen.


Beschreibung


Der Mann war zwischen 35 und 50 Jahre alt, 
etwa 1,70 Meter groß, Schuhgröße 40/41, Gewicht 76 Kilogramm, mittelkräftiger Körperbau, dunkelbraune, leicht gelockte Haare, 
an den Schläfen ergraut, Oberlippenbart, 
an Kinn und Wangen ein Dreitagebart, 
ältere Narbe am rechten Unterschenkel. 


Kontakt 

Hinweise an die Kriminalpolizei in Krefeld, Telefon 2151 6340 oder hinweise.krefeld@polizei.nrw.de