Donnerstag, 3. September 2015

GIFHORN: Tötungsdelikt z. N. einer unbek. Frau

Wer ist die Tote ohne Namen?

Eine Reiterin macht kurz nach Weihnachten 1994 eine grauenvolle Entdeckung. In einem Wasserloch auf einem Feld entdeckt sie die Leiche einer unbekannten Frau. Auch Jahrzehnte nach dem Fund rätselt die Polizei: Wer ist die Tote? Warum wurde sie ermordet?
Im Dezember 1994 wurde eine Unbekannte zwischen Eickhorst und Thune ermordet. Links ist ein retuschiertes Portrait des Opfers, rechts eine Rekonstruktion, die anhand des Gesichtsschädels erstellt wurde. Foto/Grafiken: Polizei
So könnte die unbekannte Tote ausgesehen haben. Links ist ein retuschiertes Portrait des Opfers, rechts eine Rekonstruktion, die anhand des Gesichtsschädels erstellt wurde. Wer kann Angaben machen?
Foto: Polizei


Die Tote liegt mit dem Gesicht nach unten in dem Wasserloch neben einem Feldweg in der Nähe des Ortes Vordorf-Eickhorst im Landkreis Gifhorn. Die Obduktion ergibt später: Die Frau ist ertrunken sowie am eigenen Blut erstickt. Ihr Gesicht ist völlig entstellt - offensichtlich die Wirkung großer Gewalt. Unter anderem wurde sie mit einem scharfkantigen Gegenstand - eventuell einem Beil - angegriffen. Todeszeitpunkt: vermutlich die Nacht zum 24. Dezember 1994.

Bilder von der entstellten Leiche wurden retuschiert und ohne Erfolg bundesweit veröffentlicht. Ein in mehreren Sprachen erstelltes Fahndungsplakat, das unter anderem in Botschaften und Ausländerämtern monatelang ausgehängt wurde, führte ebenfalls nicht zu entscheidenden Hinweisen.

Im Jahr 2012 fertigte eine Spezialistin des Landeskriminalamtes eine Weichteilrekonstruktion des Schädels an.

Die Frau war 1994 etwa 25 bis 30 Jahre alt, 151 cm groß, sehr schlank, hatte dunkelbraunes, in schwarz übergehendes, schulterlanges Haar und einen kleinen Leberfleck an der rechten Wange. Es könnte sich etwa um eine Thailänderin, Philipina, Vietnamesin, aber auch um eine Türkin handeln.

Auch die Bekleidung des Opfers kann der Kriminalpolizei bei der Klärung der Identität der Getöteten weiterhelfen. Die junge Frau war mit einem auffälligen kamelhaarfarbenen Mantel, einem schwarzen Samtkleid sowie Strumpfhose, Unterwäsche und schwarzen Stiefeletten festlich gekleidet. Sowohl der Mantel als auch das Kleid waren abgetragen und notdürftig gekürzt. Der Mantel in Größe 46 wurde 1987/1988 in Boutiquen der ehemaligen DDR vertrieben. Er war dem Opfer viel zu groß, am unteren Saum abgeschnitten und wenig professionell umgenäht. Das Innenfutter war mit Sicherheitsnadeln hochgesteckt, die Ärmel umgeschlagen. Der mit einem Rückenriegel versehene Mantel war dem Opfer noch immer viel zu groß, sodass sich der Riegel fast in Höhe der Waden befand. Auch das schwarze Samtkleid war eher laienhaft gekürzt.
Diesen auffälligen Mantel hat das Opfer getragen.
Mantel der Frau, Größe 46 und wurde unprofessionell gekürzt und auch verengt.
Wer hatte so einen Mantel oder wer hat so einen Mantel verschenkt?

Foto: Polizei 



Offensichtlich hat das Opfer die Bekleidung von jemandem geschenkt bekommen.

Die Polizei sucht nun Zeugen, denen diese Bekleidungsgegenstände eventuell früher gehörten und die sie verschenkten. Aber auch Personen, die Angaben zu einer jungen Frau machen können, die über diese Bekleidungsgegenstände verfügte.

Auf Grund bestimmter Ermittlungsergebnisse nimmt die Mordkommission an, dass die Tote aus der Region Braunschweig stammt und vielleicht in den Tagen vor der Tat den Weihnachtsmarkt in Braunschweig besuchte. Vermutlich hatte sich das Opfer am Tattag für den Abend schick gemacht und war mit dem späteren Täter essen. Auch hier könnten Zeugen die Frau gesehen haben.

Als Tatzeit kommen die Abende und Nächte vom 22. auf den 23. und vom 23. auf den 24. Dezember 1994 in Betracht. Danach dürfte die unbekannte Tote mit dem Täter in einem Fahrzeug auf den Feldweg zwischen den Ortschaften Eickhorst und Vordorf gefahren sein. Hier kam es aus unbekannten Gründen zu dem Angriff auf das Opfer, das zu flüchten versuchte und dabei brutal niedergeschlagen und anschließend in das Wasserloch geworfen wurde.

Auch wenn es unwahrscheinlich erscheint, fragt die Polizei, ob es Zeugen gibt, die in den Nächten zum 23. oder 24. Dezember 1994 im näheren und weiteren Tatortbereich Beobachtungen machten, die eventuell mit der Tat in Zusammenhang zu bringen sein könnten.

Es wurden damals weder eine Handtasche noch Schlüssel, noch Schmuck des Opfers gefunden, so dass der Täter diese Gegenstände mitgenommen und an anderer Stelle entsorgt haben könnte. Wer hat seinerzeit Gegenstände gefunden, die eventuell zum Opfer gehören könnten?

Der Täter dürfte sich bei der Tat mit Blut besudelt haben. Insbesondere an seiner Hose und seinen Schuhen müssten sich Blutanhaftungen befunden haben.

Der Täter hat damals vermutlich über ein Mittelklassefahrzeug verfügt und griffbereit ein scharfkantiges Werkzeug, etwa ein Beil, im Pkw mitgeführt haben.

Eine Spur führt auf den Weihnachtsmarkt Braunschweig. Die Mordkommission sucht Zeugen, die hier 1994 Fotos oder Filme aufnahmen, um diese auszuwerten.


Auffällig: Die Tote trug keinerlei Schmuck. Zudem fehlen jegliche persönliche Gegenstände. Am Tatort fand die Polizei weder eine Handtasche noch ihre Geldbörse. Hat der Täter die Gegenstände mitgenommen und später entsorgt? Oder sind sie noch in seinem Besitz?

In der Nähe des Wasserlochs sicherte die Polizei Reifenspuren von einem "Michelin"-Reifen - Modell: "Energy MXT". In den Jahren 1992 bis 1994 hatten 5er oder 7er BMW-Fahrzeuge solche Reifen standardmäßig. Sie wurden aber auch an anderen Autos verwendet.

Kannte die Frau ihren Mörder?

Hatte die unbekannte Frau eine Verabredung mit ihrem Mörder? Laut Obduktionsbericht hat sie nur Stunden vor ihrem Tod Nudeln mit Fleisch sowie roten und grünen Paprika gegessen. Zudem Kaffee, aber keinen Alkohol.

Beschreibung der unbekannten Frau:

  • vermutlich Asiatin, 
  • zum Todeszeitpunkt 25 bis 30 Jahre alt, 
  • 1,51 m groß, 
  • schlank, 
  • leicht welliges, braunes Haar. 
  • Vor ihrem Tod hat sie mindestens ein Kind zur Welt gebracht. 
Kleidung: 

  • brauner Wollmantel, ausländisches Billigfabrikat, Größe 46, laienhaft etwa 30 cm gekürzt, Innenfutter mit Sicherheitsnadeln fixiert, Ärmel umgeschlagen;
  • schwarze Wildleder-Schnür-Stiefeletten, Marke "Canda" (C&A), Größe 36, Plateau-Absatz, wurden bis Ende 1994 verkauft.

Belohnung: Für Hinweise, die zur Aufklärung der Tat führen, ist eine Belohnung von 2.500 Euro ausgesetzt.

Zuständig: Kripo Gifhorn, Telefon: 05371 / 98 00

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