Donnerstag, 6. Februar 2014

HESSEN: UNGEKLÄRTE MORDE-Reportage einer Spurensuche Teil 1-2

Eine Reportage von Ungeklärten Morden aus der Region Hessen 

Ich möchte Euch nun die Journalistin und Autorin Heike Bayer vorstellen. Sie befasst sich mit ungeklärten Mordfällen in der Region Hessen. Sie wird nun hin und wieder ihre Rechercheergebnisse und die dazu gehörigen Artikel hier im Blog veröffentlichen. Sie hat sehr genau recherchiert und sie möchte ihre Gedankengänge und Ergebnisse mit uns teilen! 


Ich finde Sie und Ihre Arbeit klasse, und ich möchte Euch  bitten das ihr Sie auch so wie mich gut annehmt und Sie auch unterstützt!

Artikel von Heike Bayer:
Die Reportage einer Spurensuche. 

I.Teil.

Das Register der offenen Mordakten ist lang.

Johanna Bohnacker, Melanie Freitag, Tristan Brübach, Britta Hafemann, Michael Walther, und die Winter-Frauen.

Sie lebten in Bobenhausen-Ranstadt, Wiesbaden-Klarenthal, Gelnhausen und Volkertshain.

Sie sind tot. Ermordet. Vor unser aller Haustür. Die Täter sind noch auf freiem Fuß, leben womöglich irgendwo mitten unter uns.

Elf Opfer. Elf unaufgeklärte Mordfälle.Verglichen mit größereren Bundesländern, ist das verdammt hoch fürs Zweitkleinste Land. Da schauderts Gänsehaut. 
Was ist in Hessen los? 

Die Spurensuche beginnt an der Autobahnabfahrt Friedberg, am Kreisel, Richtung Gewerbegebiet. Zum Grünen Weg, Polizeidirektion Mitte, K10.

Für den Mord an Johanna Bohnacker ist jetzt Hauptkommissar K. Schmidt zuständig. Ein sympathischer Mann Ende vierzig. Das Erbe seiner Vorgänger belastet. Er deutet auf die überfüllten Aktenschränke. „Die hier vorne, 2000 Aktendeckel- gehören allesamt zum Mord an Johanna Bohnacker.



Johanna Bohnacker
Foto: Polizei

Vielleicht ist er da irgendwo drin, der Name des Täters, Möglich, dass wir ihn damals verhört haben. Er wird gedeckt. Wir haben alle aus den Ortsteilen vernommen. Zig-Ermittlungsbogen ausgefüllt und alle befragt... “, gesteht er. Was macht ihn so sicher, dass sie ihn kennen? Er senkt den Kopf, klopft mit dem Zeigefinger auf das Aktenzeichen. Aha. Verstanden. Die Akte ist also noch offen, die Ermittlungen laufen noch immer, das Verfahren ist anhängig, und er hat Schweigepflicht.

Der Kriminalbeamte Schmidt wendet sich ab zum Computer, dreht den Monitor, klickt Google Earth an, zoomt auf einen schmalen Weg.

„Schauen Sie. Hier ist Johanna entlang geradelt, ist auf dem Rückweg von ihrer Freundin gewesen. Aus Bellmuth kommend, dem kleinsten Ortsteil, der kaum mehr als fünf Straßen hat. Auf dem Rückweg nach Bobenhausen, ist sie irgendwo hier ihrem Mörder begegnet.“

Im Jahre 2011 hätte Johanna ihren 20-igsten Geburtstag gefeiert. Wie reagieren die Bobenhäuser nach so vielen Jahren?

„Es ist schwierig, heute überhaupt Einheimische zu befragen", gesteht Schmidt, "da liegt so viel Mißtrauen über dem kleinen 500-Seelen-Nest. Die Menschen sind noch immer traumatisiert."

Einer, der von Anfang an mit dem Mordfall betraut war, und jetzt Polizei-Pressesprecher im Polizeipräsidium Mittelhessen ist, zieht die Medien in die Pflicht:


Link zum Artikel der Gießener Zeitung


Die Autobahn A5 zieht sich als blutig roter Faden durch mindestens zwei Morde.

Johannas Leiche wurde in Nordhessen an der A5 gefunden. Kurz vor Kassel, unweit der Raststätte Berfa. Der Mörder hat sie keine 100 Kilometer weit weg von ihrem Wohnort in einem Müllsack entsorgt.

Auffällig, dass weiter südlich, am Gambacher Kreuz, an der Anschlussstelle Steinbach, 15 Jahre zuvor auch ein Mordfall geschehen ist. Nach Johanna, die an einem Septembermorgen

verschwunden ist, wurde auch an einem Septembermorgen, am 15.-ten des Jahres 1985, am Parkplatz, die Leiche von Britta Hafemann gefunden. 

In Aktenzeichen XY-ungelöst, war der Mord zweimal im Brennpunkt als Studiofall.




Vor 29 Jahren war das – Mord verjährt nicht. 

Mysteriös bleibt die Bemerkung einer Frau aus einem Kult, die über Mittelhessen von „der Heimat der Täter“ spricht. Was weiß sie? Die Polizei tappt im Dunkel. Denn sie ist verschwunden. Wenn sie redet, ist das Hochverrat und brandgefährlich. 




Warum die Zahl 6 eine große Rolle spielt, und was es mit einem teuflischen Zeichen auf sich hat, erfahrt ihr im II. Teil der Reportage.


Mehr auch unter:

Link zu Tatortnews




M Y S T E R Y, Cold Cases

Reportage einer Spurensuche


II.Teil



Es sind diese eiskalten Augen und scharfkantigen Gesichtszüge, die jedem blanke Schauer über den Rücken jagen. Der Blick verfängt sich auf die Narbe über der Oberlippe. Flusenartige Haare fallen auf. Ungepflegt. Im Nacken zum Zopf gebunden...

Das Phantombild läßt seit nunmehr 12 Jahren alle, die sich mit ihm beschäftigen, nicht mehr los.




Phantombild
Foto: Polizei


Wanted. Dieser Mann wird gesucht. Er soll den damaligen 13-jährigen Schüler Tristan Brübach auf dem Gewissen haben. Ermordet am 26. März 1998. In der Tunnelunterführung in Frankfurt-Höchst. Bestialisch abgeschlachtet. Geschächtet wie ein Tier. Das Messer am linken Ohr angesetzt, die Kehle aufgeschlitzt bis zum rechten Ohr. Im Bach hat er den Jungen ausbluten lassen. Seine Leiche in den Tunnel geschleppt und ihn dort aufgebahrt wie eine Trophäe. 
Die Hoden herausgeschnitten samt einem Stück Muskelfleisch. Unvorstellbar. Grauenvoll. Eine Tat, die bisweilen in der jüngeren Kriminalgeschichte seinesgleichen sucht. 
Doch anders als im Fall Johanna hat die Menschenbestie seine Spur hinterlassen. Auf einem Schulbuch von Tristan. Ein blutiger Fingeradruck. So konnte seine DNA sichergestellt werden. Weltweit erfasst in der Zentraldatenbank. Bei jedem Mord, der auf diesem Globus geschieht, bei jedem Padophilen, der sich an Kindern vergeht, wird automatisch die DNA abgeglichen.


Tristans Tascheninhalt,  Schulbuch mit blutigen Fingerabdruck des mutm. Täters
Foto: Polizei


Gibt es einen Zusammenhang zwischen Frankfurt-Höchst und Ranstadt-Bobenhausen, wo Johanna Bohnacker verschwunden ist? Keine 40 Kilometer liegen die Tatorte auseinander. 
Soll nicht im Mordfall Johanna ein Zeuge einen Mann mit Zopf in der Nähe des Tatortes gesehen haben? 
Könnte es sich um den gleichen Täter handeln? 
Fragen über Fragen an den zuständigen Hauptkommissar in Frankfurt, Uwe Frey. Der schüttelt vehement den Kopf. Nein. Der grauenvolle Mord an Tristan Brübach trägt das Konterfei eines äußerst perversen Sadisten, lässt er uns wissen. 
Hartnäckig hake ich nach. „Haben Zeugen nicht ausgesagt, dass im Mordfall Johanna ein Mann beobachtet worden ist mit einem Zopf, statt blond soll der dunkel gewesen sein. „Was ist dunkel, was ist hell! Unerheblich, jeder hat eine andere Wahrnehmung", kritisiert er. Doch laut Tatanalyse und dem Täterprofil bestätigt er die Zweifel seines befreundeten Friedberger Kollegen, Hauptkommissar Schmidt, dass der Mörder von Tristan nicht der Mörder von Johanna sein kann.

Der ermittelnde Kripobeamte Frey hat den Mord an Tristan im vergangenen Jahr neu aufgerollt und Fallanalytiker, sogannte Profiler, aus München eingeschaltet. Sie verfolgen neue Spuren.

SAT 1 hat diese dokumentiert. Die Reportage ist im November 2013 ausgestrahlt worden. Hat eine Flut von Hinweisen nach sich gezogen. Mehr als 200. Focus Online schreibt, dass der Kripobeamte Frey bei einem heißen Tipp aus seinem Stuhl aufgesprungen sei.

„Wo haben Sie das denn das gelesen?", kontert er. Räumt aber dann ein, dass sich der anfangs viel gepriesene Tipp inzwischen in Luft aufgelöst hat. Wie übrigens alle neuen Spuren, die nach der Sendung bislang ausgewertet worden sind.

Wer ist diese Bestie? Jemand, der wie Hannibal Lektor im Kinoschocker „das Schweigen der Lämmer“ mordet?

Ich kontaktiere einen der renommiertesten Experten, den wir auf diesem Gebiet in Deutschland haben, Prof. Dr. Michael Osterheider von der Universität Regensburg. Eine Choryphäe in der Neurologie und Kriminalpsychiatrie. Seit 2004 hält er eine Professur für Forensische Psychiatrie an der Universität Regensburg. Den Fall Tristan Brübach kennt er. Spricht sofort von der Tat eines Psychopathen. Obwohl dieser Begriff etikettiert sei bei uns in Deutschland. Negativ besetzt durch die Nationalsozialisten.

Ist "das Böse" im Gehirn des Menschen nachweisbar? Sein amerikanischer Kollege, der Facharzt Adrian Raine, Kriminologe an der University of Pennsylvania in Philadelphia, glaubt in Hirnen von schwerst sadistischen Killern Areale entdeckt zu haben, die Muster und Defizite aufweisen.

"Das ist überinterpretiert und Bullshit", stellt er klar und weiter informiert er, "Die Amerikaner übertreiben, müssen ihre Milliarden Dollars, die sie für die Hirnforschung „Brain research und Neuro-Imaging" freigeschaufelt haben, rechtfertigen, Man kann nicht Patienten in den Kernspin schieben und dann nach einem Muster und Defizit in den Hirnarealen suchen. Außerdem scheint es sehr gewagt von den amerikanischen Kollegen, zu behaupten, 15 bis 20 Serientäter untersucht zu haben, reiche aus, um wissenschaftliche Thesen zu stützen.


Link zum Artikel der WELT



Prof. Dr. M. Osterheider: "Was wir sicher heute sagen können, ist, dass es Auswüchse gibt bei Psychopathen, die sich schon im frühen Kindesalter zeigen, Sie sind multifaktorell. Mängel und Beeinträchtungen können vielfältiger Natur sein. Zum Beispiel emotionale Defizite, aber auch Einflußfaktoren wie Sauerstoffmangel vor und bei der Geburt. Was man heute mit Sicherheit weiß, ist, dass im Dritten Drittel der Schwangerschaft das Hirn des Fötus beeinflusst werden kann. Zum Beispiel durch Infektionen der Mutter und auch durch hormonelle Störungen etc. Aber da ist noch lange noch nicht alles erforscht. Viele sadistische Serientäter zeigen vorpubertäre Traumata, Auffälligkeiten, wie Tierquälereien, oder andere sadistischen Züge."


H.N.B.: Glaubt er, dass jeder Mensch zu einem Mord fähig ist?

Prof.Dr. Osterheider: Ja, es gibt Situationen, da ist grundsätzlich jeder Mensch zu einem Tötungsdelikt fähig.

H.N.B: Können Sie damit rechnen, dass Forensik mit genügend Forschungsgeldern in Zukunft ausgestattet wird?

Prof. Dr. Osterheider: Die Forschung ist auch immer eine Sache der politischen Ausrichtung, und im Moment wird eher in die Forschung von Gender-Studien investiert. In die Geschlechtererforschung.


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Heike Nocker-Bayer

Autorin

Vertriebsbüro Gießen

0641/3993665


N E U

Jede Woche eine kostenlose Leseprobe meiner Reportage über Cold Cases in Hessen.

Werfen Sie einen Blick ins Buch unter folgendem Link

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