Freitag, 28. Dezember 2012

INGOLSTADT: Vermisst Taprap Chettana

Wo ist die vermisste Ingolstädterin?

Ein halbes Jahr nach ihrem Verschwinden bleibt der Vermisstenfall Taprap Chettana überaus mysteriös. Die 31-jährige Ingolstädterin war während einer Urlaubsreise nach Kroatien verschwunden. Während die Polizei auf der Stelle tritt, wünschen Angehörige sich mehr Ermittlungsdruck.

Ingolstadt: Die Spur verliert sich in Österreich
Foto:Polizei-Vermisste

Die aus Thailand stammende Frau war am 29. Mai nach längerem Aufenthalt in ihrer Heimat nach Deutschland zurückgekehrt. In Südostasien hatte sie mehrere Wochen verbracht, unter anderem wegen der Beerdigung eines nahen Verwandten. Mit ihren drei und fünf Jahre alten Töchtern sowie ihrem 34-jährigen Lebensgefährten war sie sechs Tage später von Ingolstadt aus nach Kroatien aufgebrochen. Auf der Insel Rab, so gab ihr Partner später bei der Polizei zu Protokoll, sei die Thailänderin von einem Strandspaziergang am 12. Juni nicht mehr zurückgekommen. Der Ingolstädter hatte zwar umgehend Vermisstenanzeige erstattet, war aber danach gleich mit den Kindern Richtung Deutschland aufgebrochen, ohne das Ende der Suchaktion abzuwarten.


Die kroatische Polizei hatte ihn wenig später festgenommen und wegen seines merkwürdigen Verhaltens eingesperrt. Beweise dafür, dass der Ingolstädter etwas mit dem Verschwinden der Frau zu tun haben könnte, fehlen bis heute. Der Mann galt nach seiner Rückkehr auch hier zunächst als Beschuldigter, was sich jedoch nicht halten ließ. Mittlerweile sind die beiden Töchter wieder in seiner Obhut. Sie waren auf Anordnung des Jugendamts zwischenzeitlich bei Pflegefamilien untergebracht.


„Wir vermuten zwar, dass die Frau tot ist, aber es gibt nicht den geringsten Beweis dafür“, sagte Helmut Walter, Leiter der Ingolstädter Staatsanwaltschaft, zum Stand der Ermittlungen. Die 31-Jährige könne Opfer eines Unfalls oder einer Straftat sein, sich vielleicht jedoch einfach nur abgesetzt haben, etwa weil sie sich von ihrem Partner trennen wollte. „Sie hat aber seit 12. Juni zu niemandem in ihrem Umfeld mehr Kontakt gehabt, weder zu Bekannten in Ingolstadt noch zur Familie in Thailand.“ Dies sei alles überprüft worden. „Unsere Möglichkeiten sind im Moment ausgeschöpft“, sagte Walter.


Die Kriminalpolizei Ingolstadt hat derweil noch einmal jede Spur verfolgt, die die 31-Jährige während der Urlaubsreise hinterlassen haben könnte. Da der VW-Campingbus der Familie unterwegs mit einer Panne liegen geblieben war, hatte das Paar mit seinen Kindern im österreichischen Bundesland Salzburg einen Zwischenstopp einlegen müssen. In Radstadt war Taprap Chettana zuletzt gesehen worden. Laut Aussage ihres Partners hatte der Schaden am Auto sich nicht gleich beheben lassen, weshalb er die Reise am 9. Juni mit einem Leihfahrzeug fortsetzte, angeblich mit der gesamten Familie. Ob die Thailänderin aber tatsächlich mit im Auto saß, ist bis heute ungeklärt. Ihr Lebensgefährte behauptet das, doch dafür fehlt der Kripo weiter jeder Beweis.


„Die Kollegen haben noch einmal jeden Ort angefahren, an dem die Frau gewesen sein soll“, sagt Ulrich Pöpsel, Sprecher des Polizeipräsidiums Ingolstadt. „Aber nach dem Aufenthalt in Radstadt findet sich niemand mehr, der Taprap Chettana gesehen hat.“ Weder irgendwo in Österreich noch auf der Strecke durch Slowenien oder auf der Insel Rab, wo die 31-Jährige sich nach Aussagen ihres Partner noch einige Tage vor ihrem Verschwinden aufgehalten haben soll. „Selbst Feriengäste, die wir im Nachhinein ermittelt haben, konnten uns das nicht bestätigen.“ Mehrere Suchaktionen der österreichischen Polizei „mit Großaufgeboten“ brachten die Ermittler ebenfalls nicht weiter.


Verwundert über den Fortgang des Verfahrens auf deutscher Seite zeigen sich indes Angehörige der Verschwundenen. Ein Onkel der Vermissten aus Niederösterreich berichtet davon, in Ingolstadt gewesen zu sein, um die zwei Töchter seiner Nichte bei den Pflegeeltern zu besuchen. Die Mädchen hätten dabei geäußert, die Mutter sei sehr krank gewesen und jetzt tot. Sie sollen ganz explizite Angaben zum Verbleib der Frau gemacht haben, was an dieser Stelle nicht näher erläutert werden kann. Die Aussagen habe er mit der Videokamera dokumentiert, um sie der Kripo zu geben. Es habe aber kein Interesse bestanden. Das Polizeipräsidium wollte sich gestern nicht zu dem Vorwurf äußern.

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